
Hier erhalten Sie einen Überblick über alle Logbuch-Eintragungen chronologisch geordnet.
09.03.2010 11:10:23
228. Seetag – Die Takelage macht einen Höllenlärm, das Geschaukel zerfasert meine Nerven. Kein Wind, die totale Flaute. „Kopf hoch“, Klaus Störtebeker taucht auf, wie er in Hamburg, ohne Kopf an 12 Getreuen vorbei lief. Hab die südlichen Inseln der Kapverden erreicht. Das Leben kommt zurück. Möwen kreisen aufgeregt im Luftstrom, während ich an die ruhigen Flüge der Albatrosse denke. In der Nacht zwei Fischerboote auf Kollisionskurs, ein Containerschiff querab. Ein Schei..gefühl mit kaum Fahrt im Schiff durch die Nacht zu treiben. Bleibe zur Sicherheit mit Halogenstrahler und VHF-Funkgerät während der ganzen Nacht im Cockpit. Da war noch einer….Der Teufel schaut mir über die Schulter, zählt die verschluckten Silben beim Vaterunser und notiert jede Minute Schlaf während der Nachtwache. Über mir explodiert das Sternenmeer, darin die schwarzen Löcher des Universums, wo die Zeit still steht, wo alles aufhört. Die ewigen Kalmen des Raumes. Ab und zu sehe ich eine Sternschnuppe. Während sie den Himmel überquert, halten die übrigen Sterne inne, um ihr staunend nachzublicken. Ich wünsch mir etwas und lass meine Gedanken los: Die Happy-hour der Zufriedenheit. Der Passat ist zurück, das Haus steht wieder schief. Hoch am Wind stampft Horizons Kurs Nord.
08.03.2010 12:49:00
227.Seetag – Log: 29018 sm - Ich möchte ankommen. Die Sehnsucht gießt sich in mein Herz und wird zum Steuermann. Doch der Nordost Passat hat die unverschämte Angewohnheit immer mal wieder wegzubleiben. Häng in einer Windstille. Horizons schaukelt in der schweren Dünung einer alten See, die Segel schlagen. Erledige ein paar kleinere Reparaturen, notiere nüchtern: Kein Trinkwasser, kein Diesel mehr und ergebe mich: Denn die Flaute hat hier die Aufsicht. „37% der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zur Toilette“ lese ich in einem ZEIT-Magazin. Dabei wird mir klar, dass ich einer von ca. 2,6 Milliarden Menschen bin, dem dieser ethisch und moralisch unerlässliche Zugang zur sanitären Anlage verwehrt bleibt. Horizons ist zwar mit Dusche u. Toilette ausgestattet, aber auf diesem Törn ist dieser Luxus auf Grund des Strom- und Wasserverbrauch ungeeignet. An Bord ist alles auf ein Minimum reduziert. Dusche und WC sind Stauraum. Die Außendusche gibt’s unter freiem Himmel. Mein WC besteht aus einem Eimer (braun) Einen zweiten benutze ich für die Salzwasserdusche (rot s.Foto) Die Kunst besteht darin, beide Eimer nicht zu verwechseln!
05.03.2010 10:35:41
224. Seetag – Log:28628sm – Ein kräftiger Ruck zittert durchs Schiff und setzt mein Herz in Galopp. Mein erster Gedanke:Wieder eine Kollision! Dann entdecke ich das gerissene Kutterstag und entschleunige mich. Das Stag war eh nur provisorisch repariert und muss in Las Palmas erneuert werden. Wird Zeit dass wir ankommen. Mein Irisch Moos geht langsam zur Neige und das Trinkwasser dem Ende zu. Zwangsläufig widme ich mich all den Getränken die ich nicht sonderlich mag, wie Rote Beete oder Krautsaft. Beim Studieren der Inhaltsangabe grimassierte sich mein Gesicht, als hätte ich den Sauerkrautsaft schon intus. Mein Defizit an Vitaminen gleiche ich mit Tabletten aus. Da aber Vitamin C als wasserlöslich gilt, bleiben die Vitamine nicht dem Körper erhalten, sondern werden als Multi-Vitamin Drink über Bord gepullert. Eigentlich viel zu schade! Gott sei Dank schenkt uns das Meer als Ausgleich frische Vitamine und die Erkenntnis, dass viele der besten Dinge im Leben gratis sind: Wie z.B. der Bonito (s.Foto) der sich fatalerweise im Fischköder verhedderte.
04.03.2010 11:11:41
223.Seetag – Log: 28497 sm - In der Nacht packt mich eine Unruhe. Es dauert bis ich aus der Koje komme und mich ins Cockpit schleppe. Um uns herum das Halbrund der Wolken, umrahmt vom Licht des Mondes. Viel zu sehen gibt es nicht. Stille ist das meiste darin. Aber beim Blick über die Schulter bekomme ich den zweitgrößten Schreck dieser Reise: Etwa 5 Kabellängen* querab zieht ein riesiges Containerschiff. Das erste Schiff nach immerhin 10 Wochen. Schalte das Radar an um die Systeme zu testen. Rufe die Brücke über VHF-Funk. Frage ob sie Horizons auf ihrem Schirm haben, ob mein AIS System** funktioniert und höre im Hintergrund die scheppernden Klänge einer Samba. Quatsche mit Louis dem brasilianischen Wachhabenden über den Karneval, nicht den in Rio, der ist für Touristen, sondern über den Straßenkarneval in Bahia und über Dunga*** und Co. Dann höre ich immer nur Deus, mio Deus, als ich ihm davon erzähle, dass ich gerade um die Welt gesegelt bin. Schau den Lichtern des Dampfers nach bis er hinterm Horizont versinkt und mich der Schlaf abholt.
*1 Kabellänge ca. 180m, **AIS-Automatisches Identifikations System von Schiff zu Schiff *** Dunga – Fußballnationaltrainer von Brasilien
*1 Kabellänge ca. 180m, **AIS-Automatisches Identifikations System von Schiff zu Schiff *** Dunga – Fußballnationaltrainer von Brasilien
02.03.2010 11:08:37
221.Seetag – Log: 28244 sm
Die See atmet mit dem blauen Tag. Eine Ahnung von Wind liegt in der Luft. Kleine Schatten huschen über den Ozean und kräuseln das Wasser. Der Passat scheint nicht mehr zu existieren, die Innertropische Konvergenzzone (ITC) ist weiter aktiv. Riesige Gewitterwolken tauchen auf, entladen sich so intensiv, dass ich in den kräftigen Schauern duschen kann.
In der Nacht zucken am Horizont Blitze, murmelt weit weg der Donner. Dann reist die Bewölkung auf und plötzlich guckst du zum lieben Gott. Im Schatten des Vollmondes bitte ich alle Kräfte die so herumfliegen und alle Dinge, die sich besprechen oder miteinander zu tun haben, um ein gutes Weiterkommen und gedenke der Opfer der schweren Naturkatastrophen in Chile und Europa.
Die See atmet mit dem blauen Tag. Eine Ahnung von Wind liegt in der Luft. Kleine Schatten huschen über den Ozean und kräuseln das Wasser. Der Passat scheint nicht mehr zu existieren, die Innertropische Konvergenzzone (ITC) ist weiter aktiv. Riesige Gewitterwolken tauchen auf, entladen sich so intensiv, dass ich in den kräftigen Schauern duschen kann.
In der Nacht zucken am Horizont Blitze, murmelt weit weg der Donner. Dann reist die Bewölkung auf und plötzlich guckst du zum lieben Gott. Im Schatten des Vollmondes bitte ich alle Kräfte die so herumfliegen und alle Dinge, die sich besprechen oder miteinander zu tun haben, um ein gutes Weiterkommen und gedenke der Opfer der schweren Naturkatastrophen in Chile und Europa.
01.03.2010 11:46:52
220. Seetag – Log: 28161 sm - Im Spiegel der Stille. Vor mir steigt die Sonne aus dem Nordatlantik(siehe Foto) Der Himmel ist fast wolkenlos, das Wasser wie glatt gebügelt.
Seit dem ich den Äquator überquert habe, kommt und geht der Wind zwischen 0 und 8kn. Die Segel schlagen. Der Kalmengürtel ist zum Verrücktwerden. Genua einrollen, ausrollen. Blister setzen, wieder wegnehmen. Null Wind, dann plötzlich ein paar Böen aus unterschiedlicher Richtung. Kurze Zeit später wieder Flaute. Wenn es stürmt, weiß ich woran ich bin, aber diese Windstillen sind tödlich. Sie fressen den Wunsch voran zu kommen und nähren die Unsicherheit mit Horizons jemals Las Palmas zu erreichen. Aber in diesen Momenten weiß ich auch, dass nach all den Stillen die ich bisher zu ertragen hatte, auch wieder Wind kam. Vom Meer kann man vieles lernen: Geduldiger zu sein und warten zu können, auch wenns länger dauert.
Ein kochend heißer Tag. Der Kaffee scheint mir sofort ohne Umweg auf die Stirn zu treten. Sitze im Bugkorb und starre aufs Meer – und das Meer starrt zurück.
Seit dem ich den Äquator überquert habe, kommt und geht der Wind zwischen 0 und 8kn. Die Segel schlagen. Der Kalmengürtel ist zum Verrücktwerden. Genua einrollen, ausrollen. Blister setzen, wieder wegnehmen. Null Wind, dann plötzlich ein paar Böen aus unterschiedlicher Richtung. Kurze Zeit später wieder Flaute. Wenn es stürmt, weiß ich woran ich bin, aber diese Windstillen sind tödlich. Sie fressen den Wunsch voran zu kommen und nähren die Unsicherheit mit Horizons jemals Las Palmas zu erreichen. Aber in diesen Momenten weiß ich auch, dass nach all den Stillen die ich bisher zu ertragen hatte, auch wieder Wind kam. Vom Meer kann man vieles lernen: Geduldiger zu sein und warten zu können, auch wenns länger dauert.
Ein kochend heißer Tag. Der Kaffee scheint mir sofort ohne Umweg auf die Stirn zu treten. Sitze im Bugkorb und starre aufs Meer – und das Meer starrt zurück.
26.02.2010 10:02:28
217. Seetag – Log:27915 sm - Die Welt steht wieder gerade! Auf 17°55W den Äquator das 2. Mal passiert. Darauf (nur) einen Schluck vom edlen Talisker, den Vaughn mir zum Abschied in NS schenkte. Feuer gleitet über die Zunge in den Magen. Torf, Rauch und Seeluft verzahnen sich zu einem einzigartigem Geschmackserlebnis und schicken dich direkt in die schottische Mythologie. Cheers! Auf Horizons, auf die Kaps. Im Meer der Erinnerungen war Kap Hoorn der Höhepunkt. Am meisten zu schaffen gemacht haben mir die hohen Breiten des Indiks. Da bin ich mit Dingen gequält worden, die eindeutig gegen die Genfer Konvention verstoßen. Das Südpolarmeer fordert Respekt und Demut und geht hart ins Gericht mit jenen, die in die faszinierende Welt der eisigen Weiten vordringen. Die Gedanken daran wären es wert gewesen von der einen, zur anderen Seite gewendet zu werden, aber Essen ist fertig: Pfannkuchen mit Apfelmus. Um uns herum wird aus dem Kumulus ein grauer Schleier.
Die zaudernden Segel flappen und taumeln in der dicken Luft, die See glättet sich, blau und ölig. Schließ jetzt mal den Laptop und sehe zu, dass ich morgen dem Equatorial Counter Current nicht zu nah komme und den Anschluss nach Las Palmas nicht verpasse.
Die zaudernden Segel flappen und taumeln in der dicken Luft, die See glättet sich, blau und ölig. Schließ jetzt mal den Laptop und sehe zu, dass ich morgen dem Equatorial Counter Current nicht zu nah komme und den Anschluss nach Las Palmas nicht verpasse.
25.02.2010 10:47:57
216.Seetag – Nach dem Aufstehen eine Wolke am Himmel, 4 Eimer Salzwasserdusche und für den Rest des Tages jede Menge Meer. Bin froh, dass der Passat mit 8Kn in den Mallungen durchsteht. Hier ist schon so mancher wochenlang in den berüchtigten Flautenlöchern hängengeblieben. Das gestrige Thema Plankton erinnert daran, warum ich auch unterwegs bin: Nämlich etwas zu tun für die Wissenschaft. Das Foto zeigt die Messung der Sonneneinstrahlung, wo über den Sensor Partikel und Algenblüten im Meer nachgewiesen werden. Es folgt die Entnahme einer Wasserprobe und das Absenken einer Sonde die in einer Wassersäule von 50m Temperatur, Druck und Strömung misst. Abschl. werden die Daten auf dem Laptop ausgelesen und gespeichert, die Koordinaten protokolliert, die Wasserflasche verstaut. Der Vorgang dauert eine Stunde und bringt Abwechslung in den Bordalltag, der heute überwiegend aus Vorfreude besteht: Gegen Abend werde ich das 2.Mal über den Äquator segeln. Das Erreichen eines Etappenziels ist für mich psychologisch ein wichtiger Ansporn, der Kraft und Motivation für den nächsten Meilenstein gibt. Und der liegt in Las Palmas. „Komm“sage ich zu Horizons „das bringen wir noch eben zu Ende. 2 Wochen wenn alles gut geht“
24.02.2010 10:16:44
215. Seetag –Log: 27595sm - Das schwül-feuchte Klima der Doldrums, auch Mallungen genannt, scheint zu heiß für geflügeltes Leben zu sein. Ornithologisch gesehen herrscht im Flugraum in der Nähe zum Äquator Ruhe. Dafür bringt die untermeerische Lightshow Leben. Horizons zieht in der Nacht einen dicken Feuerstrunk hinter sich her. Die Funken sprühen und das Kielwasser fluoresziert. Das von Plankton verursachte Phänomen dauerte nur wenige Minuten, verschwindet und kommt kurz darauf wieder. Wer führt hier Regie? Die Tiefsee ist immer noch eine terra incognita, ein fremdes Universum. Meine Gedanken klammern sich an die Geschichten von Architeuthis und Co., die Bernhard Kegel in seinem wunderbaren Buch „Der Rote“ beschreibt. Von Riesenkraken die in den unerforschten Abyssalen der Ozeane ihre Lebensräume haben. Das phosphoreszierende Schauspiel wiederholte sich. Die Aufführung war umwerfend, die Akteure grandios, das Bühnenbild spektakulär. Das alles hätte ein großes Publikum verdient, aber im Zuschauerraum sitz nur ich - unter einem Zelt aus Samt, bestickt mit funkelnden Brillianten.
23.02.2010 10:12:54
214. Seetag – Log:27416 sm - Nachts kühlt es etwas ab. Während der große Despot damit beschäftigt ist, die andere Seite der Erde zu verbrennen, geh ich raus auf die Terrasse, das Gehör durchlüften: Meeresrauschen. Rundumblick: Bis auf die zwei weit am Horizont entfernten Lichter, vor wenigen Tagen, bin ich seit Neuseeland keinem Schiff begegnet! Wie von unsichtbarer Schnur gezogen, segelt Horizons beständig Kurs Nord. Über uns der zunehmende Mond, die Sterne, darunter das Meer und dazwischen der unentwegte Passat. Am Nachmittag platzt die Fruchtblase der Zufriedenheit. Der Schäkel des Topnants vom Spibaum bricht.7 to. Nutzlast. Bäng - einfach weg! Das Fall saust nach oben in den Mast. Muss hinterher. Die Zahl der Atemzüge, die nötig sind, um 17m zu überwinden, hat sich verdoppelt.Zeichen mangelnder Bewegung? Ruhig Alter, mach mal langsam! Mit jedem Meter stemmte ich mich höher, hielt mich an meinem Keuchen fest, wie an einem Seil. Im Masttopp angekommen, wieder runter: Hatte die Kamera vergessen. Ein Foto, den Ausreißer festgebunden und mit ihm runter. Die Schiss ist gelandet. Meine Glücksengel passen weiter auf mich auf. Schön wenn man Freunde bei Hof hat.
22.02.2010 10:28:34
Log: 27263sm - Bereits am Vormittag knallt der pure Terror vom Himmel. Die Temperatur beträgt 35°. Es gibt Zeiten da würde ich für einen Nordseehimmel alles geben. Trotz der Brise des Passat, kocht der Schweiß aus den Poren. Lese, schreibe, laufe über Deck, ziehe an den Schoten, kontrolliere Kurs, Segelstellung und sammel Fische ein. Befinde mich 530sm südlich vom Äquator, mitten im Südatlantik. Und doch liegt in 200sm eine Insel: Ascension. Aus der Topografie des South Atlantic Pilot erkenne ich gezackte Felsen. Meine Fantasie sucht nach Bildern und in der Beschreibung heißt es nüchtern „keine Infrastruktur..“ Vielleicht aber gerade deshalb ein Traumziel. Ein Fluchtpunkt für Fernweh, die Sehnsucht nach Ruhe und Ursprünglichkeit. Erholung vom andauernden Zuviel: Zu viele Regeln, zuviel Gesellschaft, zu viel Zerstreunung, zu viel Betäubung. Dann wäre ein solcher Felsen womöglich die Rückgewinnung von Wahrnehmungsvielfalt und Intensität, die Wiedererlangung von Konzentration. Wie auf meiner Insel. Sie besteht auch am 213. Seetag aus dem Rhythmus von Wellen und Wolken, aus Sonnenauf- und Untergang in der Abwesenheit von Zeit. Menschenleer. Eine Welt aus einem Ich, dem gelegentlich das Du fehlt.
19.02.2010 10:22:43
210. Seetag - Die Nacht überfällt mich mit der übergangslosen tropischen Plötzlichkeit. Auf 18.Grad südlicher Breite sehe ich seit 5 Monaten wieder den großen Bären und den Nordstern. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts hält Marco Polo den Polarstern für ein Zeichen, nach dem man sich auf dem Meer orientieren konnte und ebenso klar wurde ihm, dass man südlich des Äquators dafür andere Sterne nutzte. Für Polo war die Erde keine Scheibe, an deren Rand man in das gähnende Nichts des Universums stürzte, sondern eine Kugel, die sich in schöner Wölbung weiterhin nach Süden erstreckte. Mit dem Prozess der Kirche gegen Galileo Galilei hat das nichts zu tun. Bei Galileo ging es um die Stellung der Sonne, nicht um die Form der Erde. Zurück ins Jetzt: Weiterhin ruhiges Passatsegeln. Der Südäquatorialstrom versetzt Horizons dabei so stark, dass ich 20° vorhalten muss, um den Kurs Nord zu halten. War im Mast, hab einige Film-und Fotoaufnahmen gemacht und dann sind die Engel des Meeres wieder da. Eine Delfinschule taucht auf und umspielt sehr lange das Schiff. Hab mich in den Bugkorb gesetzt und mit ihnen geredet….. Klingt blöd oder? Aber hier draußen erscheint es mir als das Natürlichste der Welt.
