Gestrandet in Feuerland - Der Versuch einer doppelten Weltumseglung

Nach dem tragischen Verlust von Horizons nähre ich keine Illusion mehr über diese Reise, sondern versuche die
Leere niederzukämpfen. Der Traum liegt hinter mir, nun durchlebe ich die Realität:

Das Projekt sail2horizons ist gescheitert. Durch die Mitnahme einer Begleiterin bis zu den Kanaren, war der Start
bereits das Ende. Dazu kamen die verschwiegenen Stopps aus technischen Gründen. Die Mission hätte gelingen
können, das Resultat hingegen, wird auch seinen Platz in der Chronologie menschlichen Versagens finden.
Für meine Verfehlungen habe ich mich entschuldigt. Dennoch bedauere ich noch immer, durch mein Verhalten
Menschen und Sponsorenpartner enttäuscht zu haben, die an mich glaubten und mich unterstützten.
Bei einem umfangreichen Projekt wie sail2horizons passierten auch andere Fehler. Einer davon lag in der
Vorbereitung, wo ich mir mehr Zeit hätte lassen sollen, um das Schiff technisch einfach besser vorzubereiten.
Aber ich war getragen von einer Welle der Begeisterung und Dynamik, die mich einfach nur noch mehr antrieb,
so schnell wie möglich zu starten.
Selbstkritik ist wichtig, aber im Nachhinein macht es keinen Sinn, sich mit Selbstanklagen zu zerstören. Es bleibt die
Erinnerung, ein Projekt mit Inhalten auch umgesetzt zu haben. Ich habe auf dieser Reise etwas für die Wissenschaft
getan und bin Initiator und Gründungsmitglied des Vereins "Licht am Horizont - Für die Kinder von Wismar e.V."

Auch sportlich habe ich versucht meine Leistung zu bringen.
Trotz der Abbergung zwischen Tasmanien und Neuseeland, der Schiffssuche, der Reparatur und des Neustarts in
Neuseeland habe ich nie daran gedacht aufzugeben. Es war meine feste Absicht, die Reise mit einer doppelten
Weltumseglung zu beenden. Dafür habe ich bis an meine physischen und psychischen Grenzen gekämpft.

Die Solo- Weltumseglung von den Kanarischen Inseln nach Puerto Rico (Kanaren), unterbrochen durch 5 technische
Stopps, ergab nach 220 Seetagen insgesamt 28190 Seemeilen. Dabei wurden die großen Kaps der Erde gerundet:

Das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leewuin und Kap Hoorn. Der Törn von Neuseeland durchs Südpolarmeer um
Kap Hoorn zu den Kanaren wurde nonstop durchgeführt.
Beim Versuch der 2. Weltumseglung gegen die vorherrschenden Winde im Südpolarwinter, segelte ich 131 Tage
nach meiner ersten Umrundung des Kap Hoorn, das zweite Mal um den berüchtigten Felsen. Insgesamt ergab der
Törn bis zur Strandung in Feuerland nach 284 Seetagen ca. 35.000 Seemeilen, 3Äquartorüberquerungen und zwei
Kap Hoorn Umrundungen.
Auf diese sportliche Leistung bin ich trotz allem ein bisschen stolz, aber damit ist auch schon Schluss, denn ich
beziehe die Leistung nicht nur auf mich! Ein Projekt wie sail2horizons wäre ohne die Unterstützung meiner
Sponsorenpartner und meines Teams nicht möglich gewesen. Mein Dank gilt ganz besonders meiner Frau Anita,
sowie Werner Merten, Dr. Uwe Lang, Kay Zimmermann, Dr. Ralf Hinkel von der Fa. Mobotix, der Familie Richter
von der Fa. Rila und vielen anderen.

Der Ozean lässt mich wie tot zurück, aber ein kleines Stück Leben bleibt, denn ich fühle noch die Kälte und
die Nässe im Unterwegssein. Auch den Duft der Südmeere habe ich mit allen Poren eingesogen.
Diese Landschaften muss man erlebt haben, um es zu begreifen und deshalb werde ich dieser Intensität wohl mein
Leben lang auf der Spur sein.
Die zurückliegenden Monate bilden für mich ein Kaleidoskop des Lebens mit einem Konzentrat an Emotionen.
Ich erlebte eine Achterbahn der Gefühle aus Angst, Schmerz, Enttäuschung, Euphorie, Wut, Demut, Hoffnung,
Verzweiflung und Glück. Ich habe gelernt, mit Enttäuschungen und Niederlagen umzugehen, die einen solchen
Törn unausweichlich begleiten. Nun haben mich die 35.000 Seemeilen zu meinem Ausgangspunkt zurück geführt.
Geographisch bin ich also keinen Meter weitergekommen. Aber innerlich habe ich einen Riesenschritt getan und
meinen Sinn für die mir wichtigen Dinge geschärft.
Jetzt ist der Blick auf etwas Fernes gerichtet, was es im Moment noch nicht gibt und dennoch ist das Ende einer
Reise immer auch der Beginn einer neuen.

Zunächst möchte ich dieses Projekt und den Törn für mich abschließen und verarbeiten, indem ich ein Buch
darüber schreibe. Ausserdem möchte ich von meinen Erlebnissen und Abenteuern erzählen, denn es gibt
phantastisches Foto- Videomaterial, um daraus einen Film zu erstellen.

Bernt Lüchtenborg, Luzern/CH, 24.6.10


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