18.02.2010 10:24:17
Der 209. Seetag beginnt um 6:20. Die Sonne ist schon unterwegs und noch liegt der eine oder andere tote fliegende Fisch herum, der während der Nacht auf dem Deck gelandet ist. Brate ein paar zum Frühstück, dann folgt Morgengymnastik. Dabei erwischt mich ein kräftiger Schauer. Dass mein Körper lange nicht mehr mit Seife in Berührung gekommen war, roch man, ohne dass man ihm nahe kam. Insofern kam die tropische Dusche wie gerufen. Herrlich die Frische auf der Haut. Shirt und Short hängen im Regen, nicht gewaschen, aber aufgefrischt. Kurz darauf knallt die Sonne wieder aufs Deck Am Nav. Tisch verliert der Ventilator den Kampf gegen die Vormittagssonne, während der Reporter vom Blick (Schweiz) an fragt: Der America's Cup ist im Gange. Was ist der Unterschied, zwischen dem Segelsport den Sie betreiben und dem, der Alinghi und Co.? Antwort: Fahrtensegler leben in einer Welt in der Raum und Zeit eine andere Bedeutung haben und man sich in einer anderen Geschwindigkeit bewegt. Beim Americas Cup gehts mittlerweile wohl schon um zehntel Sekunden. Da ich eher in einer Geschwindigkeit unterwegs bin, in der die Seele gerade noch Schritt hält, ist es mir egal, ob ich nun morgen oder nächste Woche mein Ziel erreiche
17.02.2010 09:58:37
208. Seetag – Log: 26589 sm - Seit dem 21. Breitengrad bläst endlich der Passat. Dazwischen immer wieder kräftige Schauer mit wenig Wind. Hab letzte Nacht in der Ferne die Lichter zweier Schiffe entdeckt. Gehe nun wieder regelmäßig alle 30Min Nachtwache. Auf einer Alleinfahrt monatelang über die Ozeane wird das kleinste Erlebnis zum Ereignis. Lichter am Horizont oder der kleine Vogel, der auf dem Geräteträger landet und sich ausruht. Er schaut mir dabei zu, wie ich das Öl des Generators gegen einen dünneren Schmierstoff austausche. Das macht das Starten in der Hitze der tropischen Gewässer einfacher. Eigentlich brauch ich den Generator nicht. Über die Solarmodule kommt genug Energie, sodass die Batterien gut gefüllt bleiben. Höre beim Ölwechsel Shanties, echte Folklore. Freddy singt “Seemann , lass das Träumen…. “ Steig ich in den Text ein und singe mit. Das bedeutet ein Ventil öffnen, alles Rausschreien „Deine Heimat ist das Meer“ Der Vogel ist erschrocken abgehauen. „Junge, komm bald wieder“ Mach die Musik aus, denn mich zerreißt es fast vor Heimweh, weiß bloß nicht richtig wonach. Denn eigentlich bin ich ja zu Haus.
16.02.2010 09:47:40
207. Seetag – Während man in Nord- Europa Winterreifen fährt, sommert es in den südlichen Breiten. Letzte Woche noch in langer Unterhose, schwitze ich bei 30° im „Büro“ und beantworte Presseanfragen: Der www.segelreporter.com fragt in einem Interview: „Freust Du Dich schon auf die 2.Runde gegenan und willst Du sie wirklich machen“? Antwort: Ja. Aber soweit bin ich noch nicht. Ich lebe im Hier und Jetzt und möchte zunächst diese 1.Weltumseglung vernünftig zu Ende bringen. Kleine Schritte gehen, hin zu einem großen Ziel. Dazu gehören keine Absichtserklärungen, sondern seglerische Leistungen, mit denen ich überzeugen möchte. Dass es möglich ist, zeigt sich im laufenden Törn von Neuseeland durchs Südpolarmeer, mit der Rundung von Kap Hoorn, durch den Südatlantik bis hoch nach Las Palmas.
Die Neumondnacht ist pechschwarz und voll mit Wind. Am Morgen dagegen wieder nur dümpeln. Muss mich beschäftigen und bemale zur Abwechslung die Windfahne. Herzlose Striche und trostlose Kreise scheinen gerade der therapeutische Hit zu sein. Morgen schauen wir uns den Kandinsky in der Galerie des Meeres dann mal an!
Die Neumondnacht ist pechschwarz und voll mit Wind. Am Morgen dagegen wieder nur dümpeln. Muss mich beschäftigen und bemale zur Abwechslung die Windfahne. Herzlose Striche und trostlose Kreise scheinen gerade der therapeutische Hit zu sein. Morgen schauen wir uns den Kandinsky in der Galerie des Meeres dann mal an!
15.02.2010 10:48:33
206. Seetag- Ich mag kein Fisch mehr. Mein 3. Fisch vom Wochenende ist ein 80cm kleiner Thunfisch. Esse die Filetstücke überwiegend roh. Sushi, nur an Wasabi, Lime und Meerrettich. Wenn ich den Fisch brate, töte ich ihn ja ein weiteres Mal. Roh kann man die Filets auch wunderbar in Sojasauce einlegen, einfach austrocknen lassen und später essen. Immer noch kein beständiger Passat. Manchmal steht ein schöner Wind, dann läuft Horizons. Wenig später ist der Wind wieder weg. Jetzt wo ich Meilen machen möchte und nach dem 26. Breitengrad dachte, die Rossbreiten passiert zu haben, verwünsche ich die Flaute und verlange nach Sturm, Spritzwasser und donnernde Wellen mit hoch aufspritzenden Schaum.Hab mitten im Südatlantik mit Anita telefoniert. Die Gespräche mit meiner Frau geben mir wieder das Gefühl unter Menschen und nicht allein am windstillen Arsch der Welt zu sein, Lichtjahre entfernt von der Zivilisation. Kurz nachdem ich diesen Satz schreibe, sehe ich in der Nacht die Lichter eines Flugzeuges. Eine Riesenaufregung! Ein Fels im Meer (Kap Hoorn) und ein Flugzeug am Himmel waren seit Neuseeland die weltbewegenden Dinge, die mich fast aus der Fassung brachten.
12.02.2010 11:23:15
203. Seetag – Nach langer Zeit läuft Horizons mal wieder dem Leichtwindsegel hinterher. Das Supersegel zieht uns bei nur knapp 2Bft mit immerhin 7kn Fahrt durchs Wasser. Halt! Bevor ich es vergesse: Der Kreis ist geschlossen, die Erde umsegelt. Meine Vermessung der Welt ergibt 26.019sm. Cheers, auf Horizons! Einmal rum. Schönes Gefühl. Hab ich da etwa geflötet? Anyway, lächel dem Gedanken hinterher, danke Gott und meinen Schutzengeln, gebe der Demut den Feinschliff und breche den Blick ins Gestern: Auf die best off von Pleiten, Pech und Pannen, auch auf meine anfänglichen Fehler. „Unterwegs zur Halbzeit“, flüstert das Schiff „dann anders rum, von Ost nach West“. Nun mal langsam meine Liebe, erstmal wollen wir diesen Marathon zu Ende laufen. Nach den Regeln gilt die Weltumseglung erst dann als abgeschlossen, wenn die 3 großen Kaps der Erde gerundet sind, was geschehen ist und wir 2x über den Äquartor gesegelt sind, was in 1900sm noch ansteht. Abschließend muss ich noch meinen Ausgangshafen wieder erreichen. Im Fall meines Einhandtörns ist das Las Palmas-Gran Canaria und auf den letzten 3600sm bis dahin, kann immer noch einiges passieren.
11.02.2010 10:51:10
202.Seetag – Log: 25859 sm - Muss mich erst mal wieder an meine Terrasse mit Meerblick gewöhnen. Sehe stundenlang auf den Ozean, aber das Meer bleibt immer dasselbe: Blau und leer, nur im Sonnenuntergang mit allen Farben übergossen. Ein Albatross bringt Bewegung in das Bild und Abwechslung der Biss in der Abenddämmerung: Der Gummistropp der Schleppangel dehnte sich. Am Köder hing kein kleiner Fisch, der hier um sein Leben kämpfte. Ich spürte den Zug auf der Sehne, gab Schnur nach, fühlte wie der Fisch in die Tiefe oder seitwärts auswanderte. Hand über Hand holte ich die Leine dichter, lose gebend oder anziehend, solange bis die Dorade müde wurde und dicht am Heck war. Der Rest war Formsache. Den Gaffhaken zwischen die Kiemen und an Deck mit dem frischesten, aller frischen Abendessen. Bewaffnet mit einer Winschkurbel stelle ich mich dem Fisch und übergehe die nächsten Zeilen mit den barbarischen Schattenseiten des Tötens. Während der Albatross sich auf die Abfälle stürzt, träufel ich Zitronensaft und Wasabi auf die gut proportionierten Filetstücke und aß den Fisch roh und so gierig, als müsste ich alles nehmen, was mir der Augenblick gönnte.
10.02.2010 11:08:03
201.Seetag – Log: 25728 sm - Das Foto entstand kurz vor Sonnenaufgang. Die Musik dazu: Edvard Griegs „Morning Silent“, was sonst! Am Morgen bestätigt der wolkenlose Himmel das Barometer, das hohen Luftdruck anzeigt. Oh, tut die Wärme gut. Das erste Mal sitze ich den ganzen Tag draußen. Segel bei 3Bft mit 6kn Fahrt und die Sonne spiegelt sich im Wasser. Was gibt’s Schöneres? Wie wär’s hiermit: Ich mache Meilen, aber in die falsche Richtung! Der Wind kommt in der Nacht aus Nord-Nordost, aber genau da liegt mein Ziel. Wann ich bei diesen Windbedingungen meinen Kurs der Hinfahrt kreuze, weiß ich noch nicht. Es folgt ein leises „Vielleicht morgen….“
Nachtfahrt, fast Neumond. Der Himmel ist klar. Sitze im Cockpit und lasse meine Gedanken streunen. Irgendwo sehr weit weg, zwischen den Sternen.. Wann sehe ich wohl den großen Bären wieder? Über mir leuchtet Orion, Sirius steht glitzernd genau darunter. Das Kreuz des Südens erscheint anders als an Kap Hoorn. Ich denke an Kap Hoorn. Wie anziehend das Kap ist und wie sehr es in der Erinnerung bleibt. Unbegreiflich. Oder auch nicht, denn nur die großen Dinge dieser Welt sind historisch und bleiben unvergesslich.
Nachtfahrt, fast Neumond. Der Himmel ist klar. Sitze im Cockpit und lasse meine Gedanken streunen. Irgendwo sehr weit weg, zwischen den Sternen.. Wann sehe ich wohl den großen Bären wieder? Über mir leuchtet Orion, Sirius steht glitzernd genau darunter. Das Kreuz des Südens erscheint anders als an Kap Hoorn. Ich denke an Kap Hoorn. Wie anziehend das Kap ist und wie sehr es in der Erinnerung bleibt. Unbegreiflich. Oder auch nicht, denn nur die großen Dinge dieser Welt sind historisch und bleiben unvergesslich.
09.02.2010 11:44:43
Wieder ein kleines Jubiläum: Der 200.Seetag, nach 25586 Seemeilen. Hab’ die brüllenden Vierziger verlassen, mit Kurs Rossbreiten und finde langsam wieder die Ruhe zum Schlafen. Dachte es wäre die ganze Nacht gewesen, als ich zur Uhr schaute, war es doch nur eine halbe Stunde. Schlafmangel, das alte Thema und ewige Manko des Einhandseglers. Es ist interessant was aus Schlafdefizit entsteht. Manchmal bin ich so fertig, dass ich einfach nur lethargisch da sitze oder mit mir selbst rede; dann erschreck ich, weil ich plötzlich eine Stimme höre. Trotzdem fühle ich mich auch nach 200 Tagen auf See körperlich fit. Da Gebrechen ihren Ursprung oft auch in negativen Gedanken finden, halte ich den Schädel möglichst frei von Gedanken, die mich schwächen können. Hier herrscht die See, hier besteht allein das Jetzt, das Sein. Das reicht auch völlig aus, um über Tag und Nacht die kleine Raumkapsel Horizons auf Kurs und in Bewegung zu halten.
Heute neue Fischköder gebastelt. Wird Zeit das die Schleppangel wieder rauskommt. Aber die Lady ist manchmal so schnell, da kommt kein Fisch hinterher, nur die ganz Großen, aber die will ich nicht.
Heute neue Fischköder gebastelt. Wird Zeit das die Schleppangel wieder rauskommt. Aber die Lady ist manchmal so schnell, da kommt kein Fisch hinterher, nur die ganz Großen, aber die will ich nicht.
08.02.2010 11:45:04
199. Seetag – Log: 25455 sm - Nach dem Sturm, ist vor dem Sturm: Aufräum- und Reparaturarbeiten. Ein Dwarslöper (quer zum Schiff laufende hohe Welle) hat uns voll erwischt und auf die Seite geknallt. Denke dabei an die kleine Jessie Watson, der das in diesen Gewässern einige Male hintereinander passiert sein soll. In dem Kaventsmann saß soviel Wucht und Kraft, dass die Bodenbretter im Schiff hochkamen und der Batteriekasten in der Bilge aus der Verankerung gerissen und seitwärts verschoben wurde. Doch wozu hat man Holz, Axt und Säge an Bord: Ein paar Keile gefertigt und die ganze Unterboden-Konstruktion wieder festgesetzt. Kaum fertig, riss die Stb. Steuerungsleine der Windfahne. Den Simrad-Autopilot eingeschaltet und kopfüber, halb über Bord hängend, aber gut gesichert, während der Fahrt die Aries repariert. Eine Zirkusnummer. Auf diesem Törn befinden sich Körper und Geist ununterbrochen in höchster Anspannung. Eine kritische Situation folgt der nächsten und man kann froh sein, wenn eine Panne bewältigt ist, bevor die nächste auftaucht. Oftmals summieren sich die Missgeschicke zu einer komplexen Lage, sodass es keine Lösung zu geben scheint. Doch Not macht besonders an Bord erfinderisch und schärft die Sinne in staunenswerter Weise
05.02.2010 10:24:14
196. Seetag – Log: 24973 sm - Vorbei sind die italienischen Momente des Fahrtensegelns. Das Dolce Vita wurde abgelöst vom suppigen Licht eines pampigen Tages voller Regen und Nässe. Das Unwetter hämmert die ganze Nacht auf uns ein. Es hackt mal wieder mit 45kn, in den Böen stecken stramme 55kn. Hohe See. Dazwischen immer wieder eine deutlich höhere Welle. Wenn so’n Ding angerollt kommt, muss ich fix die Aries auskoppeln und per Hand steuern, sonst luvt die Lady zu stark an und kommt quer zur See. Sitze im Cockpit, beobachte das Szenario. Die Luft riecht nach Salz und schmeckt nach Gischt. Die See aufgewühlt mit schwarzen Löchern unter den vorwärts jagenden schweren Wolken. Eingeschüchtert von den tobenden Elementen und der Kraft des Sturms, balle ich meine Faust um meine Unruhe zu verbergen. Um uns herum explodiert die Welt. Ein Kunstwerk der Natur, aus Spannung und Dramatik, im Wechsel von menschlicher Demut und Hoffnung. In dieser Mischung und Erleben liegt für mich die Antwort für den Zauber des Segelns, aber auch die Erklärung, welche viele vom Segeln abhält: In nackter Einsamkeit und schlafloser Nacht unterwegs zu sein, konfrontiert mit einem gewaltigen Element.
04.02.2010 11:28:54
195. Seetag – Log:24810 sm - Es gibt keine trennende Linie mehr. Am Horizont verschmelzen Himmel und See zu einem einzigen Dunkelblau. Eine Ahnung von Wind, huscht über das Meer. Die See ist ruhig. Zu ruhig, nach all den Stürmen. Die Stille dringt in mich ein. Entspannung nach dem großen Ozean. Keine Wolke am Himmel, über mir der gestirnte Abzug ins Nichts. Im Licht der Sterne verliert sich die Zeit, erheben und senken sich die Wellen im langen Rhythmus der Dünung. Die klare Luft und das Licht des Mondes erlauben eine silbrige Fernsicht. Silber und Gold, Friede und Ruhe und weit und breit kein Rötthering, die See gehört eben doch nicht ihm – wie von ihm behauptet! Mittagspostion: wieder ein kleines Kreuz mehr in der Unendlichkeit des Ozeans.Schlage die Seekarte um und folge gebannt der Linie meiner Hinfahrt über den Südatlantik. In 900sm müsste ich meinen Kurs vom Sept.09 kreuzen. Nächste Woche wäre die Welt umsegelt, sind die drei großen Kaps der Erde gerundet. Und doch kann noch so viel passieren. Gelegentlich denke ich an Dinge, die kaputt gehen können. Aber nichts ist vorherzusagen. Wenn irgend etwas aufgab, war es was anderes, als das, womit ich eigentlich gerechnet hatte.
03.02.2010 11:53:08
194. Seetag – Log: 24686 sm - Ein Skua (Sturmvogel) kräht mich an. Ich kann nicht gleich antworten, weil ich über der Reeling hängend, wertvolle Nahrungsbestandteile leichtfertig wieder hergebe. Hab mir eine üble Magenverstimmung eingefangen, vermutlich Salmonellen über Eier, die ich in Neuseeland an Bord nahm. Dennoch war Neuseeland gut. Habe zwar auf Grund der Arbeiten am Schiff so gut wie nichts vom Land gesehen, aber Horizons bewegt sich seit der Reparatur in einer besseren Verfassung. Auch wenn die große Genua fehlt und das Kutterstag für die kleine Fock und das Sturmsegel nicht mehr zu gebrauchen ist. Ansonsten ist an Bord von der technischen Seite alles in Ordnung. Apropos Technik, und die Erklärung zum Foto: Sie entstehen mit der Mobotix Kamera vom Geräteträger mit Blick voraus. Ausgelöst mit einem Zeitimpuls, einstellbar bis 60sec, macht die Mobotix Kamera, wie jene auf der Console auf dem Decksalon mit Blick achteraus und am Mast, neben Fotos auch kleine Videofilme. Die Fotos und Filme werden in einer Datei im Laptop zur weiteren Bearbeitung verwaltet oder die Fotos direkt ins TripCon Logbuch zu den täglichen Blogeinträgen eingefügt.
02.02.2010 12:06:11
193. Seetag – Log: 24528 sm - Horizons segelt hoch am Wind, das Haus steht schief. Es rummst, schlägt und rüttelt. Jeder Quadratzentimeter des Schiffes singt seine eigene Melodie. Ein neues Starkwindfeld hat uns im Griff. Aber die Kraft ist aus den Wellen, die hohen Brecher sind verschwunden. Täglich wird es wärmer, das Eis ist aus der Luft. Die See wird wieder blau. In den letzten Tagen sah ich kaum Vögel. Jetzt ist da ein alter Albatros, zerrupft und grau. Er zieht seine Kreise. Für ihn ist das Leben sehr klar: Berge und Täler und ein ständiges Auge für die Wassermassen. Nicht mehr und nicht weniger. Herrliches Segeln im Südatlantik. Die Strategie besteht darin, zunächst Ost zu segeln. So lange wie möglich in der Westwindzone zu bleiben, um den schwachen Winden des Südatlantikhochs auszuweichen und dem Wunsch, nicht in den Flautenlöchern der Rossbreiten hängen zu bleiben. Auf 10° W und 30°S sollten wir dann auf den Südost-Passat treffen. Mit ihm dann Kurs Nord zum Äquator, entlang der Kapverden mit Ziel Las Palmas/Kanaren. Soweit der Plan, an ihm knüpfe ich die Hoffnung.
01.02.2010 11:52:05
192. Seetag – Log: 24391 sm - Rückblick: Samstag, letzter Tag in den schreienden Fünfzigern. Wie es sich gehört mit 50kn Wind und zur Abwechslung mit nächtlichem Gewitter! Weder Mond, noch Sterne. Vor dem Himmel schließt sich ein dicht gewobener Vorhang aus Dunkelheit, dann Donnerschläge. Aus dem Fenster sehe ich den Widerschein der Blitze übers Meer fliegen. Regen trommelt gegen die Scheiben und gegen mein Bewusstsein. Ich geh mit dem Sturm in die Koje und steh am So. mit ihm wieder auf. Zurück in den roring fortys. Wind wie angepasst: 40Kn. Horizons läuft ihre Meilen, um die 180m am Tag. Ansonsten nichts Erwähnenswertes: Außer in der Nacht ein Alarmruf des Radar. Erkenne ein schwaches Signal 2 sm querab. Peile es, doch es zeigt keine Bewegung. Funke über UKW, Stille als Antwort. Kein Schiff. Vermutlich ein Eisberg der im Southern Ocean Current mit einem Knoten nach Nordost treibt. Wie lange mag der Eisberg schon unterwegs sein? Ein Eisberg wird ca. 10 Jahre alt, dann hat er sich im Wasserkreislauf aufgelöst, der das Leben in den südlichen Breiten prägt. Heute: Ruhiges Segeln zwischen den Fronten. Vielleicht bekomm ich endlich mal meine Wäsche trocken!
29.01.2010 11:23:31
189. Seetag - Das Baro fällt erneut. Die Welt in den subantarktischen Gewässern schäumt weiß. Ein neuer Sturm lässt seine donnernden Wellen über uns rollen. Bin froh über die Schlagblenden vor den Fenstern. Nässe, rissige Hände, schmerzender Rücken und Müdigkeit gesellen sich zu Gegnern meines Willens. Die Kälte durchsucht mich nach ungeschützten Stellen. Es ist kalt in der Koje. So kalt wie draußen an Deck. 5 Grad. An Schlaf ist nicht zu denken. Wenn dann eine halbe Stunde, die sich anfühlt wie eine Minute. Nicht mal Zeit für Albträume. Die Erschöpfung ist nach den Wochen im Southern Ocean in einer Sphäre angelangt, in der das Unterbewusstsein das Kommando über den Körper übernimmt. Nun bist Du hier, sagte ich mir, und wunderte mich über meine Gelassenheit, als ich nachts ins Segel leuchte, um den Trimm zu überprüfen. Habe ständig ein Stück Großsegel stehen, ob es sieben oder 10 weht. Arbeite nur mit den Vorsegeln. Entweder mit kleiner Fock oder mit der Genua. Der Wind dreht auf Nordwest. Damit bauen sich gefürchtete Kreuzseen auf. Noch ist nichts gewonnen, außer der Erkenntnis, dass das Sturmgebiet in Bewegung ist und irgendwann abzieht.
28.01.2010 11:37:30
188. Seetag – Log: 23760sm - Aus der Stille ist in den 50ern wieder Realität geworden. Es pfeift in den Wanten. Die lange Dünung ist verschwunden, stattdessen hetzt der Nordwest eine kurze, steile See vor sich her. Nachts mache ich das Radar an. Wenn es noch Eisberge gibt, dann sind sie hier. In einer Region, in der einst die Suche nach der geheimnisvollen Terra Australis ingocnita begann. Eine Zeitreise:1699 sticht Edmond Halley in England mit der Pink Paramour in See, erreicht 52° 24’südlicher Breite und skizziert Eisberge im Logbuch, bevor er wieder Kurs Norden nimmt. Erst 1733 überquert James Cook den südlichen Polarkreis und kommt bis auf ca. 700sm an die antarktische Küste heran. Das Packeis zwingt ihn zur Umkehr, die Engländer zeichnen die Weltkarte neu und dennoch wird die Antarktis 1821 zum ersten Mal von Amerikanern betreten: Von der Besatzung des amerikanischen Seglers „Cecilia“. Soweit zur Geschichte, zurück zur Gegenwart: Die Nacht ist sehr kalt, der Wind kommt direkt von den patagonischen Eisflächen. Über mir steht das Kreuz des Südens. Die Sterne Hadar und Rigel Kent. Die Magie des Südmeeres.
27.01.2010 11:44:17
187. Seetag - Schönes Segeln entlang der Antarktischen Konvergenzzone. Um 4:30 Localzeit von der Sonne wach geworden. Es gab sie also doch noch! Der Tag begann super bei Roter Grütze mit Vanillesauce, fand ein ärgerliches Zwischenspiel, als die Bb Steuerleine der Aries riss und erreichte dann seinen Höhepunkt als mich Aufklärer Krause (Hilton Berlin und Sachverständige für Fotos) per Mail süffisant nach dem "Selbstauslöser" des gestrigen Fotos fragte. Nun, es ist eigentlich ganz simpel, wenn auch arbeitsintensiv: Das Stativ (s. Foto) an Deck, wo auch immer, gut festbändseln, Kamera einstellen, Selbstauslösermechanismus drücken und in 30 sec. für 3m (schaff selbst ich noch) Position einnehmen. Wer ist Frau Krause? Das ist die Dame, der nach 5 Monaten plötzlich einfiel, dass sie mich bis zu den Kanaren begleitete und die sich in der letzten Zeit wegen unerfüllter Erwartungen und persönlicher Enttäuschung in div. Interviews darin gefällt, über mich Halbwahrheiten zu verbreiten. Selbst die Boulevardpresse hat sie bedient. Öffentlich reagiere ich darauf allerdings nicht, denn ihre Aktionen erachte ich als stil- und niveaulos.
26.01.2010 01:19:23
186.Seetag – 23366sm - Kap Hoorn liegt im Kielwasser. Aber so schnell lässt dich der magische Felsen nicht los. Erinnere mich an die schroffe Schönheit, mein ehrfurchtsvolles Staunen und freute mich, dass ich für das Foto sehr dicht an den Felsen heran kam. Aus dem UKW-Lautsprecher plärrte eine Stimme: Die Funkstation auf Cabo de Hornos hatte mich im Visier. Sie wollten alles genau wissen, wie viele Tage von wo kommend, wohin, Fragen zum Schiff. Ich erzählte von meinem Besuch 2003 auf dem Felsen, sie fragten nach meiner Reise. Mein holpriges Spanisch und die Neuigkeiten die ich ihnen mitteilte, machten uns für den Nachmittag zu Freunden. Am Abend versank der Schein vom Leuchtfeuer Kap Hoorn hinter dem Horizont. Das Feuer verblüfft mich, hier wo es keine kommerzielle Schifffahrt mehr gibt, so weit weg von den Dampferrouten. Zurück im Südatlantik. Im Schach mit der Natur weiche ich den gefürchteten Gezeitenströmen von bis zu 7 Knoten der Le Maire Strait aus und passiere die Isla de los Estados an Backbord, ganz so wie es die Britische Admiralität im South Atlantic Pilot empfiehlt. Erkenne im Fernglas die Staten Island. Gezackte Berge aus gemaserten Granit mit aufgemalten Wasserfällen und schneebedeckten Spitzen.
23.01.2010 17:33:58
Drohend, wie eine geballte Faust, ragt der heilige Felsen der Seefahrt aus dem Meer.
„Wenn alle Flüche, die gegen dieses Kap gerichtet wurden, davon widerhallten würde die ganze Erde erzittern’, schreibt der Kapitän der „Pamir“ 1930 ins Logbuch.Ich murmel dem Hoorn eher leise Freude entgegen. Bin einfach nur glücklich, kaputt und spüre Gänsehaut auf der Seele, als Horizons am Samstagnachmittag Kap Hoorn rundet.
Nach 184 Seetagen und 23043 Seemeilen liegen die drei großen Ozeane und die drei großen Kaps der Erde: Das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leewuin und Kap Hoorn im Kielwasser.
Umgeben von der tosenden Brandung des Süd-Pazifiks und des Süd-Atlantiks die am Kap aufeinander prallen, schaue ich noch ein bisschen auf Feuerland, trimme die Genua nach und segel Horizons mit dem breitesten Lächeln der letzten Wochen Kurs Ost-Nordost.
„Wenn alle Flüche, die gegen dieses Kap gerichtet wurden, davon widerhallten würde die ganze Erde erzittern’, schreibt der Kapitän der „Pamir“ 1930 ins Logbuch.Ich murmel dem Hoorn eher leise Freude entgegen. Bin einfach nur glücklich, kaputt und spüre Gänsehaut auf der Seele, als Horizons am Samstagnachmittag Kap Hoorn rundet.
Nach 184 Seetagen und 23043 Seemeilen liegen die drei großen Ozeane und die drei großen Kaps der Erde: Das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leewuin und Kap Hoorn im Kielwasser.
Umgeben von der tosenden Brandung des Süd-Pazifiks und des Süd-Atlantiks die am Kap aufeinander prallen, schaue ich noch ein bisschen auf Feuerland, trimme die Genua nach und segel Horizons mit dem breitesten Lächeln der letzten Wochen Kurs Ost-Nordost.
22.01.2010 11:32:34
183. Seetg- Kaum ist der Sturm ausgestanden, der Himmel kurz aufgerissen, beginnt das Baro wieder zu fallen. Segeln in hoher Dünung zwischen den Fronten. Bei 25kn kann man fast von Windstille sprechen und wie man es für einen Sommertag in den südlichen Breiten erwarten kann, zeigt das Thermometer satte 5°. Dazu Regen und eine eisige Kälte, die bis in die Seele kriecht. Rüste mich mit 2 Thermohosen, 2 Pullovern, Schwerwetterkleidung und Pudelmütze. Damit lebe ich, damit döse ich und treibe Horizons ostwärts. Das Abendessen bestand aus einer Berner Rösti und in Gesellschaft von Charles Darwin. Er sah von Deck der „Beagle“ auf die Seenlandschaft und schrieb in sein Tagebuch. “Jede Landratte die dieses Gewässer sehen könnte, hätte eine Woche lang Albträume“ Er hätte gut hinzufügen können: Mancher Seemann wohl auch!
Seit dem Morgen hackt es wieder mit 45kn! Wechsle zur Detailkarte vom Zipfel des südamerikanischen Kontinents und starre auf den Schiffsfriedhof der Welt. Über 800 Schiffe liegen hier in Gottes nassen Keller, bis zu 10.000 Seeleute verloren dort ihr Leben. Der Ort packt Dich, erfüllt dich mit einer Schwere, die schwer zu beschreiben ist. Kap Hoorn, morgen
Seit dem Morgen hackt es wieder mit 45kn! Wechsle zur Detailkarte vom Zipfel des südamerikanischen Kontinents und starre auf den Schiffsfriedhof der Welt. Über 800 Schiffe liegen hier in Gottes nassen Keller, bis zu 10.000 Seeleute verloren dort ihr Leben. Der Ort packt Dich, erfüllt dich mit einer Schwere, die schwer zu beschreiben ist. Kap Hoorn, morgen
21.01.2010 11:32:12
182. Seetag – Log:22663sm – Der Sturm hat sich verzogen, das Baro steigt, der magische Felsen rückt näher. Am Samstag könnte ich den Mythos der Seefahrt runden. Zeit für eine traurige Geschichte und die Erinnerung an die „Ole Hoop“. An Johanna und Klaus, dessen Stimmen auf SSB(Kurzwelle) ich noch im Ohr habe, kurz bevor sie Kap Hoorn Mitte Dez.02 runden wollten. Ihr Tod ereignete sich in dieser Region, in der sich oftmals Schicksal, Irrsinn und Statistik auf das Unangenehmste berühren. Verschollen in einem Sturmtief. Das einzige was man nach einer Suchaktion der chilenischen Marine von ihnen fand, war ihre Epirp. Ausgelöst auf Position 55°48S, 74°W Was tatsächlich geschah, bleibt das Geheimnis der See. Ihnen zu Ehren das Gedicht von Sara Vial „Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf Dich wartet. Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute, die zum Kap Hoorn segelten von allen Meeren der Erde. Aber sie sind nicht gestorben im Toben der Wellen. Denn jetzt fliegen sie auf meinen Flügeln für alle Zeit, wo am tiefsten Abgrund der antarktische Sturm heult.
(Foto: Gedenkstätte mit Gedicht von S.Vial auf dem Felsen / Besuch Kap Hoorn 2002)
(Foto: Gedenkstätte mit Gedicht von S.Vial auf dem Felsen / Besuch Kap Hoorn 2002)
20.01.2010 11:38:29
Auf 55° Süd. Eiskalt, 6°. Die gefühlte Temperatur sackt noch mit dem Einfluss des „Windchill factor“. Die Welt besteht aus Regen, Hagel, fliegende Gischt. Wind um 8Bft, die See ebenso hoch. Bitte Horizons vor dem Wind zu bleiben. Manchmal reagiert sie unberechenbar auf das Ruder, weil sie in den Tälern zwischen den Wellen im Windschatten liegt. Es ist unruhig in mir. Denke an das, was das Schiff zu verdauen hat und was noch vor uns liegt. Ich möchte um das Kap und will es überleben. Segel nur mit der Sturmfock und komme gut voran. Aber in der Geschwindigkeit liegt auch Gefahr, alles passiert so viel schneller. Der Deckstrahler reißt sich vom Mast, aus dem Terminal des Kutterstags schauen 2 gerissene Drähte, der Schäkel am Niederholer des Spibaums bricht. Es gibt Jobs da kann das erste Stolpern das letzte sein: Dachdecker und Einhandsegler halten es mit dem Grundsatz: Safety first. Krieche auf allen vieren zum Vorschiff um zu reparieren. Der Sturm nimmt zu. Bei dem Pech das uns bisher auflauerte, steht heute womöglich noch Todesangst auf dem Programm. Schließ das Schott, verkriech mich im Salon. Koche RILA-Tortellini mit einer Salsa Tonnata. Bevor es ans Sterben geht, noch mal was Gutes und Warmes essen.
19.01.2010 06:37:22
180. Seetag – Log:22341sm - Das Baro fällt und fällt. Selbst wenn man das verdammte Glas zerbricht: Der südliche Orkan wird kommen. In der kurzen subantarktischen Nacht versuche ich zu ruhen, lasse Horizons weiter vorwärts jagen. Was soll ich schon tun. Schlafen kann ich nicht mehr. Ich warte, fühle und lausche den Nachrichten aus einem anderen Universum. Ein Sprecher auf DW sagt was von dem Besuch eines Präsidenten und Japan habe seine Walfangflotte Richtung Südmeer geschickt um 100 Wale zu schießen! Nach dem Beschluss der Intern.Walfangkommission von 1986 darf in den Ozeanen kein einziger Wal getötet werden. Eine Ausnahme wird den Naturvölkern der Arktis eingeräumt oder wenn es um das Töten zu Forschungszwecken geht. Seit dem wird auf Teufel komm raus geforscht, von wissbegierigen Japanern die an die tausend Wale pro Jahr studieren. Denke an meinen Wal vom 8.1. und wünsch ihm Glück, während der Wind zu nimmt. Der Übergang vom Rauschen zum Heulen im Rigg, gefällt mir nicht. Am Tag wird die Umgebung weiß, die Sicht nimmt ab. Die See ist sehr hoch. Eine aufgewühlte Wildnis, und ich wage es fast nicht zu sagen: Auch sehr schön ! Beeindruckend, wäre wohl das richtige Wort.
18.01.2010 06:47:23
179.Seetag – Log: 22200 sm - Die letzten Tage brachten Starkwind zwischen 30-40kn. Immer noch bebt die See und bewegt riesige Wassermassen. Ein Zeichen, dass dem vorigen Sturm ein neuer folgen wird. Ein Orkantief sitzt uns im Nacken und wird uns am Mittwoch mit 50kn Wind und 8-10m Welle erreichen. Rasend schnell ziehen die kräftigen Tiefdruckgebiete mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten über den Southern Ocean und schieben gewaltige Seen vor sich her. Ungehindert, und von keinem Land gebremst, außer einer kleinen Insel: Kap Hoorn! Es gibt wohl keinen Punkt auf dieser Welt, der in den Schädeln von Seglern so viele Beklemmungen freilegt und gleichzeitig so anziehend wirkt. Vermutlich am Samstag werde ich den Felsen aller Seefahrerromantik sehen. Oder auch nicht - wenn das Wetter schlecht ist und ich das Hoorn weit südlich umfahren muss, da sich die Wellen eines viertausend Meter tiefen Ozeans auf das südamerikanische Kontinentalschelf werfen. Wenn dazu Sturmseen durch Strömungen, Interferenzen oder durch eine sich verändernde Topografie des Meeresbodens völlig aus dem Tritt geraten, gebären sie wahre Monster an Gewalt.
15.01.2010 09:05:26
176. Seetag – Log:21678sm - Zurück in den screaming 50th, arschkalt bei 8°. Wechsel die Seekarte zum East Pacific und schlage einen scharfen Kringel um Kap Hoorn. Noch 1240sm.
Nach dem Handbuch des Southern Ocean befinden wir uns in einer Region wo mit antarktischem Nebel und Eisbergen zu rechnen ist. Doch Statistik und Wahrscheinlichkeit klingen nie nach Sicherheit, schon gar nicht auf See. Das Beständige in den südlichen Breiten ist eigentlich nur die Unbeständigkeit des Wetters. Mal trommeln Hagelschauer über das Deck, dann gehen schwere Regenschauer nieder oder es lächelt die Sonne. Horizons segelt wie ein Schmetterling vor dem Wind, mit ausgebaumter Genua auf Stb und festgesetztem Großsegel auf Bb, zwischen weißen Schaumkämmen über ein tiefblaues Meer. Gesteuert von der Aries, die ohne tariflich vereinbarte Arbeitszeiten und ohne zu Murren ihren Dienst versieht. Tag und Nacht. Nacht und Tag. Die mechanische Windfahnensteuerungsanlage, die nichts braucht außer gelegentlich ein bisschen Fett auf die Zahnkränze, arbeitet selbst in extremen Wetter- und Wellenbedingungen einwandfrei und zuverlässig. Ausgezeichneter Service und Infos durch Peter Mathisen: aries@email.dk oder www.shipshop.de
Nach dem Handbuch des Southern Ocean befinden wir uns in einer Region wo mit antarktischem Nebel und Eisbergen zu rechnen ist. Doch Statistik und Wahrscheinlichkeit klingen nie nach Sicherheit, schon gar nicht auf See. Das Beständige in den südlichen Breiten ist eigentlich nur die Unbeständigkeit des Wetters. Mal trommeln Hagelschauer über das Deck, dann gehen schwere Regenschauer nieder oder es lächelt die Sonne. Horizons segelt wie ein Schmetterling vor dem Wind, mit ausgebaumter Genua auf Stb und festgesetztem Großsegel auf Bb, zwischen weißen Schaumkämmen über ein tiefblaues Meer. Gesteuert von der Aries, die ohne tariflich vereinbarte Arbeitszeiten und ohne zu Murren ihren Dienst versieht. Tag und Nacht. Nacht und Tag. Die mechanische Windfahnensteuerungsanlage, die nichts braucht außer gelegentlich ein bisschen Fett auf die Zahnkränze, arbeitet selbst in extremen Wetter- und Wellenbedingungen einwandfrei und zuverlässig. Ausgezeichneter Service und Infos durch Peter Mathisen: aries@email.dk oder www.shipshop.de
14.01.2010 09:14:51
175. Seetag – Log:21497sm - Horizons rollt in der hohen Dünung einer alten Windsee. Der Sturm ist vorbei. Was hat sich getan? Eigentlich nichts Wesentliches. Ausser dass ich mit einem sehr einfachen und ökonomischen Sinn damit beschäftigt war zu überleben. Das Erlebnis eines Sturmes ist eine Grenzerfahrung von intimen Charakter. Der Kopf schaltet ab. Der Wille geht verloren. Müdigkeit und ein ungleicher Kampf mit dem Element bringen den Seemann durcheinander. Vor allem nachts, wenn er allein ist und mit offenen Augen am Steuer des Schiffes schläft. Dann spricht er zu seinen Händen, spricht mit dem Schiff. Er spricht zum Kompass, zum Vater den er vor Jahren verloren hat und der nun ins Cockpit gekommen ist. Im Sturm gelten keine Regeln. Es hilft nur Instinkt und Erfahrung aus der sich mechanisches Handeln ableitet sowie das Wissen über die Vergänglichkeit eines jeden Sturms. Das Abenteuer ist überstanden. Reduziere es auf ein paar Kürzel, übertrage es ins Logbuch und schaue aus dem Fenster in die vorbei fliegende Schwärze. Der Mond ist da, sonst nichts. Seit Tagen nicht mehr geschlafen. Was auch nicht möglich war, weil das Erlebte ausreicht um mich bis in die Ewigkeit wach zu halten. Oder bis Kap Hoorn. Je nachdem, was zuerst kommt.
13.01.2010 10:58:23
STURM !
BIN IM AUSSENDIENST
BIN IM AUSSENDIENST
12.01.2010 10:08:56
174. Seetag – Log:21177sm - Ein Etmal von 187sm.
Auch der Sturm rast - mit 40kn aus Nordwest. Wie aus dem Nichts wächst die See. Schaumkämme und weiße Streifen legen sich in die Windrichtung. Eine Welt in Aufruhr, grau, wild und seelenleer. Horizons surft mit ausgebaumter Genua vor Wind und Welle. Die Luft ist voll Salz und Gischt, während es im Rigg pfeift und orgelt. Zum Sturm gehört die Sturmsee. Unerbittlich marschieren Legionen von sich teilweise überlagernden und querbrechenden Wellen heran, explodieren am Rumpf oder wandern unter dem Kiel hindurch.
Ein paar Sätze zur Nacht: Kein Mond, keine Sterne. Der letzte Rest an Orientierung geht verloren. Schlafe nicht, bleibe lange an Deck. Zwischendurch liege ich in Schwerwetterkleidung einsatzbereit in der Koje. Neben mir gurgelt der Ozean. Wellen rauschen heran, kollidieren mit der Bordwand. Ein einzelner Brecher kann dich total erschüttern. Der Sturm vertreibt die Angst, macht Platz für Erschöpfung. Die Seele dreht bei. Versuche mich an etwas Einfaches und Beruhigendes zu erinnern: Die Formel zur Lösung quadratischer Gleichungen, das vollständige Vaterunser. Es half nichts. Ich las. Las im „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. Noch düstere Geschichten, als die Erlebnisse einer Sturmnacht.
Auch der Sturm rast - mit 40kn aus Nordwest. Wie aus dem Nichts wächst die See. Schaumkämme und weiße Streifen legen sich in die Windrichtung. Eine Welt in Aufruhr, grau, wild und seelenleer. Horizons surft mit ausgebaumter Genua vor Wind und Welle. Die Luft ist voll Salz und Gischt, während es im Rigg pfeift und orgelt. Zum Sturm gehört die Sturmsee. Unerbittlich marschieren Legionen von sich teilweise überlagernden und querbrechenden Wellen heran, explodieren am Rumpf oder wandern unter dem Kiel hindurch.
Ein paar Sätze zur Nacht: Kein Mond, keine Sterne. Der letzte Rest an Orientierung geht verloren. Schlafe nicht, bleibe lange an Deck. Zwischendurch liege ich in Schwerwetterkleidung einsatzbereit in der Koje. Neben mir gurgelt der Ozean. Wellen rauschen heran, kollidieren mit der Bordwand. Ein einzelner Brecher kann dich total erschüttern. Der Sturm vertreibt die Angst, macht Platz für Erschöpfung. Die Seele dreht bei. Versuche mich an etwas Einfaches und Beruhigendes zu erinnern: Die Formel zur Lösung quadratischer Gleichungen, das vollständige Vaterunser. Es half nichts. Ich las. Las im „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. Noch düstere Geschichten, als die Erlebnisse einer Sturmnacht.
11.01.2010 10:56:26
173. Seetag - Log: 20990 -Wind: NW 25kn – Besorgte „Mitsegler“ fragen: Hey, was ist aus dem Sturmtief geworden Nun, die Ausläufer werden mich ab morgen beschäftigen. Der innere Druck steigt im gleichen Maße, wie die Nadel des Barometers absackt. Erste Schauerböen verraten das Näherrücken der Front. Die Aussicht auf das schwere Wetter hat zwar etwas Bedrohliches, zugleich auch Vertrautes, weil in der Vorbereitung Routine liegt: Gutes Essen ist von RILA bereits fertig, unter Deck alles gut verstaut, Segel zum Reffen vorbereitet, das Notfallcase bestehend aus Walkie-Talkie, Essen und Trinken, Spiegel, Angelschnur, Epirp u.a. griffbereit. Am Nachmittag kam es kurzeitig zu Einschränkungen im Segelalltag, weil ich mir die Beschreibung der Winslow-Rettungsinsel vorgenommen habe. Interessanter Inhalt: Wasserfestes Kartenspiel, Tabletten gegen Seekrankheit, Microfaser Handtücher, doch wo ist das Rasierwasser? Schiff und Crew sind vorbereitet. Zwischen bedrohlichen Wolken hing das Kreuz des Südens mit flimmernden Nägeln ins Unsichtbare gehämmert. Alles ist getan. Jetzt hilft nur noch eins: Beten. Bis zu den 50ern bist du in Gottes Hand, jenseits davon gibt es keinen Gott mehr, heißt es in der Sprache der Seefahrt.
10.01.2010 08:33:15
172. Seetag -
"Ein weiterer Skandal bei Lüchtenborg!“ schreibt ein Hetzer in den einschlägigen Foren “Sein Logbuchphoto vom 06.01.2010, beweist zweifelsfrei, dass er entweder wieder einen unerlaubten Zwischenstopp mit Landgang eingelegt hat oder unverantwortlich dicht unter Land segelt und damit seiner seemännischen Vorbildfunktion in keiner Weise gerecht wird. Schlagt ihn ans Kreuz für diesen erneuten unverschämten Betrugsversuch!"
Dem anonymen Schlaumeier sei erklärt: Das Foto im Blog v. 6.1. steht im Zusammenhang mit dem Text und es zeigt die SY Auryn in den Tuamotus während meiner 1.Weltumseglung. im Jahre 2003. Die Erinnerung daran, werde ich auf diesem Törn gelegntlich reanimieren. Darüber habe ich bereits in zurückliegenden Blogs berichtet und gedenke es auch weiterhin zu tun.
Liebe Grüße an den „ Kreuzschläger“ und die Empfehlung Nachhilfe in Geografie zu nehmen: Horizons segelt seit 2 Wochen im Southern Ocean, von Palmen keine Spur! Das nächste Land (Chile) 2000sm, Polynesien 2000sm oder die Antarktis 800sm weit entfernt.
"Ein weiterer Skandal bei Lüchtenborg!“ schreibt ein Hetzer in den einschlägigen Foren “Sein Logbuchphoto vom 06.01.2010, beweist zweifelsfrei, dass er entweder wieder einen unerlaubten Zwischenstopp mit Landgang eingelegt hat oder unverantwortlich dicht unter Land segelt und damit seiner seemännischen Vorbildfunktion in keiner Weise gerecht wird. Schlagt ihn ans Kreuz für diesen erneuten unverschämten Betrugsversuch!"
Dem anonymen Schlaumeier sei erklärt: Das Foto im Blog v. 6.1. steht im Zusammenhang mit dem Text und es zeigt die SY Auryn in den Tuamotus während meiner 1.Weltumseglung. im Jahre 2003. Die Erinnerung daran, werde ich auf diesem Törn gelegntlich reanimieren. Darüber habe ich bereits in zurückliegenden Blogs berichtet und gedenke es auch weiterhin zu tun.
Liebe Grüße an den „ Kreuzschläger“ und die Empfehlung Nachhilfe in Geografie zu nehmen: Horizons segelt seit 2 Wochen im Southern Ocean, von Palmen keine Spur! Das nächste Land (Chile) 2000sm, Polynesien 2000sm oder die Antarktis 800sm weit entfernt.
08.01.2010 10:10:12
170.Seetag – Log: 20529 sm - Im Southern Ocean ist auf die sich rasch bildenden Tiefdrucksysteme Verlass. Das sehr ausgeprägte Sturmtief (s. Wetterkarte) wird mich Anfang nä. Woche auf Trab halten. Es ist mit 50kn Wind und mittleren Wellenhöhen von 10m angegeben! Um nicht direkt in den Kern zu geraten, hab ich meinen ursprünglichen Kurs verlassen und segel nordöstlicher. „Schlaf Dich aus, koch Suppe vor“, gab mir Ralf H. per Mail, inkl. der Wetterkarte, mit in den Tag. Während ich an seine Worte dachte, kam Besuch. Es prustete und sanft glitt der glänzende Rücken eines Wales aus dem Meer. Der Riese des Ozeans, den eine ehrfurchtsvolle Aura umgab, rief Gedanken an Melville und seinen legendären Moby Dick wach. Doch die Romantik des Walfangs war lange schon vorbei. Vom Kampf der Walfänger zu Zeiten eines Ismael, im fragilen Beiboot, Auge in Auge mit dem Wal, kann bei moderner Walfängerei keine Rede mehr sein. Niemand begibt sich noch in Gefahr, der einzige der darin um kommt, ist der Wal. Das sah auch der alte Ahab so. Mürrischer Blick und bartschwer, zerrte er an seinem Holzbein und stakste würdevoll davon…
07.01.2010 09:42:34
169. Seetag – Log:20346sm - Die Windmessanlage hat seit dem Orkantief ihren Dienst eingestellt. Wind: West/ 15Kn hier im Blog. Das Baro stieg. Der Keil eines Hochs drängelte sich zwischen zwei kräftige Fronten. Frischer Wind, keine ansteckenden Krankheiten, das unendliche Meer und die Geborgenheit meines darüber segelnden Zuhauses. Ein Tag im Nirgendwo. Kein Streben, keine Wünsche. Weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur die Gegenwart in der Ewigkeit des Ozeans. Die Sonne steht nun auf ihrer südlichsten Bahn im Wendekreis des Steinbocks. Die Tage sind dadurch länger, die Nächte nicht wirklich Dunkel, weil nach dem Sonnenuntergang ihr schwacher Schein über den Horizont von Südwest über Süd nach Südost wanderte. Die Luft im Southern Ocean ist von einzigartiger Klarheit und das Licht hat eine ganz andere Intensität, weil es von weniger Partikeln gefiltert wird. Ausserdem befinden wir uns in der Nähe der Antarktis, unter der dünner werdenden Ozonschicht. Braucht es noch eine weitere Metapher um die Nachtigall trapsen zu hören? Nein, denn es wurde Zeit für eine weitere Messung (Foto) für die Wissenschaft. Details unter: www.io-warnemuende.de/sail-and-research
06.01.2010 09:55:34
168. Seetag auf 135° westlicher Länge. 1800sm nördlich von mir liegen die Tuamotus. In Gedanken segelte ich zurück auf meiner 1. Weltumseglung und entlang einer Kette von Atollen, die zum Gebiet Französisch-Polynesien gehören. Die Südsee, Orte menschlicher Sehnsüchte. Auryn ankerte vor Amanu. In einer sich selbst überlassenen Natur, die in einer einmaligen Laune von Verschwendung die verschiedenen Elemente landschaftlicher Schönheit zusammen fügte. Ich besuchte das Dorf, dass abseits von den Reizen unserer Zivilisation im jenseits der Zeit schlummerte. Es gab kein Fernsehen, kein Internet, keine Zeitung und von einer Waschmaschine hatte keiner von ihnen je gehört. Was sie zum Leben brauchten fischten die Polynesier in der Lagune, über die am Abend ihr Gesang wehte. Von Menschen gesungen, deren Tage nicht bestimmt waren, durch das Zifferblatt einer Uhr. Und doch tickte hier eine Bombe: Die flachen Atolle verschwinden allmählich, weil der Wasserspiegel ansteigt, sich das Meer erhebt. Um drei Millimeter pro Jahr. Das klingt nach Marginalie, doch ist es die sichtbarste Erscheinung die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann.
05.01.2010 09:51:32
167. Seetag – Log: 20017sm - Über den Tag und seiner Nacht beschäftigte mich der stürmische Atem des Klabautermanns. Das Orkantief hatte in Spitzen 55 kn Wind. Irgendwann zeigte der Windmesser nichts mehr an, weil er glatt aus dem Masttopp gerissen wurde. Die See zerstörerisch und 8 hoch. Im Rigg eine Soundorgie aus Windgeschrei, während der Kompass auf Himmel oder Hölle zeigte. In jeder Welle steckt eine enorme Kraft. Wenn schwere Schläge den Rumpf rammen, dann rüttelt und zittert Horizons und ich mit ihr. In den hohen südlichen Breiten bin ich eins mit meinem Schiff, verschmolzen zu einer Einheit die Respekt hat, sich aber nicht beherrschen lassen darf. Und doch spürt man im Antlitz einer gnadenlosen Natur wie einem gelegentlich die Angst ins Blut pinkelt. Sturm-Erlebnisse lassen immer ein Gefühl von Verwundbarkeit zurück. Machen mürbe, geben aber auch Kraft und Selbstvertrauen die extremen Bedingungen durchlebt zu haben. Mit der Winddrehung kam die Kaltfront. Der Himmel riss auf, der Wind blies mit angenehmen 30kn. Das Gedächtnis tilgte den bewussten Teil der Erinnerung, speicherte die schönen Meeresbilder und legte den Rest unter Erfahrung ab.
03.01.2010 09:57:10
165.Seetag – Log:19648 sm - Horizons trieb mit ausgebaumter Genua und gerefftem Groß vor dem Wind. Über eine grenzenlose See und durch Landschaften, von denen ich immer noch nicht genug bekam. Das Bild versprach einen schönen Tag…“Trügerischer Schein“, murmelte ich, während ich an das Barometer klopfte, weil die kleine Nadel schon wieder die Schwerkraft zu entdecken schien. Die Wetterkarte des Himmels kritzelte bereits markante Zirren ins Blau, konspirativ unterstützt von Jürgen K., Freund und Wetterberater: Auf der Karte hab ich für Sa.2.1. ein sehr kräftiges Tief mit 975Hpas auf 180W , 53 S. Die KF ist noch weiter im Westen. Dieses Tief hat Orkanstärke, angegeben mit 40 – 50kn Wind, Welle 8m usw.….
Das Jahr hörte mit Sturm auf und fängt mit einem Orkan an. Komm kaum zum Durchatmen, geschweige denn aus meinen feuchten Klamotten. Regen, Nässe, alles ist klamm. Doch Jammern nützt nix. Im Southern Ocean musst du es nehmen, wie es kommt, vom Schlimmsten ausgehen und das Beste hoffen.
Wetterinfos vom Südmeer, inkl. Druck- und Wellenkarten unter www.passageweather.com
Das Jahr hörte mit Sturm auf und fängt mit einem Orkan an. Komm kaum zum Durchatmen, geschweige denn aus meinen feuchten Klamotten. Regen, Nässe, alles ist klamm. Doch Jammern nützt nix. Im Southern Ocean musst du es nehmen, wie es kommt, vom Schlimmsten ausgehen und das Beste hoffen.
Wetterinfos vom Südmeer, inkl. Druck- und Wellenkarten unter www.passageweather.com
01.01.2010 09:30:53
163. Seetag – Log: 19321 sm
Die harten Böen verloren in ihren Spitzen an Kraft, der Sturm flaute langsam ab. Ein Regenbogen (Foto) überspannte versöhnlich die Gräue. Die See dunkel gefärbt, die Wolken schwarz. Die Liebe zur See hat sich in Respekt verwandelt. Still halte ich Ausschau nach den vorwärts rasenden Wasserbergen von fünf bis acht Meter Höhe. Der Barostand bleibt niedrig, um die 995 Millibar.
Sylvester auf See. Der Smut servierte das Essen. Es war weniger ungeniessbar als üblich, so dass ich das meiste davon herunter bekam. Dazu ein Becks, die guten Vorsätze, Gedanken an die Freundschaft und Liebe. Ein unsichtbarer Schutzengel nahm mich beim Arm und führte mich übers Deck. Über mir der Spibaum, noch höher der Mond. Statt Feuerwerk funkeln die Sterne im All. Bilder eines Jahres flossen vorbei. Bevor meine Erinnerung sie festhalten konnte, fiel ich müde in die Koje und hab Sylvester verpennt. Gutes bleibt - vor allem 2010.
Wünsche uns allen ein gutes Neues Jahr.
Die harten Böen verloren in ihren Spitzen an Kraft, der Sturm flaute langsam ab. Ein Regenbogen (Foto) überspannte versöhnlich die Gräue. Die See dunkel gefärbt, die Wolken schwarz. Die Liebe zur See hat sich in Respekt verwandelt. Still halte ich Ausschau nach den vorwärts rasenden Wasserbergen von fünf bis acht Meter Höhe. Der Barostand bleibt niedrig, um die 995 Millibar.
Sylvester auf See. Der Smut servierte das Essen. Es war weniger ungeniessbar als üblich, so dass ich das meiste davon herunter bekam. Dazu ein Becks, die guten Vorsätze, Gedanken an die Freundschaft und Liebe. Ein unsichtbarer Schutzengel nahm mich beim Arm und führte mich übers Deck. Über mir der Spibaum, noch höher der Mond. Statt Feuerwerk funkeln die Sterne im All. Bilder eines Jahres flossen vorbei. Bevor meine Erinnerung sie festhalten konnte, fiel ich müde in die Koje und hab Sylvester verpennt. Gutes bleibt - vor allem 2010.
Wünsche uns allen ein gutes Neues Jahr.
31.12.2009 09:35:50
162. Seetag – Während das Jahr erschöpft in die letzten Stunden fällt, ist Horizons in die Phalanx der schreienden Fünfziger eingebrochen. Es bläst weiter mit 40kn. Die See hat immer noch kein Muster. Bricht quer zum Schiff und zum Kurs. Versuche das zu verhindern, indem ich weiter vor den Wind segel. Die Depression ist eine typische Kaltfront, nach dem Durchzug auf der Rückseite ist der Himmel klar und die Sonne scheint. Kurz, dann kommt die 2. Front. Regen, Hagel, dicke Bewölkung. Mache ein paar Bilder, doch die Wirklichkeit hat noch nie wie ein Foto ausgesehen. Mittags: Heiße Suppe und Post: Hallo Bernt ! Hier einige Informationen aus Wismar. Die Weihnachtsfeiern mit den Kindern wurden abgeschlossen. Anstelle von 3 Veranstaltungen sind es 9 mit 180 Kinder geworden. Der Höhepunkt war wie immer die 2.Kinderseemanns-Weihnacht auf der Kogge. In diesem Jahr wurden von unserem Verein über 500 Kinder betreut. Insgesamt für unser Projekt ein voller Erfolg….“ N. Gelhart – Vorstand „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar e.V.“ Bei dieser Gelegenheit herzlichen Dank für die zahlreichen Spenden für die Kinder, für den Verein.
"Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs, das seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht" Antoine de St. Exupérie
"Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs, das seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht" Antoine de St. Exupérie
30.12.2009 09:33:46
161. Seetag Log: 18985 sm. Allmählich finde ich wieder zum Rhythmus im Unterwegssein.
Bin fit wenn es drauf ankommt, schlafe wenn ich mich müde fühle und es das Wetter zulässt. Lausche in der Koje liegend dem Rauschen am Rumpf. 10mm Alu trennen mich vom Southern Ocean und der Ewigkeit. Nachdem das Unterwasserschiff von dicken Muscheln befreit ist, legt Horizons ein spürbar schnelleres Tempo vor. Etmale von 160-190sm. Die Meilen nehmen zu, der Wind auch. Ich hatte damit gerechnet. Ein paar Tage gutes Wetter, dann würde ich es mit der nächsten Depression zu tun haben. Auf der Wetterkarte (gribfiles über Kurzwelle) sehe ich die Tiefdruckgebiete näher kommen. Der Rand einer Front passiert mich. Die See wird sehr gefährlich, die Wellen laufen noch nicht mit der Dünung mit, das verursacht Querschläger. Grünes Wasser rollt von Bord zu Bord. Reffe in schweren Schauerböen die Segel. Die Genua ausgebaumt, im Groß eine kleine Ecke Tuch, trotzdem stabilisiert es. Es stehen 40kn Wind aus Nord, Tendenz zunehmend, das Baro sinkt weiter. Die Sturm-Nacht wird fürchterlich und schlaflos……
Bin fit wenn es drauf ankommt, schlafe wenn ich mich müde fühle und es das Wetter zulässt. Lausche in der Koje liegend dem Rauschen am Rumpf. 10mm Alu trennen mich vom Southern Ocean und der Ewigkeit. Nachdem das Unterwasserschiff von dicken Muscheln befreit ist, legt Horizons ein spürbar schnelleres Tempo vor. Etmale von 160-190sm. Die Meilen nehmen zu, der Wind auch. Ich hatte damit gerechnet. Ein paar Tage gutes Wetter, dann würde ich es mit der nächsten Depression zu tun haben. Auf der Wetterkarte (gribfiles über Kurzwelle) sehe ich die Tiefdruckgebiete näher kommen. Der Rand einer Front passiert mich. Die See wird sehr gefährlich, die Wellen laufen noch nicht mit der Dünung mit, das verursacht Querschläger. Grünes Wasser rollt von Bord zu Bord. Reffe in schweren Schauerböen die Segel. Die Genua ausgebaumt, im Groß eine kleine Ecke Tuch, trotzdem stabilisiert es. Es stehen 40kn Wind aus Nord, Tendenz zunehmend, das Baro sinkt weiter. Die Sturm-Nacht wird fürchterlich und schlaflos……
28.12.2009 09:36:36
159. Seetag - Log: 18659sm - Der Tag ruhte aus. Zwischen erschöpften Wellen zog ein Albatros mit trägen Flügelschlägen über die dröhnende Stille im Großen Ozean. Er heißt nicht umsonst groß und ob der Pazifik in der Tat der Stille oder der Friedliche ist, hängt ganz davon ab, an welchem Breitengrad man sich befindet. Horizons zieht im Southern Ocean durch die brüllenden Vierziger, entlang der schreienden Fünfziger. Die Temperatur geht zurück, das Wasser wird eiskalt. Merke es beim Reffen, wenn mir Gischtfontainen ins Gesicht wehen. Die Antarktis liegt ziemlich nah, mein nächstes Ziel Kap Hoorn 4000 Meilen entfernt. Mein Plan ist zwischen dem 47. und 50.Breitengrad Richtung Osten zu segeln und dann ab dem 120.Längengrad einen Kurs direkt zum Hoorn zu setzen. Am Abend kam der Wind zurück. Die Meilen zogen unter mir durch, draußen spannte sich die Dunkelheit aus, glitzernd von Sternen. Die See glänzte im Mondlicht und ich trieb in einem Meer von Gedanken. Das bot der Seele zwar keine Rettung, konnte sie aber davon abhalten sich wund zu kratzen, um wieder Fahrt aufzunehmen.
26.12.2009 10:20:05
157. Seetag Log: 18348 sm
Weihnachten im Southern Ocean war eine laue Angelegenheit. In der Begegnung mit dem Meer und mir selbst, sah ich die zurückliegenden Fehler und betrachtete meine Seele von innen. Statt Freude darüber zu empfinden, wieder unterwegs zu sein, spüre ich das eisige Gefühl der Isolation. Mir fehlt die Wärme eines Gespräches. Stattdessen sah ich meine Worte auf dem Boden liegen, hob sie auf und begann zu schreiben.
Schreiben hilft die Gedanken zu ordnen, klar zu sehen und kann verlorene Hoffnung wiederbringen. Im Wort liegt Kraft, so wie in der Stimme des Captäns:
Beim Übersegeln der Datumslinie von 180°Ost in die westlichen Meridiane ließ er mitteilen, dass die Rumration bereits am Nachmittag zu verdoppeln sei, was zur Folge hatte, dass Heiligabend die Mannschaft schwer angeschlagen war. Beim Rundgang auf meiner Meerespromenade hing das Südkreuz zwischen den Wolken und der Steuermann versicherte, dass nicht die ganze Besatzung sternhagelvoll sei.
Cheers und Happy x-mas
Weihnachten im Southern Ocean war eine laue Angelegenheit. In der Begegnung mit dem Meer und mir selbst, sah ich die zurückliegenden Fehler und betrachtete meine Seele von innen. Statt Freude darüber zu empfinden, wieder unterwegs zu sein, spüre ich das eisige Gefühl der Isolation. Mir fehlt die Wärme eines Gespräches. Stattdessen sah ich meine Worte auf dem Boden liegen, hob sie auf und begann zu schreiben.
Schreiben hilft die Gedanken zu ordnen, klar zu sehen und kann verlorene Hoffnung wiederbringen. Im Wort liegt Kraft, so wie in der Stimme des Captäns:
Beim Übersegeln der Datumslinie von 180°Ost in die westlichen Meridiane ließ er mitteilen, dass die Rumration bereits am Nachmittag zu verdoppeln sei, was zur Folge hatte, dass Heiligabend die Mannschaft schwer angeschlagen war. Beim Rundgang auf meiner Meerespromenade hing das Südkreuz zwischen den Wolken und der Steuermann versicherte, dass nicht die ganze Besatzung sternhagelvoll sei.
Cheers und Happy x-mas
24.12.2009 11:45:41
155.Seetag - Mit dem Verlassen des Hafens von Lyttelton/NZ, hoffe ich gleichzeitig das Versagen meines bisherigen Törns zurücklassen zu können.
Der Blick geht nach vorn und mein Wille lässt sich nicht brechen. Nicht von jenen die jetzt über mich herfallen und nur darauf warten, dass ich aufgebe. Kann mein Ziel, wenn auch nicht mehr nonstop, 2x um die Erde zu segeln immer noch erreichen. Allein. Start und Ziel ist Las Palmas/Kanaren. Der kommende Törn nach Kap Hoorn ist eine Prüfung, der Anfang einer Reise zu mir selbst. Gradlinig und konsequent. Ein Törn auch für das Vertrauen jener, die noch an meiner Seite stehen und besonders für die Liebe meiner Frau Anita gegenüber. Sie habe ich am meisten verletzt, für sie kämpfe ich. Der Weg wird hart und schwer, aber er ist auch eine der größten Triebwerke des Lebens, ansonsten bleibt ein geisterhaftes Wesen ohne Kämpferherz zurück.
Neuseeland war nur noch eine perforierte Linie in der Dunkelheit. Heiligabend.
Wünsche Euch Frohe Weihnachten von Bord der SY Horizons
Der Blick geht nach vorn und mein Wille lässt sich nicht brechen. Nicht von jenen die jetzt über mich herfallen und nur darauf warten, dass ich aufgebe. Kann mein Ziel, wenn auch nicht mehr nonstop, 2x um die Erde zu segeln immer noch erreichen. Allein. Start und Ziel ist Las Palmas/Kanaren. Der kommende Törn nach Kap Hoorn ist eine Prüfung, der Anfang einer Reise zu mir selbst. Gradlinig und konsequent. Ein Törn auch für das Vertrauen jener, die noch an meiner Seite stehen und besonders für die Liebe meiner Frau Anita gegenüber. Sie habe ich am meisten verletzt, für sie kämpfe ich. Der Weg wird hart und schwer, aber er ist auch eine der größten Triebwerke des Lebens, ansonsten bleibt ein geisterhaftes Wesen ohne Kämpferherz zurück.
Neuseeland war nur noch eine perforierte Linie in der Dunkelheit. Heiligabend.
Wünsche Euch Frohe Weihnachten von Bord der SY Horizons
22.12.2009 10:48:51
154. Seetag - Log: 17945sm –
Es war gut bei 352 Seemeilen und Starkwinden Horizons in harten Offshore-Bedingungen einem letzten Test zu unterziehen. Motor, Generator, Steuerung, Ruderführung und Autopilot arbeiten einwandfrei. Die Aries macht mir Sorgen, sie muss nochmals auseinandergebaut und geprüft werden.
Begleitet von einer Schar Delfinen (Foto) fand ich die Einfahrt in den Fjord nach Lyttelton-Ostküste Southland. Hügelige Landschaften und grüne Wiesen, soweit das Auge reicht.
Von Hobbits und Elben keine Spur. Dafür ein geschäftiger Hafen mit hilfsbereiten Menschen. Mittwoch letzte Reparaturarbeiten, Heiligabend auf See. Mein Lametta wird das Sternenmeer, mein Ziel Kap Hoorn.
Es war gut bei 352 Seemeilen und Starkwinden Horizons in harten Offshore-Bedingungen einem letzten Test zu unterziehen. Motor, Generator, Steuerung, Ruderführung und Autopilot arbeiten einwandfrei. Die Aries macht mir Sorgen, sie muss nochmals auseinandergebaut und geprüft werden.
Begleitet von einer Schar Delfinen (Foto) fand ich die Einfahrt in den Fjord nach Lyttelton-Ostküste Southland. Hügelige Landschaften und grüne Wiesen, soweit das Auge reicht.
Von Hobbits und Elben keine Spur. Dafür ein geschäftiger Hafen mit hilfsbereiten Menschen. Mittwoch letzte Reparaturarbeiten, Heiligabend auf See. Mein Lametta wird das Sternenmeer, mein Ziel Kap Hoorn.
21.12.2009 11:09:04
153. Seetag
Log: 17846 sm, Kurs: 280°° Windrichtung: Südwest
2 Tage in einer Kaltfront mit Wind von 35-45kn und 7m See haben gezeigt, dass die Aries nach der Reparatur nicht sauber arbeitet. Das Risiko ohne mechanischen Autopilot über den größten Ozean der Welt zu segeln, ist mir einfach zu groß. Dazu hat auch noch die Com-Box, über die sämtliche Navigationsdaten ersichtlich sind, ihren Dienst eingestellt.
Jetzt schau ich mal, ob ich ohne Detailkarten entweder Lyttelton (Ostküste Southland) oder Wellington (Südküste Northland) finde und ob es noch etwas gibt, um mir den Törn restlos zu vermiesen.
Log: 17846 sm, Kurs: 280°° Windrichtung: Südwest
2 Tage in einer Kaltfront mit Wind von 35-45kn und 7m See haben gezeigt, dass die Aries nach der Reparatur nicht sauber arbeitet. Das Risiko ohne mechanischen Autopilot über den größten Ozean der Welt zu segeln, ist mir einfach zu groß. Dazu hat auch noch die Com-Box, über die sämtliche Navigationsdaten ersichtlich sind, ihren Dienst eingestellt.
Jetzt schau ich mal, ob ich ohne Detailkarten entweder Lyttelton (Ostküste Southland) oder Wellington (Südküste Northland) finde und ob es noch etwas gibt, um mir den Törn restlos zu vermiesen.
19.12.2009 11:33:09
151. Seetag
Log: 17494sm, Kurs: 60°, Windrichtung: Nord
Sa. 19.12.-Southland-NZ. Abschied von sehr hilfsbereiten Menschen. Das hügelige Land lag in Schönheit und voraus strahlte das Meer. Entfesselt von den Leinen, erlöst von der Unruhe eines Fischerhafens und frei für den Ozean, zog Horizons vorbei an Dog Island. Segel noch etwas in Landnähe, um mein Schiff einem letzten Test zu unterziehen, bevor ich endgültig den Kurs auf die 4000 Seemeilen Richtung Kap Hoorn absetzen möchte.
Als sich die Dunkelheit über uns legte, gab mir ein alptraumhafter Moment das Gefühl in eine düstere Zeit gefallen zu sein, in der sich die Grenze zwischen Wirklichkeit und schlechtem Traum aufhob.
Im Blick zurück auf die letzten Wochen lag eine Abbergung, das Suchen und die Abschleppaktion von Horizons, sowie ihre Reparatur und die Offenlegung meiner Verfehlungen. Jetzt wo ich wieder auf See bin, werde ich mir die Zeit nehmen, all das zu verarbeiten. Kein Grund zur Entspannung. Die Dämonen sind weiter unterwegs. Die Hoffnung hat grad an das Kämpferherz übergeben und die Götter rufen, „Willkommen“ und „mach was draus“
Log: 17494sm, Kurs: 60°, Windrichtung: Nord
Sa. 19.12.-Southland-NZ. Abschied von sehr hilfsbereiten Menschen. Das hügelige Land lag in Schönheit und voraus strahlte das Meer. Entfesselt von den Leinen, erlöst von der Unruhe eines Fischerhafens und frei für den Ozean, zog Horizons vorbei an Dog Island. Segel noch etwas in Landnähe, um mein Schiff einem letzten Test zu unterziehen, bevor ich endgültig den Kurs auf die 4000 Seemeilen Richtung Kap Hoorn absetzen möchte.
Als sich die Dunkelheit über uns legte, gab mir ein alptraumhafter Moment das Gefühl in eine düstere Zeit gefallen zu sein, in der sich die Grenze zwischen Wirklichkeit und schlechtem Traum aufhob.
Im Blick zurück auf die letzten Wochen lag eine Abbergung, das Suchen und die Abschleppaktion von Horizons, sowie ihre Reparatur und die Offenlegung meiner Verfehlungen. Jetzt wo ich wieder auf See bin, werde ich mir die Zeit nehmen, all das zu verarbeiten. Kein Grund zur Entspannung. Die Dämonen sind weiter unterwegs. Die Hoffnung hat grad an das Kämpferherz übergeben und die Götter rufen, „Willkommen“ und „mach was draus“
17.12.2009 09:46:12
Die Arbeiten am Schiff sind abgeschlossen, die Ersatzteile der Aries eingetroffen. Nach der Instandsetzung der mechanischen Selbststeueranlage, folgt eine Testfahrt zur Prüfung aller Systeme und am Samstag der Start Richtung Kap Hoorn.
Warum ich weiter mache? Weil es zu einfach wäre aufzugeben, jetzt wo ich am Boden liege.
Krisen lehren das Potenzial zu mobilisieren, dass in jedem von uns steckt: Für Fehler einzustehen und für sein Ziel zu kämpfen! Trotz der Enttäuschung habe ich meine Frau, Freunde und Sponsorenpartner weiterhin an meiner Seite und damit die Chance einiges von dem, was ich zerstört habe, wieder gutzumachen. Dafür kämpfe ich, auch für mein Ziel: 1x links und einmal rechts herum die Erde zu umsegeln und mich dabei, wie bisher, für die wissenschaftlichen und sozialen Inhalte von sail2horizons einzusetzen.
Vorbei an den Ladekränen des Hafens, marschierte ich im gleißenden Licht hoher Flutlichtmasten zum Wasser. Mein Schatten tat es auch. Ich roch die See, lauschte einem fernen Rauschen das wie eine leise Stimme klang und hörte ihr gerne zu, weil sie mich wieder hinaus rief, aufs Meer.
Warum ich weiter mache? Weil es zu einfach wäre aufzugeben, jetzt wo ich am Boden liege.
Krisen lehren das Potenzial zu mobilisieren, dass in jedem von uns steckt: Für Fehler einzustehen und für sein Ziel zu kämpfen! Trotz der Enttäuschung habe ich meine Frau, Freunde und Sponsorenpartner weiterhin an meiner Seite und damit die Chance einiges von dem, was ich zerstört habe, wieder gutzumachen. Dafür kämpfe ich, auch für mein Ziel: 1x links und einmal rechts herum die Erde zu umsegeln und mich dabei, wie bisher, für die wissenschaftlichen und sozialen Inhalte von sail2horizons einzusetzen.
Vorbei an den Ladekränen des Hafens, marschierte ich im gleißenden Licht hoher Flutlichtmasten zum Wasser. Mein Schatten tat es auch. Ich roch die See, lauschte einem fernen Rauschen das wie eine leise Stimme klang und hörte ihr gerne zu, weil sie mich wieder hinaus rief, aufs Meer.
15.12.2009 10:20:46
Ein riesiger Lift hob Horizons aus ihrem Element. Umgeben von seelenlosen Schiffsrümpfen die vor sich hinrosteten, blitzte das Schweissgerät. Der Monteur nahm sich den Ruderschaden vor. Das Unterwasserschiff wurde gereinigt und die Zinkannoden gewechselt. Am Abend war Horizons wieder da, wo sie hingehört. Ungeduld zerrt an Leinen. Sie wittert bereits den Ozean, während ich versuchte Ordnung in die Ereignisse der letzten Wochen zu bringen.
Kurz vor Mitternacht klopfte es an der Tür. Wer stand da? Mein Kopf. „Hör zu“, sagte er.
„Auch wenn im Moment alles auf Dich eindrischt, erinnere Dich daran was Du über sail2horions in diesem Jahr auch positiv erreicht hast. In Wismar wurde der Verein Licht am Horizont gegründet. Die Klimaaktion brachte innerhalb von wenigen Tagen über 1000 Unterschriften. Du hast Proben und Daten für die Wissenschaft gesammelt und bist ab den Kanaren allein in 4 Monaten um die halbe Welt gesegelt. Du hast Menschen enttäuscht und bist auf die Schnauze gefallen. Doch nun steh auf und drück das Kreuz durch, damit ich dir wieder auf die Schulter hüpfen kann“
Kurz vor Mitternacht klopfte es an der Tür. Wer stand da? Mein Kopf. „Hör zu“, sagte er.
„Auch wenn im Moment alles auf Dich eindrischt, erinnere Dich daran was Du über sail2horions in diesem Jahr auch positiv erreicht hast. In Wismar wurde der Verein Licht am Horizont gegründet. Die Klimaaktion brachte innerhalb von wenigen Tagen über 1000 Unterschriften. Du hast Proben und Daten für die Wissenschaft gesammelt und bist ab den Kanaren allein in 4 Monaten um die halbe Welt gesegelt. Du hast Menschen enttäuscht und bist auf die Schnauze gefallen. Doch nun steh auf und drück das Kreuz durch, damit ich dir wieder auf die Schulter hüpfen kann“
13.12.2009 07:55:04
NZ-Southland - Die Arbeiten am Schiff verlaufen planmässig und doch ist tief in mir ein Gefühl von Leere und Bedauern, durch mein Verhalten Menschen enttäuscht zu haben.
Mein Versagen hinsichtlich der verschwiegenen Stopps, wo ich aus technischen Gründen Land betreten musste und der Tatsache, dass mich eine Freundin von Deutschland bis zu den Kanaren begleitete, möchte ich offenlegen. Für mein Handeln gibt es keine Rechtfertigung. Als ich mir im Laufe des Törns darüber im Klaren wurde, was ich angerichtet hatte, war es zu spät. Dadurch habe ich viele enttäuscht, das Vertrauen aller, die mir in der Vorbereitungszeit geholfen haben, missbraucht, dem Projekt geschadet. Es tut mir sehr leid und ich kann mich nur entschuldigen. Dies eingestehen zu müssen, tut sehr weh, aber es ist auch eine Befreiung. Am 23.12. erscheint in der YACHT ein ausführliches Interview, indem ich zu meinem Versagen offen und ehrlich Stellung beziehe. Ich hoffe, dass ich trotz meiner Fehler und der damit ausgelösten Enttäuschung eine Chance erhalte, den von mir angerichteten Schaden wieder gut zu machen und sail2horizons weiter zu führen.
Mein Versagen hinsichtlich der verschwiegenen Stopps, wo ich aus technischen Gründen Land betreten musste und der Tatsache, dass mich eine Freundin von Deutschland bis zu den Kanaren begleitete, möchte ich offenlegen. Für mein Handeln gibt es keine Rechtfertigung. Als ich mir im Laufe des Törns darüber im Klaren wurde, was ich angerichtet hatte, war es zu spät. Dadurch habe ich viele enttäuscht, das Vertrauen aller, die mir in der Vorbereitungszeit geholfen haben, missbraucht, dem Projekt geschadet. Es tut mir sehr leid und ich kann mich nur entschuldigen. Dies eingestehen zu müssen, tut sehr weh, aber es ist auch eine Befreiung. Am 23.12. erscheint in der YACHT ein ausführliches Interview, indem ich zu meinem Versagen offen und ehrlich Stellung beziehe. Ich hoffe, dass ich trotz meiner Fehler und der damit ausgelösten Enttäuschung eine Chance erhalte, den von mir angerichteten Schaden wieder gut zu machen und sail2horizons weiter zu führen.
09.12.2009 22:11:04
NZ-Southland - Liebe Grüsse vom Ende der Welt. Südlich von Bluff kommen nur noch ein paar schroffe Inseln, dann die Antarktis. Zeit für einen Überblick über den Stand der Arbeiten. Während Horizons bei 40-60kn Wind trieb,
wurden durch die harten Schläge der See Teile der Aries abgerissen, wie auch die Seile der Steuerung. Die hydraulischen Zylinder des Autopiloten brachen
aus der Verankerung. Bei der Abschleppaktion wurden die Lippklampen herausgeissen u. der Bugkorb verbogen. Die Riggprobleme konnte ich bereits reparieren, die Ursache des Wassereintritts herausfinden und stoppen. Motor ist repariert. Generator u. Autopilot sowie die o.g. Schäden in Arbeit. Anfang nä. Woche kommt das Schiff wg. des Ruderschadens aus dem Wasser. Ersatzteile der Aries sind auf dem Weg. Wie geht’s weiter? Auch wenn ich im Moment gescheitert bin, lass ich nicht ab von meinem Ziel, 1x links und 1x rechts herum, um die Welt zu segeln und mich dabei für die Inhalte von s2h einzusetzen. Kurz vor Weihnachten möchte ich wieder auf See sein, Kurs Kap Hoorn. Das ist meine Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt.
wurden durch die harten Schläge der See Teile der Aries abgerissen, wie auch die Seile der Steuerung. Die hydraulischen Zylinder des Autopiloten brachen
aus der Verankerung. Bei der Abschleppaktion wurden die Lippklampen herausgeissen u. der Bugkorb verbogen. Die Riggprobleme konnte ich bereits reparieren, die Ursache des Wassereintritts herausfinden und stoppen. Motor ist repariert. Generator u. Autopilot sowie die o.g. Schäden in Arbeit. Anfang nä. Woche kommt das Schiff wg. des Ruderschadens aus dem Wasser. Ersatzteile der Aries sind auf dem Weg. Wie geht’s weiter? Auch wenn ich im Moment gescheitert bin, lass ich nicht ab von meinem Ziel, 1x links und 1x rechts herum, um die Welt zu segeln und mich dabei für die Inhalte von s2h einzusetzen. Kurz vor Weihnachten möchte ich wieder auf See sein, Kurs Kap Hoorn. Das ist meine Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt.
05.12.2009 02:24:57
Neuseeland ,Südinsel - Horizons liegt in Bluff im Fischerhafen (keine Marina) fest zum Land.
In der Zeit, als das Schiff bei Windstärken von 40-60kn auf See trieb, sind leider weitere Schäden hinzu gekommen. Ebenso bei der Abschleppaktion. Meine Versicherung Pantaenius (Danke Frau Kantereit) reagierte sehr flexibel. Ein Sachverständiger hat die Schäden dokumentiert. Dank der großartigen, finanziellen Unterstützung von der Mobotix AG und Mühle Glashütte, können wir in Vorkasse treten. Die Reparaturarbeiten haben bereits begonnen, werden ca. 14 Tage dauern. In Deutschland schwirren derweil Gerüchte durch die Medien, dass ich das Projekt sail2horizons hier beende zurückkehre!
Das ist definitiv falsch. Mein Ziel ist es, noch vor Weihnachten von Neuseeland aus Richtung Kap Hoorn zu starten. Auch wenn der Anspruch auf der 1. Runde nonstop zu segeln gescheitert ist, lebt das Projekt sail2horizons und wird fortgeführt.
Ein herzliches Dankeschön an alle die uns bei der Klimaaktion unterstützt haben. Innerhalb
weniger Tage haben über 1000 Leute unterschrieben!
In der Zeit, als das Schiff bei Windstärken von 40-60kn auf See trieb, sind leider weitere Schäden hinzu gekommen. Ebenso bei der Abschleppaktion. Meine Versicherung Pantaenius (Danke Frau Kantereit) reagierte sehr flexibel. Ein Sachverständiger hat die Schäden dokumentiert. Dank der großartigen, finanziellen Unterstützung von der Mobotix AG und Mühle Glashütte, können wir in Vorkasse treten. Die Reparaturarbeiten haben bereits begonnen, werden ca. 14 Tage dauern. In Deutschland schwirren derweil Gerüchte durch die Medien, dass ich das Projekt sail2horizons hier beende zurückkehre!
Das ist definitiv falsch. Mein Ziel ist es, noch vor Weihnachten von Neuseeland aus Richtung Kap Hoorn zu starten. Auch wenn der Anspruch auf der 1. Runde nonstop zu segeln gescheitert ist, lebt das Projekt sail2horizons und wird fortgeführt.
Ein herzliches Dankeschön an alle die uns bei der Klimaaktion unterstützt haben. Innerhalb
weniger Tage haben über 1000 Leute unterschrieben!
03.12.2009 07:42:23
Neuseeland,Südinsel - Horizons liegt in Bluff im Fischerhafen (keine Marina) fest zum Land.
In der Zeit, als das Schiff bei Windstärken von 40-60kn, auf See trieb, sind leider weitere Schäden hinzu gekommen. Ebenso bei der Abschleppaktion. Meine Versicherung Pantaenius (Danke Frau Kantereit) reagierte sehr flexibel. Ein Sachverständiger hat die Schäden dokumentiert. Dank der großartigen, finanziellen Unterstützung von der Mobotix AG und Mühle Glashütte, können wir in Vorkasse treten. Die Reparaturarbeiten haben bereits begonnen, werden ca. 14 Tage dauern. In Deutschland schwirren derweil Gerüchte durch die Medien, dass ich das Projekt sail2horizons hier beende zurückkehre! Das ist definitiv falsch. Mein Ziel ist es, noch vor Weihnachten von Neuseeland aus Richtung Kap Hoorn zu starten. Auch wenn der Anspruch auf der 1. Runde nonstop zu segeln bereits vorher gescheitert ist, lebt das Projekt sail2horizons und wird fortgeführt.
Ein herzliches Dankeschön an alle die uns bei der Klimaaktion unterstützt haben. Innerhalb
weniger Tage haben um die 1000 Leute unterschrieben!
In der Zeit, als das Schiff bei Windstärken von 40-60kn, auf See trieb, sind leider weitere Schäden hinzu gekommen. Ebenso bei der Abschleppaktion. Meine Versicherung Pantaenius (Danke Frau Kantereit) reagierte sehr flexibel. Ein Sachverständiger hat die Schäden dokumentiert. Dank der großartigen, finanziellen Unterstützung von der Mobotix AG und Mühle Glashütte, können wir in Vorkasse treten. Die Reparaturarbeiten haben bereits begonnen, werden ca. 14 Tage dauern. In Deutschland schwirren derweil Gerüchte durch die Medien, dass ich das Projekt sail2horizons hier beende zurückkehre! Das ist definitiv falsch. Mein Ziel ist es, noch vor Weihnachten von Neuseeland aus Richtung Kap Hoorn zu starten. Auch wenn der Anspruch auf der 1. Runde nonstop zu segeln bereits vorher gescheitert ist, lebt das Projekt sail2horizons und wird fortgeführt.
Ein herzliches Dankeschön an alle die uns bei der Klimaaktion unterstützt haben. Innerhalb
weniger Tage haben um die 1000 Leute unterschrieben!
01.12.2009 08:52:22
150. Seetag, Log: 17455sm - Ich hab die Annäherung per Schiff an eine Insel immer geliebt, aber nach 270sm im Schlepp des Fischerbootes XS (s.Foto) und des Erreichens der Südinsel von Neuseeland, lief jede Stimmung ins Leere. Fühle mich wie betäubt. Non-Stop um die Welt: Der Traum war für mich zwar schon vorbei, als ich vor der Isla Cies, Kapverden, Brasilien und der Isla Crozet, aus technischen Gründen einen Stopp einlegen musste, dennoch komm ich nur schwer aus meiner Lethargie. Denke sehr bewusst an meine Frau, Freunde und mein Team, ohne die ich nicht so weit gekommen wäre. Festgemacht in Bluff/Harbour. Schiff und Crew bei den Behörden einklariert und Kontakt zum Gutachter von Pantaenius aufgenommen. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Das Schiff reparieren, dann wieder auf See. Ich hab immer gesagt, dass es mir nicht um einen Rekord geht, sondern darum, lange zu segeln. Und so werde ich meine große Einhandreise um die Welt, begleitet mit den Inhalten von sail2horizons fortsetzen und halte Euch über den Stand der Dinge auch weiterhin auf dem Laufenden.
30.11.2009 05:53:36
149. Seetag – Bin überglücklich wieder auf Horizons zu sein. Am Samstag ging ich in Bluff /Neuseeland, dank der schnellen Vermittlung durch Pantaenius an Bord des Fischerbootes XS, um die Suche nach Horizons aufzunehmen, die ca. 300sm südwestlich von Steward Island trieb.
Dank der aktuellen Position über SatPro, die mir meine Frau Anita ständig übermittelte, konnten wir Horizons relativ sicher orten. Bin nun im Schlepp der XS und auf dem Rückweg nach Bluff Harbour. Wenn die Versicherungstechnischen Details, Kostenvoranschläge etc. geklärt und die Reparaturarbeiten abgeschlossen sind, möchte ich den Törn und das Projekt sail2horizons auf jeden Fall fortsetzen.
An dieser Stelle ein Danke schön der Crew der Seven Seas Mariner, die für mich ihren Kurs um 600sm änderten, mich sicher abgeborgen haben (s.Foto) und die an Bord des 6-Sterne Kreuzfahrtschiffes sehr um mein Wohl besorgt waren.
Mein herzlicher Dank gilt Capt. Stan, Staff Capt. Allain, Manager Paul, Florian, Katja, Claudia u. v. a.
Liebe Grüße auch an Eure Gäste, deren Anteilnahme mich ebenfalls sehr berührte.
Dank der aktuellen Position über SatPro, die mir meine Frau Anita ständig übermittelte, konnten wir Horizons relativ sicher orten. Bin nun im Schlepp der XS und auf dem Rückweg nach Bluff Harbour. Wenn die Versicherungstechnischen Details, Kostenvoranschläge etc. geklärt und die Reparaturarbeiten abgeschlossen sind, möchte ich den Törn und das Projekt sail2horizons auf jeden Fall fortsetzen.
An dieser Stelle ein Danke schön der Crew der Seven Seas Mariner, die für mich ihren Kurs um 600sm änderten, mich sicher abgeborgen haben (s.Foto) und die an Bord des 6-Sterne Kreuzfahrtschiffes sehr um mein Wohl besorgt waren.
Mein herzlicher Dank gilt Capt. Stan, Staff Capt. Allain, Manager Paul, Florian, Katja, Claudia u. v. a.
Liebe Grüße auch an Eure Gäste, deren Anteilnahme mich ebenfalls sehr berührte.
29.11.2009 09:30:00
Bild und Text dieses Eintrags wurden manuell eingefügt. Mitteilung des Landteams: SY Horizons geborgen! Am 29.11.09 / 9:30 UTC hat das Bergungsteam die driftende Yacht erreicht. Bernt Lüchtenborg ist wieder auf seinem Schiff, das sich jetzt im Schlepp des Kutters auf dem Weg zurück nach Bluff Harbour befindet. Horizons hat nach einer ersten Begutachtung keine zusätzlichen Schäden erlitten. Sobald genauere Informationen verfügbar sind werden wir an dieser Stelle darüber berichten.
28.11.2009 13:00:00
Bild und Text dieses Eintrags wurden manuell eingefügt. Mitteilung des Landteams: Bernt Lüchtenborg konnte einen Fischer aus Bluff für die Suche der SY Horizons gewinnen und ist am 28.11.09 / 01.00 Uhr MEZ mit dem Kutter „XS“ bei starken westlichen Winden ausgelaufen um die Yacht zu bergen. Die Aktion wird voraussichtlich ca. eine Woche dauern. Ziel ist es Horizons nach Bluff Harbour zu schleppen, dort wieder instandzusetzen und danach die Reise fortzuführen.
23.11.2009 20:00:00
Bild und Text dieses Eintrags wurden per E-Mail übertragen und manuell in diese Darstellung eingefügt (A.d.R.)Bin heut morgen bei 35kn Wind und 7m hohen Wellen vom Rettungsboot des Crusing Ship Seven Seas Mariner von Horizons abgeborgen worden. Die Aktion die ausschliesslich meiner Sicherheit diente, geschah in Absprache mit meiner Versicherung(Panteanius) und New Zealand Rescue, die leider auf Grund der Entfernung und des schlechten Wetters nicht in der Lage war, ein Schiff zu schicken, um die manoevrierunfaehige Horizons in Schlepp zu nehmen. Ich werde in 2 Tagen Neuseeland erreichen und hoffe dass meine Versicherung dann ein Abschleppboot gefunden hat, mit dem ich gleich auslaufen moechte um Horizons deren Position ich kenne zu finden und zur Werft nach Neuseeland zu schleppen. Dort sollen die Schaeden repariert werden und anschliessend gehe ich wieder auf See und setze die Reise fort. Das Projekt sail2horizons ist trotz des technischen Stopps nicht beendet, sondern geht wenn auch in anderer Form weiter. Ich halte Euch auf dem Laufenden und berichte vom Stand der Dinge auch weiterhin.
23.11.2009 10:00:30
148. Seetag - Schiffbruch am Ende der Welt. So könnte der Anfang vom Ende lauten, wenn ich über diesen unglaublichen Törn voller Pech und Pannen schreiben sollte. Samstagnacht, Sturm mit 45 kn. Zwischen heftigen Schauerböen lugte der Mond durch eine aufgerissene Decke tief hängender Bewölkung. Draußen streunt der Regen, drinnen quillte Hefe durchs Gehirn und nachdem das Becks zu wirken begann, fühlte ich mich angenehm allein. Angenehm im Sinne von „So wolltest du es“ Und doch: Quo vadis, stranger in the night? Spätestens an der Südspitze Neuseeland, muss ich mich entscheiden: Reparaturstopp oder nicht. Der Unterwassergegenstand, der uns abrupt stoppte (vermutlich ein schlafender Wal) hat die Frage beantwortet: Denn das Ruder hat keinen Anschlag mehr, auch über die Notpinne ließ sich das Schiff nicht mehr steuern. Manövrierunfähig trieb ich zwischen 6m hohen Wellen und setzte am So. einen Notruf an Neuseeland Rescue ab. Der Flieger (s.Foto) checkte heute die Lage. Morgen soll ich abgeborgen werden und muss Horizons zurück lassen! Im Bewusstsein des Scheiterns griff die Ohnmacht nach meiner Seele und durchdrang mich, wie der nasse, kalte Regen.
20.11.2009 08:18:31
145.Seetag - Meer. Nur Meer. Das Meer inspiriert. Phantasie entzündet sich an wechselnden Horizonten, an verändernden Stimmungen, an Ruhe und Sturm. Die Anziehung des Meeres ist ein Spiegel der Seele. Wir sind geängstigt und fasziniert zugleich. Blau spannte sich der Himmel über eine geweitete Landschaft. Wolken, wie aus Glas geblasen, zogen mit uns durch einen unendlichen Raum. Auch unsere Aktion (s.Blog gestern) nimmt Fahrt auf. Viele haben sich bereits in die Unterschriftenliste eingetragen. Die Ostseezeitung druckt den Brief an die Kanzlerin ab, ruft zur Unterstützung auf. Wismar-TV (danke Christina) produziert einen Film, worin die Kinder „von Licht am Horizont e.V.“die Politiker auffordern, sich sofort für den Klimaschutz einzusetzen. Es geht um die Zukunft der Kinder, die einmal diese Welt übernehmen werden. Klickt auf www.klima.sail2horizons.com und macht mit: „Gemeinsam für ein besseres Klima zwischen den Horizonten“….Das sind so meine Gedanken an diesem Freitag, aber die Gedanken sind nur die Wolken im Wind der Gefühle, also sind das meine Gefühle, während es draussen mit 40kn mal wieder anständig hackt.
19.11.2009 09:41:12
144. Seetag – Sich für die Umwelt einzusetzen ist eine Säule von sail2horizons. Deshalb mein offener Brief an die Bundeskanzlerin: Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, der Weltklimagipfel in Kopenhagen muss seinem Namen gerecht werden, das Kyoto Nachfolge-Abkommen ist für uns alle mehr als nur ein Abkommen - es ist unsere Zukunft. Globale Umwelt-Politik heisst nicht nur Hoffnung machen, sondern auch Geschichte schreiben. Große Territorien unseres Planeten sind bedroht. Wir alle sitzen im sinkenden Boot der Umweltsünder, egal ob Entwicklungsländer oder die klassischen Industrienationen. Ein Rettungsboot gibt es nicht. Deshalb meine Bitte an Sie, als Bundeskanzlerin, als Wissenschaftlerin und als Mensch: Zeigen Sie Mut, setzen Sie deutliche Signale und klare Ziele für den Erfolg!...Der vollständige Brief ist auf www.klima.sail2horizons.com einzusehen. Damit verbinden wir den Aufruf zu einer Unterschriftenaktion. Oder klicken Sie unter www.sail2horizons.com auf den Hinweis oben links, informieren Sie sich und unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Aktion: Gemeinsam für ein besseres Klima zwischen den Horizonten!
18.11.2009 09:29:09
143. Seetag - Mit dem Übersegeln des 147. Längengrades verließ ich den Indischen Ozean, der auch als „der Wilde“ gilt. Das Gewässer hat mir zu schaffen gemacht. Den Preis hab ich bezahlt, die Schäden am havarierten Schiff sind erheblich, doch die Leidenschaft ist geblieben. Segel nicht nur um mein Ziel zu erreichen, sondern auch weil ich die Landschaften, die ich durchwandere liebe. Die Natur liebe, die sich mir mit ihrer ganzen Zerstörungskraft und Schönheit offenbart. Weil ich als kleiner Seemann, auch dann wenn ich denkbar schlimmste Bedingungen erlebe, an ihrer Größe teilhaben darf. Im Geschenk des Erlebens und der Anziehungskraft neuer Ziele, wechselte ich die Seekarte und schlug einen Kringel um Kap Hoorn. 4400sm über den Pazifik, dem großen Ozean. Sämtliche Landmassen der Erde würden darin Platz finden. Durch die Vierziger, die schreienden Fünfziger, zum südlichsten Kap der Welt. Gedanken faserten sich auf, sehnsüchtigen Blickes starrte ich in die Ferne und wie eine Glocke der Erinnerung schwang das Wort Kap Hoorn durch meine Seele.
Foto: mit Auryn vor Kap Hoorn 1/03 –
Nun zum Brief an Angie:
Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, …Fortsetzung morgen!
Foto: mit Auryn vor Kap Hoorn 1/03 –
Nun zum Brief an Angie:
Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, …Fortsetzung morgen!
17.11.2009 09:57:49
142. Seetag – Nach einer Nacht mit Flaute, kam im ersten Licht des Tages der Wind zurück. Mit halben Wind und vollen Tüchern segeln wir 130 Meilen südwestlich von Tasmanien Kurs Ost.
750sm südlich von Tasmanien, treibt ein 50m hoher u. 500m langer Eisberg. Nach Angaben von Antarktisforschern handelt es sich um den 2002 vom Ross-Schelfeis abgebrochenen Eisberg, der einst 300 Kilometer lang und 37 Kilometer breit war. Soweit die Meldung von Sydney (AP) Treibende Eisberge! Eine Warnung nicht nur für Schiffe, sondern ein deutliches Zeichen der Natur. In der kältesten Region macht sich die Erderwärmung am stärksten bemerkbar, die mächtigen Eispanzer der Antarktis schmelzen noch schneller als die Forscher bisher prophezeit haben. Gletscher explodieren, Politiker lamentieren. Die Klimakonferenz in Kopenhagen steht bevor, wenn sie denn überhaupt stattfindet. Und was machen Wir? Ich sammel auf meinem Törn um die Erde weiterhin Proben für klimarelevante Themen und schreib dazu mal einen Brief an Angie, den ich mit einem Aufruf verbinde. Vielleicht können Wir gemeinsam daraus eine Aktion starten. Fortsetzung folgt! Foto:mit Auryn Antarktis 2003
750sm südlich von Tasmanien, treibt ein 50m hoher u. 500m langer Eisberg. Nach Angaben von Antarktisforschern handelt es sich um den 2002 vom Ross-Schelfeis abgebrochenen Eisberg, der einst 300 Kilometer lang und 37 Kilometer breit war. Soweit die Meldung von Sydney (AP) Treibende Eisberge! Eine Warnung nicht nur für Schiffe, sondern ein deutliches Zeichen der Natur. In der kältesten Region macht sich die Erderwärmung am stärksten bemerkbar, die mächtigen Eispanzer der Antarktis schmelzen noch schneller als die Forscher bisher prophezeit haben. Gletscher explodieren, Politiker lamentieren. Die Klimakonferenz in Kopenhagen steht bevor, wenn sie denn überhaupt stattfindet. Und was machen Wir? Ich sammel auf meinem Törn um die Erde weiterhin Proben für klimarelevante Themen und schreib dazu mal einen Brief an Angie, den ich mit einem Aufruf verbinde. Vielleicht können Wir gemeinsam daraus eine Aktion starten. Fortsetzung folgt! Foto:mit Auryn Antarktis 2003
16.11.2009 10:00:44
141. Seetag – Log: 16296sm– Südlich von Tasmanien: Ein Synonym für Entlegenheit und unter dem Namen van Diemens Land ein ehemaliger Freiluft Knast für 76000 Sträflinge aus allen Ecken des Empires. Die geografische Länge des South East Cape, wo der Indik endet und der Große Ozean beginnt, liegt noch einige Meilen entfernt. Dennoch suchte ich schon mal nach der Eintrittskarte für den Pazifik, trat ins Cockpit und freute mich über klare Umrisse und ein Meer im sonnigen Glanz. Gestern noch wühlten sich die Wolken bis aufs Wasser, blickten kühl in den dunklen Abgrund. Heute steht der Himmel weit entfernt und bis zum Horizont sind die Grenzen neu gezogen. Das Schöne hat wieder ein Lächeln! Es berauscht die Seele, strömt mir in die Augen, vibriert in allen Zellen. Horizons gleitet durch das Spiegelbild der Wolken, im Auf und Ab von sanften Wellen und durch die Klarheit der Farben. Glück ist so einfach, man darf nur nicht lange drüber nachdenken, denn sonst hört es plötzlich auf. Okay, eine Stunde….denn eine Stunde, sagt Christian Morgenstern: „Eine Stunde der Begeisterung, gibt mehr, als ein Jahr einförmig dahin ziehenden Lebens“
Bis nachher, um 14h MEZ im Filmbericht von Bord, freundlicherweise gesponsert von der Fa. Sebago.
Bis nachher, um 14h MEZ im Filmbericht von Bord, freundlicherweise gesponsert von der Fa. Sebago.
13.11.2009 09:39:33
138. Seetag - Ich gestehe: War gestern einfach zu feige, um mich zu aufzuhängen. Stattdessen….you know. .
(für neue Mitsegler und blinde Passagiere siehe Blog vorher) In der Zwischenzeit muss ich Weihnachten und Kap Hoorn verpasst haben, denn als ich nach einer gefühlten Ewigkeit ins Cockpit trat, war mir als wenn ich bereits über die Nordsee segelte: Dunkler Abgrund, Kälte, Nässe, Regen, dichter Nebel und Schimmel auf der Seele. Dafür Licht am Horizont!
Unser Verein www.lichtamhorizont.de war mit 50 Kindern in Stralsund und besuchte das Ozeaneum. Die Kids hatten große Freude. Bewunderten Korallengärten, lernten und verstanden die Bedeutung von Plankton, schauten den Papageienfischen bei ihrem Spiel „Findet Nemo“ zu, lagen unter einer riesigen Kuppel auf ihrem Rücken und staunten über Haie und Wale, die über ihre Köpfe schwebten.
Und so finde ich doch noch einen versöhnlichen Abschluss einer ansonsten grässlichen Nebel-Woche. Melde mich am Montag zurück. So Gott will und Neptun nichts dagegen hat, aus einem neuen Ozean und um 14h MEZ mit einem neuen Filmbericht von Bord, gesponsert von der Fa. Sebago.
Damit liebe Grüße an Verena Schwingeler und ihr Team.
(für neue Mitsegler und blinde Passagiere siehe Blog vorher) In der Zwischenzeit muss ich Weihnachten und Kap Hoorn verpasst haben, denn als ich nach einer gefühlten Ewigkeit ins Cockpit trat, war mir als wenn ich bereits über die Nordsee segelte: Dunkler Abgrund, Kälte, Nässe, Regen, dichter Nebel und Schimmel auf der Seele. Dafür Licht am Horizont!
Unser Verein www.lichtamhorizont.de war mit 50 Kindern in Stralsund und besuchte das Ozeaneum. Die Kids hatten große Freude. Bewunderten Korallengärten, lernten und verstanden die Bedeutung von Plankton, schauten den Papageienfischen bei ihrem Spiel „Findet Nemo“ zu, lagen unter einer riesigen Kuppel auf ihrem Rücken und staunten über Haie und Wale, die über ihre Köpfe schwebten.
Und so finde ich doch noch einen versöhnlichen Abschluss einer ansonsten grässlichen Nebel-Woche. Melde mich am Montag zurück. So Gott will und Neptun nichts dagegen hat, aus einem neuen Ozean und um 14h MEZ mit einem neuen Filmbericht von Bord, gesponsert von der Fa. Sebago.
Damit liebe Grüße an Verena Schwingeler und ihr Team.
12.11.2009 09:56:22
137. Seetag – Log: 15886
Seit 3 Tagen nunmehr Flaute, umlaufende Winde und noch schlimmer - Nebel.
Blindsegeln in nasser Tristesse. Sicht eine halbe Kabellänge (für Landratten ca. 90m)
Nässe perlt von den Segeln. Einsamkeit tropft in mein Gemüt. „Hör zu, Seemann“ wandte sich der andere in mir in einem herablassenden Ton an mich, der sonst nur für Alte und Behinderte reserviert ist und unterbreitete mir folgenden Vorschlag
„ Hör auf zu jammern oder erschieß dich“.
Ich ertränkte meine Einsamkeit in einem 93er Chablis. Ein Zaubertrank , der die Tragödien des Lebens in Missverständnisse verwandelte, bis sich die Bodenkontrolle an Major Tom erinnerte.
„Heilige Scheisse“ klang es hörbar aus dem Maul, der früher einmal B.L. geheißen hatte. Während sich mein Herz langsam wieder in Bewegung setzte, wunderte ich mich darüber, wer meine Koje mit weißen Kalksandsteinen vermauert hatte.
5h utc- 14h Localzeit:
Benommen und mit Mühe krabbelte ich aus dem Abgrund eines böses Traumes und schoss mir mit der Signalpistole in den Mund!
Seit 3 Tagen nunmehr Flaute, umlaufende Winde und noch schlimmer - Nebel.
Blindsegeln in nasser Tristesse. Sicht eine halbe Kabellänge (für Landratten ca. 90m)
Nässe perlt von den Segeln. Einsamkeit tropft in mein Gemüt. „Hör zu, Seemann“ wandte sich der andere in mir in einem herablassenden Ton an mich, der sonst nur für Alte und Behinderte reserviert ist und unterbreitete mir folgenden Vorschlag
„ Hör auf zu jammern oder erschieß dich“.
Ich ertränkte meine Einsamkeit in einem 93er Chablis. Ein Zaubertrank , der die Tragödien des Lebens in Missverständnisse verwandelte, bis sich die Bodenkontrolle an Major Tom erinnerte.
„Heilige Scheisse“ klang es hörbar aus dem Maul, der früher einmal B.L. geheißen hatte. Während sich mein Herz langsam wieder in Bewegung setzte, wunderte ich mich darüber, wer meine Koje mit weißen Kalksandsteinen vermauert hatte.
5h utc- 14h Localzeit:
Benommen und mit Mühe krabbelte ich aus dem Abgrund eines böses Traumes und schoss mir mit der Signalpistole in den Mund!
11.11.2009 09:43:05
136. Seetag – Log: 15813 sm
In der Verlassenheit des Nebels, ausgeschlossen von dieser Welt, fühlte ich mich alleinsam. Mir war nach Stimmen und so hörte ich Deutsche Welle Radio und die Hitparade der Volksmusik. Echte Folklore eben. Solange bis mir das Knuspermüsli vom Löffel fiel….wer stoppt endlich Florian Silbereisen??
Übrigens, das Boot von gestern kreuzte nochmals unser Kielwasser. Ein japanischer Fischtrawler. Vermutlich auf der Jagd nach Walen. Immer noch sind ihre Fressfeinde der Norweger, Isländer und Japaner. 25.000 Wale verendeten in den vergangenen zwanzig Jahren an den Harpunenhaken von Walfängern, verbluteten mit zerfetzten Organen oder erstickten halb zerschnitten auf den Decks moderner Fabrikschiffe mit geplatzten Lungen.
Wenn ich das vor mir sehe, dann brüllt etwas in mir. 25.000 tote Wale!
Wie kann Gott oder die vernunftbegabte Staatengemeinschaft so etwas zulassen?
Es gehört jedenfalls schon eine Menge romantischer Ignoranz dazu, die Grausamkeiten und Dissonanzen des Lebens in das Bild eines beseelten Paradiesgartens einzuschmelzen.
In der Verlassenheit des Nebels, ausgeschlossen von dieser Welt, fühlte ich mich alleinsam. Mir war nach Stimmen und so hörte ich Deutsche Welle Radio und die Hitparade der Volksmusik. Echte Folklore eben. Solange bis mir das Knuspermüsli vom Löffel fiel….wer stoppt endlich Florian Silbereisen??
Übrigens, das Boot von gestern kreuzte nochmals unser Kielwasser. Ein japanischer Fischtrawler. Vermutlich auf der Jagd nach Walen. Immer noch sind ihre Fressfeinde der Norweger, Isländer und Japaner. 25.000 Wale verendeten in den vergangenen zwanzig Jahren an den Harpunenhaken von Walfängern, verbluteten mit zerfetzten Organen oder erstickten halb zerschnitten auf den Decks moderner Fabrikschiffe mit geplatzten Lungen.
Wenn ich das vor mir sehe, dann brüllt etwas in mir. 25.000 tote Wale!
Wie kann Gott oder die vernunftbegabte Staatengemeinschaft so etwas zulassen?
Es gehört jedenfalls schon eine Menge romantischer Ignoranz dazu, die Grausamkeiten und Dissonanzen des Lebens in das Bild eines beseelten Paradiesgartens einzuschmelzen.
10.11.2009 08:24:50
135. Seetag - Log: 15675 sm - Trotz teilweiser Windstille beträgt das Etmal immerhin 58sm. Die Transportgesellschaft namens Southern Ocean Current schiebt mit 1,5kn. Da die Konvergenzzone von Nordwest-Australien bis zu unserer Position am Ostrand eines Südindikhochs verläuft, verspricht das Wetter weiterhin Flaute oder schwache, umlaufende Winde. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein Schiff aus einem grauen Vorhang auf. Das erste Schiff seit Kapstadt! Wie hypnotisiert starrte ich auf den Dampfer, versuchte über Funk Kontakt aufzunehmen. Jedoch nur geheimnisvolle Stille, nur das VHF rauschte. Dann verschluckte ihn die Nebelwand Doch wen? Den fliegenden Holländer? Piraten? Wohl kaum. Die Roaring Forties kann man, wie die Strecke Travemünde-Trelleborg, getrost als Piratenfrei betrachten. Allerdings können hier die permanenten Tiefdruckgebiete durchaus mal den Wunsch nach Entführung aufkommen lassen.
Von den bekannten Schäden abgesehen, ist an Bord soweit alles okay. Die angeschlagene Horizons hält sich tapfer. Trinkwasser ist genug vorhanden und gutes Essen von RILA im Überfluss.
Das Schmankerl heute: Kaiserschmarrn mit Pflaumen. Damit Servus an meine österreichischen Freunde: Peter-Wien, Niku- Freytag&Berndt Graz, Ernst Köberl-OESYC, Meinhard Lesniak u. Raimund Hager – Gemeinde Aigen, Klaus Czap u. Georg Buhl -YCA, Herbert-SC Erlauftal, Ferdinand Brandstätter-YC Braunau und besonders an den Mann, der sich aus Österreich so wunderbar für unseren Verein „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar“ einsetzt: Der gute Ali Artner und seine Crew vom Neusiedler See.
Freu mich auf ein Wiedersehen bei Euch!
Von den bekannten Schäden abgesehen, ist an Bord soweit alles okay. Die angeschlagene Horizons hält sich tapfer. Trinkwasser ist genug vorhanden und gutes Essen von RILA im Überfluss.
Das Schmankerl heute: Kaiserschmarrn mit Pflaumen. Damit Servus an meine österreichischen Freunde: Peter-Wien, Niku- Freytag&Berndt Graz, Ernst Köberl-OESYC, Meinhard Lesniak u. Raimund Hager – Gemeinde Aigen, Klaus Czap u. Georg Buhl -YCA, Herbert-SC Erlauftal, Ferdinand Brandstätter-YC Braunau und besonders an den Mann, der sich aus Österreich so wunderbar für unseren Verein „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar“ einsetzt: Der gute Ali Artner und seine Crew vom Neusiedler See.
Freu mich auf ein Wiedersehen bei Euch!
09.11.2009 09:18:36
Ein neuer Tag, ohne Datum. Verborgen zwischen den Seiten meines Tagebuches steht nur: 134. Seetag Flaute in den brüllenden Vierzigern! Der Wind hat sich davon gemacht. Am Tag geriet ich in Seh-Not! Wie ein Leichentuch senkte sich der Nebel über die See. Der Ozean atmet in schwerer Dünung. Zum Greifen nah, aber ohne Gesicht. Eine Schar Albatrosse brach durch den grauen Vorhang, leistete mir kurz Gesellschaft. Hübsch anzusehen, aber nicht sehr gesprächig. Alles an Bord atmet Ruhe und Frieden. Wir trieben durch eine Welt, als gehöre sie nicht zu uns und wir nicht zu ihr. Von Stille betäubt saß ich vor meinem Reisetagebuch, hing am Tropf meiner Erinnerungen, riss die Gedanken auf und versuchte die Ereignisse der letzten Wochen aufzuarbeiten. Wie hypnotisiert starrte ich auf den Kuli, der protokollierend über das Papier lief, als wollte ich meinen eigenen Worten nachlaufen.Die Bilder belebten das Nichts um uns herum. Doch es zogen auch Bilder vorbei, die mir für den Rest meines Lebens zu denken geben könnten, würde ich in ihrem Augenblick länger verweilen.
06.11.2009 09:46:09
131. Seetag – Log: 15296sm - Welcome back!
Zurück in den Roaring forties. Ich spürte es auf der Haut, das Kribbeln, das leichte Vibrieren. Die Härchen stehen wieder Gewehr bei Fuß. Zeit für Abenteuer. Zeit für Schwerwetterklamotten, Pudelmütze und Gummistiefel. Die Gymnastik auf dem Vordeck fiel wg. schlechtem Wetter aus. Gischt flog durch die Luft. Ich wusch mir die Salzkruste aus dem Gesicht und schaute Horizons zu, die wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, durch die Nacht segelte. Unter einem gestirnten Himmel der genügend Raum bot, um Erinnerungen anzukurbeln. Wie zum Beispiel an jene Zeit, als der Sternenhimmel noch ein Medium der Navigation war, unter dem sich die Seefahrer von altem Schrot und Korn mit dem Sextanten an Fixsterne orientierten. Falls sie denn einen freien Himmel hatten und keine Wolken ihre Navigation unsicher machte, worauf wilde Flüche ins All hallten.
Wie bequem dagegen hat es der Seemann der Gegenwart, der mit Satellitenhilfe navigiert und nichts weiter zu tun hatte, als im Anblick des Universums in ein demutsvolles Schweigen zu verfallen.
Wünsch Euch ein schönes Wochenende.
Zurück in den Roaring forties. Ich spürte es auf der Haut, das Kribbeln, das leichte Vibrieren. Die Härchen stehen wieder Gewehr bei Fuß. Zeit für Abenteuer. Zeit für Schwerwetterklamotten, Pudelmütze und Gummistiefel. Die Gymnastik auf dem Vordeck fiel wg. schlechtem Wetter aus. Gischt flog durch die Luft. Ich wusch mir die Salzkruste aus dem Gesicht und schaute Horizons zu, die wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, durch die Nacht segelte. Unter einem gestirnten Himmel der genügend Raum bot, um Erinnerungen anzukurbeln. Wie zum Beispiel an jene Zeit, als der Sternenhimmel noch ein Medium der Navigation war, unter dem sich die Seefahrer von altem Schrot und Korn mit dem Sextanten an Fixsterne orientierten. Falls sie denn einen freien Himmel hatten und keine Wolken ihre Navigation unsicher machte, worauf wilde Flüche ins All hallten.
Wie bequem dagegen hat es der Seemann der Gegenwart, der mit Satellitenhilfe navigiert und nichts weiter zu tun hatte, als im Anblick des Universums in ein demutsvolles Schweigen zu verfallen.
Wünsch Euch ein schönes Wochenende.
05.11.2009 09:40:25
130. Seetag – Log: 15134 sm
Der Wind ist zurück, das Haus steht wieder schief.
Segeln unter einem aufgeräumten Himmel. Wie kleine Inseln im Luftmeer zogen Cumuluswolken am Horizont. Weit entrückt, lautlos und von der Sonne milchweiß beschienen. Ansonsten nichts als Blau. Über uns, unter uns, vor uns. Meile für Meile zieht der Kielsog (s.Foto) eine lange Spur hinter uns her. Den Bug voraus, auf ein neues Ziel weisend und auf den Frieden in meinem Herzen.
„Oue es mi barco mi tresoro, que es mi dios la libertad, mi ley la fuerza y el viento, mi unica patria la mar” (mein Schiff ist mein Schatz, mein Gott ist die Freiheit, mein Gesetz ist die Kraft und der Wind, meine einzige Heimat ist das Meer)
Zu diesen Worten von Jose de Espronceda lauschte ich dem Ächzen im Rigg.
Reffen - Das leise Heulen des Windes schien meinen Gedanken Nachdruck zu verleihen.
Der Wind nimmt zu, was bleibt ist ein begeisterndes Segeln.
Der Wind ist zurück, das Haus steht wieder schief.
Segeln unter einem aufgeräumten Himmel. Wie kleine Inseln im Luftmeer zogen Cumuluswolken am Horizont. Weit entrückt, lautlos und von der Sonne milchweiß beschienen. Ansonsten nichts als Blau. Über uns, unter uns, vor uns. Meile für Meile zieht der Kielsog (s.Foto) eine lange Spur hinter uns her. Den Bug voraus, auf ein neues Ziel weisend und auf den Frieden in meinem Herzen.
„Oue es mi barco mi tresoro, que es mi dios la libertad, mi ley la fuerza y el viento, mi unica patria la mar” (mein Schiff ist mein Schatz, mein Gott ist die Freiheit, mein Gesetz ist die Kraft und der Wind, meine einzige Heimat ist das Meer)
Zu diesen Worten von Jose de Espronceda lauschte ich dem Ächzen im Rigg.
Reffen - Das leise Heulen des Windes schien meinen Gedanken Nachdruck zu verleihen.
Der Wind nimmt zu, was bleibt ist ein begeisterndes Segeln.
04.11.2009 09:43:32
129. Seetag - Der Dunst am Horizont färbte die Sonne ein. Von tiefem Blau umgeben atmete der Wind aus. In seinem Schatten glitten wir in eine totale Flaute. Eine erhabene Ruhe liegt über dem Ozean, das blaue Wasser schläft. Aber es döst nur. Ein Auge geschlossen, wie ein schlummerndes Raubtier. Wenn man der Stille den Atem raubt, beginnt man sich mit den Geräuschen anzufreunden und erinnert sich an seinen Arbeitszettel: Wanten nachspannen, Wasser lenzen, Segel nähen! Getreu dem Motto: Behalte den Überblick und fang mit dem Großartigen an, kletterte ich zunächst zum Check in den Mast. Schreibt sich lässig. Doch die Angst krabbelte mit. In der hohen Dünung holte Horizons mehrmals weit über. Unter mir das Meer, scherte ich einen neuen Schäkel im Topp ein und stand nach einer Ewigkeit wieder auf dem sicheren Boden meines schwankenden Schiffes. Mir war zum Kotzen und ich tat es.
Feierabend. Ich schob ich eine CD in den Player, lag unter einem flimmernden Universum und zu den Klängen von Debussy’s „Le Mer“ im Schlafsack und sah dem Schauspiel des Vollmondes zu. Das war so unbeschreiblich, dass ich es erst gar nicht versuche.
Feierabend. Ich schob ich eine CD in den Player, lag unter einem flimmernden Universum und zu den Klängen von Debussy’s „Le Mer“ im Schlafsack und sah dem Schauspiel des Vollmondes zu. Das war so unbeschreiblich, dass ich es erst gar nicht versuche.
03.11.2009 09:58:54
128. Seetag – Log: 14958 sm - Auch wenn Kap Leewuin passiert ist, so bin ich damit noch nicht im Pazifk. Der Stille Ozean, wie er von Magellan getauft wurde, beginnt erst ab der Südspitze Tasmaniens.
Wie ausgespannt und vom nassen Wind reingefegt lag vor uns die ausgebreitete Landschaft.
Jürgen Kleber, Freund und Wettermann, sagt zur Synoptik: „Hoch mit 1033Hpas, auf 40 S, 100 E, du befindest dich östlich vom Kern. Für morgen 2-3m Welle, kein Niederschlag, aber auch wenig Wind“. So ist es. Treiben. Flaute. Im ruhigen Wetter kann ich ein paar Punkte meiner umfangreichen Reparaturliste abarbeiten oder mal einen Waschtag einlegen.
Dabei atmete ich das Gefühl unterwegs zu sein in ständiger Veränderung und in der Grenzenlosigkeit des Meeres. Mein Fernseher ist der Horizont, die Nachrichten im Radio erinnern mich daran, wie wenig ich an Land verpasse und mein Schädel freut sich darüber, dass ich ihm durch ein Handy keine Quelle aggressiver Strahlung ans Ohr halte.
Geniess das Leben, es könnte dein letztes sein!
Wie ausgespannt und vom nassen Wind reingefegt lag vor uns die ausgebreitete Landschaft.
Jürgen Kleber, Freund und Wettermann, sagt zur Synoptik: „Hoch mit 1033Hpas, auf 40 S, 100 E, du befindest dich östlich vom Kern. Für morgen 2-3m Welle, kein Niederschlag, aber auch wenig Wind“. So ist es. Treiben. Flaute. Im ruhigen Wetter kann ich ein paar Punkte meiner umfangreichen Reparaturliste abarbeiten oder mal einen Waschtag einlegen.
Dabei atmete ich das Gefühl unterwegs zu sein in ständiger Veränderung und in der Grenzenlosigkeit des Meeres. Mein Fernseher ist der Horizont, die Nachrichten im Radio erinnern mich daran, wie wenig ich an Land verpasse und mein Schädel freut sich darüber, dass ich ihm durch ein Handy keine Quelle aggressiver Strahlung ans Ohr halte.
Geniess das Leben, es könnte dein letztes sein!
02.11.2009 09:54:07
127. Seetag – Ruhiges Segeln hoch am Wind im Novembergrau. 2009 neigt sich allmählich dem Ende. Ein Jahr, das bereits vorab so mies geredet wurde, dass man dankbar sein kann, dass es überhaupt begonnen hat.
Zeit für ein paar Zahlen: Deutschland ist die viertreichste Nation der Erde und in Mecklenburg-Vorpommern lebt jedes 4. Kind jenseits der Armutsgrenze!! Wer noch nicht weiß, wie er zum Jahresende sein soziales Gewissen beruhigen kann, dem sei für Spenden unser Verein „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar e.V.“ ans Herz gelegt. Norbert u. Walli Gelhart bereiten gerade wieder die Kinderweihnacht für 60 Kinder auf der Poeler Kogge „Wissemara“ und die Lichterfahrt für sozial benachteilige Kids vor. Die Krieger des Lichts, jene kleinen Anarchisten die wir gemeinhin Kinder nennen, freuen sich über jede Unterstützung. Da unser Verein den Status der Gemeinnützigkeit hat, sind die Spenden gegen Erhalt einer Bescheinigung steuerlich abzugsberechtigt. Mehr Infos zum sozialen Engagement von sail2horizons unter www.lichtamhorizont.de
Foto: Kinder des Lichts auf der SY Horizons bei der Hansesail/Rostock 08
Zeit für ein paar Zahlen: Deutschland ist die viertreichste Nation der Erde und in Mecklenburg-Vorpommern lebt jedes 4. Kind jenseits der Armutsgrenze!! Wer noch nicht weiß, wie er zum Jahresende sein soziales Gewissen beruhigen kann, dem sei für Spenden unser Verein „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar e.V.“ ans Herz gelegt. Norbert u. Walli Gelhart bereiten gerade wieder die Kinderweihnacht für 60 Kinder auf der Poeler Kogge „Wissemara“ und die Lichterfahrt für sozial benachteilige Kids vor. Die Krieger des Lichts, jene kleinen Anarchisten die wir gemeinhin Kinder nennen, freuen sich über jede Unterstützung. Da unser Verein den Status der Gemeinnützigkeit hat, sind die Spenden gegen Erhalt einer Bescheinigung steuerlich abzugsberechtigt. Mehr Infos zum sozialen Engagement von sail2horizons unter www.lichtamhorizont.de
Foto: Kinder des Lichts auf der SY Horizons bei der Hansesail/Rostock 08
31.10.2009 08:55:06
125. Seetag – Log: 14613 sm - Wie aus dem Nichts fiel erneut eine Kaltfront mit Hagelschauern und 35-40kn Wind aus Süden über uns her. Im eiskalten Hauch der Antarktis leckte ich mir die Gischt aus dem Gesicht, klopfte das Salz aus den Klamotten und lächelte! Ein großes Etappenziel ist erreicht, der Meridian vom Kap Leeuwin/Australien gekreuzt. Belohnung: ho, ho… 17 Jahre alter Guyana Rum von Karin u. Axel (Mobotix). Cheers! Auf Euch und die großen Kaps, die nicht nur Teil eines Kontinents, sondern auch markante Punkte der Weltmeere. Und nun? Nein, kein Reparaturstopp in Australien, wie einige bereits munkeln. Ich segel weiter, solange es geht. Kritzelte in die Seekarte ein kleines Kreuz unterhalb der Südspitze von Tasmanien, dem nächsten Wegepunkt und prostete Horizons zu, die im Windzerwühlten Ozean dahin zog. Im Rauschen des Rumpfes, das von einer schnellen Reise erzählte, wanderten meine Gedanken nach Hamburg zur Hanseboot: Liebe Grüße an Kay, Uwe und Werner am Stand von Furuno/TripCon und allen Partnern von sail2horizons. Danke für Eure tolle Arbeit und großartige Unterstützung. In Gedanken an Euch leerte ich die Buddel und kroch in die Koje.
30.10.2009 09:27:48
124. Seetag – Log: 14468 sm - Im „uralten Wehn vom Meer“. Mit dieser blank polierten Metapher von Rainer Maria Rilke segelten wir unter einem frischen West weiter Kurs Südost. Wenn es so weiter läuft, könnte ich morgen die Länge von KapLeewuin /Australien kreuzen. Das Tief ist durch und der Tag verlief ganz nach Rilke. Rückseitenwetter. Klare Sicht, Sonne, schöne Landschaften und ein raumer Wind mit 20Kn. Bordroutine: Klar Schiff gemacht, Wassser gelenzt, frisches Brot gebacken und meiner wissenschaftlichen Handlangertätigkeit nachgekommen. Gruss an die „Kollegen“ vom IOW. Probe geschöpft und Trios-Sensor ins Blau des Indiks gehalten. Daten positiv und gespeichert!
Seit Kapstadt von Schiffen keine Spur und doch ging ein Licht auf. Der Abendstern oder auch die Venus, wie wir seit Keppler wissen. Sie stieg und stieg und ging nach ein paar Stunden wieder unter. Allein unter der himmlischen Geometrie. Von wegen! Es ziepte und lebte. Irgendwo zog eine Walherde, ein paar fliegende Fische verirrten sich an Deck, am Horizont zuckten Wetterleuchten und ich war ein stiller Beobachter von allem.
Seit Kapstadt von Schiffen keine Spur und doch ging ein Licht auf. Der Abendstern oder auch die Venus, wie wir seit Keppler wissen. Sie stieg und stieg und ging nach ein paar Stunden wieder unter. Allein unter der himmlischen Geometrie. Von wegen! Es ziepte und lebte. Irgendwo zog eine Walherde, ein paar fliegende Fische verirrten sich an Deck, am Horizont zuckten Wetterleuchten und ich war ein stiller Beobachter von allem.
29.10.2009 10:47:00
Log: 14328sm - 123. Seetag. Manchmal kommt es mir vor als sei ich letzte Woche gestartet, dann wieder scheint es drei Leben her zu sein. Die vergangene Nacht verlief beim Durchzug einer neuen Kaltfront voller Spannung, während die der Batterien zunehmend nachlässt. Da Generator und Motor ausgefallen sind, bleibt zwar die alternative Energieumwandlung durch Windbagger, Solar und Aquair. Aber da kommt nix rein, weil Regler, Kontakte etc. durch das Querschlagen des Schiffes feucht, nass und korrodiert sind. Putze, trockne, mache. Lenze weiterhin täglich per Hand 60-80ltr Leckagewasser. Bin froh, das die Aries trotz Ruderschadens durch die Kollision das Schiff noch sicher steuert. Das Knarzen im Fundament der Püttinge sensibilisiert mich dermaßen, dass ich zur Sicherheit zwei Fallen vom Masttopp auf die Mittelklampe belegt habe und sehr defensiv segel, um das Rigg zu entlasten. Dazu arbeite ich weiterhin daran, so angemessen wie möglich auf die Situation zu reagieren. Doch die Vorstellung, Herr der Lage zu sein oder bestimmte Geschehnisse steuern zu können, muss über Bord geschmissen werden. Das Chaos regiert alles!
28.10.2009 06:25:15
122. Seetag - Seit gestern sintflutartiger Regen. Dazu Sturmböen und eine pechschwarze Nacht, in der Grübeleien über Sinn und Unsinn einer Reise mit einem havarierten Schiff meinen Schädel fluteten und die Zeit beherrschten. Ich versuchte sie „mundtot“ zu machen, einen Notausgang aus ihrem Tunnel zu finden, indem ich die Segel reffte, trimmte oder im Schein der Navigationslampe mein Reisetagebuch ergänzte. Im Grau eines düsteren Tages weinte am Fenster der Regen, dazu heulte der Wind. Das hohe Surren im Rigg paralysiert, denn die Soundorgie zermürbt jeden Rückzug auf die innere Gelassenheit.
Der Indische Ozean kocht. Weißegrollende Kämme thronen auf einer grauen See. Horizons surft voraus. Ich schaue angespannt zu, denn die hohen Wellen von achtern lassen das Schiff wild gieren. Mitunter erreichte der Wind in Spitzen 50kn. Ich nahm die Segel komplett weg und ließ Horizons platt vorm Mast ablaufen. Das Meer strahlt eine erschreckende Gewalt aus. Eine Kraft, die ich versuche in Ruhe umzusetzen, was nicht immer gelingt. Ich lausche, beobachte. Es sind schon Monate, die ich so dasitze und lausche. Bedeckter Himmel. In mir Leere.
Der Indische Ozean kocht. Weißegrollende Kämme thronen auf einer grauen See. Horizons surft voraus. Ich schaue angespannt zu, denn die hohen Wellen von achtern lassen das Schiff wild gieren. Mitunter erreichte der Wind in Spitzen 50kn. Ich nahm die Segel komplett weg und ließ Horizons platt vorm Mast ablaufen. Das Meer strahlt eine erschreckende Gewalt aus. Eine Kraft, die ich versuche in Ruhe umzusetzen, was nicht immer gelingt. Ich lausche, beobachte. Es sind schon Monate, die ich so dasitze und lausche. Bedeckter Himmel. In mir Leere.
27.10.2009 08:41:44
121. Seetag – Log.:14055sm – Der Wind drehte auf Südost, das Baro sank und der Himmel verschleierte sich zunehmend. Alles in allem grausige Aussichten.
Obwohl ich z.Zt. keine Wetterkarten empfangen kann, ist gut vorstellbar wie die Tiefdruckgebiete entstehen. Über Australien ist die Luft warm, über der Antarktis kalt. Irgendwo müssen die beiden Luftmassen sich treffen, dann entsteht eine Frontlinie, wobei sich die eine Luftmasse über die anderen schiebt. Warme Luft steigt, kalte Luft fällt. Die Front ist gebildet. Es ist verblüffend wie sich dann innerhalb von einem Tag eine tiefe Depression entwickelt. Gräue, Regen, Sturm!
Außen und innen alles nass. Liege sprungbereit mit Schwerwetterkleidung im Salon. Selbst die Stiefel bleiben an meinen Füßen. Mit denen bin ich eh verwachsen, ich schwitze nicht mehr, das Ammoniak gehört zum Ich.
Wer den Blues singen will, muss ihn erleben....
Obwohl ich z.Zt. keine Wetterkarten empfangen kann, ist gut vorstellbar wie die Tiefdruckgebiete entstehen. Über Australien ist die Luft warm, über der Antarktis kalt. Irgendwo müssen die beiden Luftmassen sich treffen, dann entsteht eine Frontlinie, wobei sich die eine Luftmasse über die anderen schiebt. Warme Luft steigt, kalte Luft fällt. Die Front ist gebildet. Es ist verblüffend wie sich dann innerhalb von einem Tag eine tiefe Depression entwickelt. Gräue, Regen, Sturm!
Außen und innen alles nass. Liege sprungbereit mit Schwerwetterkleidung im Salon. Selbst die Stiefel bleiben an meinen Füßen. Mit denen bin ich eh verwachsen, ich schwitze nicht mehr, das Ammoniak gehört zum Ich.
Wer den Blues singen will, muss ihn erleben....
26.10.2009 09:59:57
120. Seetag – Log: 13913 sm - Im Gegensatz zu Euch, hab ich die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt, was alle 2-3 Tage passiert. Entdecke beim Rundumcheck das sich die Kausch der Genua aufgerieben hat, die Schotenden auseinanderfusseln und sich der Bolzen am Vorstag gelockert hat. Wieder ist etwas nicht in Ordnung. Vibrieren, Schamfilen. Auch beim besten Material fällt irgendwann alles auseinander. Zerfall. Wie im Leben.
Eine weissgetupfte Cumulusbewölkung vermittelt einen Hauch von Sommer. Passend dazu das Buch: „Ins Licht“ darin schreibt Andy Cave: „Ein Mensch der sich ernsthaft ein Ziel gesetzt hat, wird es auch erreichen“ Interessant! Möchte dem Autor nur ungern widersprechen, aber das gilt nicht für Segler, zumindest nicht für alle. Nehmen wir nur den Segelfreund Kolumbus. Indien wollte er entdecken, stattdessen landete er mitten in den Bahamas. Seitdem gilt der gute Chris als Entdecker Amerikas, was aber eher an der miserablen PR-Arbeit von Leif Eriksson dem Wikinger lag. Er hatte bereits 500 Jahre vor Kolumbus amerikanischen Boden betreten, doch seine Reisen nicht nachhaltig genug vermarktet.
Eine weissgetupfte Cumulusbewölkung vermittelt einen Hauch von Sommer. Passend dazu das Buch: „Ins Licht“ darin schreibt Andy Cave: „Ein Mensch der sich ernsthaft ein Ziel gesetzt hat, wird es auch erreichen“ Interessant! Möchte dem Autor nur ungern widersprechen, aber das gilt nicht für Segler, zumindest nicht für alle. Nehmen wir nur den Segelfreund Kolumbus. Indien wollte er entdecken, stattdessen landete er mitten in den Bahamas. Seitdem gilt der gute Chris als Entdecker Amerikas, was aber eher an der miserablen PR-Arbeit von Leif Eriksson dem Wikinger lag. Er hatte bereits 500 Jahre vor Kolumbus amerikanischen Boden betreten, doch seine Reisen nicht nachhaltig genug vermarktet.
23.10.2009 09:39:04
117. Seetag - Log: 13460sm - Die Bewölkung wurde eine andere, ein Schleier aus feinem Nieselregen legte sich über uns und meine gerade geordnete Welt in meiner Wohnung mit Meerblick veränderte sich. „Ein Fallen des Barometers von vier Millibar in vier Stunden bedeutet harten Wind“ Das Wetter kam heftig und nach Handbuch des Indischen Ozeans. Mit einem Zischen und Brausen rollte Gewaltiges auf uns zu. Hatte grad noch per Hand 60ltr. Leckage-Wasser aus der Bilge gelenzt und war dabei den letzten Eimer Wasser über die Reeling zu kippen, als die Welle mein Schiff anhob. Ich torkelte, versuchte das Gleichgewicht zu halten und wurde doch mitsamt Eimer nebst Inhalt vom Brecher brutal von einer Seite zur anderen geschleudert. Ich wusste nicht, was mehr nachgab: Die Holzverkleidung der Sitzbank oder meine Knochen! Das nächste Tief kommt, die Meilen nehmen wieder zu!!
Vorschau: So.13h aktueller Livestream von Bord. Dazu auf der Hanseboot in Hamburg um 13h am Stand von Furuno: Live Stream von Bord und Vortrag von Dr. Uwe Lang (Tripcon) und Prof. Dr. Merten über das Projekt Sail2horizons und die Technik an Bord. Der Vortrag am Furuno Stand wiederholt sich alle 2 Tage.
Vorschau: So.13h aktueller Livestream von Bord. Dazu auf der Hanseboot in Hamburg um 13h am Stand von Furuno: Live Stream von Bord und Vortrag von Dr. Uwe Lang (Tripcon) und Prof. Dr. Merten über das Projekt Sail2horizons und die Technik an Bord. Der Vortrag am Furuno Stand wiederholt sich alle 2 Tage.
22.10.2009 10:00:18
Meereslust – Der 116. Seetag verlief zunächst in einer Flaute, dann unter einem blauweißen Himmel, der sich von einem Horizont zum anderen spannt. Darunter ein Schiff unter Segeln, die vom Nirgendwo ins Irgendwo ziehen. Unendliche Weite. Uferlos dahin ziehen. Für mich ein Traum. Nicht das Ankommen zählt, sondern der Weg als Ziel. Ich genoss das Segel-Dolce Vita, lag mit einem Pott heißer Ovalmatine im Cockpit und erinnerte mich wieder daran, wie wenig ich eigentlich unterwegs brauchte und nicht viel. In der Poesie der Sinne wurden belanglose Dinge plötzlich wieder wichtig und bekamen eine ganz andere Bedeutung. Ich zurrte den glücklichen Augenblick fest bis sich die Winkel der Sonnenschrägen verflachten, ganz verschwanden und sich der Himmel zu einem pastellfarbenen Meer verfärbte. Die Lichter des Universums sprangen an. Albatrosse stürzten sich in irrwitzigen Manövern auf Suche nach Beute ins Meer, bis eine kleine weiße Mondsichel auf einer wolkigen See dahin trieb und allen die Schau stahl.
21.10.2009 09:59:20
115. Seetag - Log: 13280sm - Eine Kaltfront brachte am Abend kurzeitig Wind und Regen.
Heute wieder entspanntes Segeln zwischen den Horizonten. Bei dem Trouble der letzten 14 Tage kam ich kaum dazu etwas Vernünftiges zu essen. Nun wo die Tage ruhiger sind, wird Essen wieder zu meiner Lieblingsspeise. Und es ist nicht wie bei Brecht: Zuerst das Fressen, alles andere kann man sich sparen! Meine Speisekammer besteht aus besten Produkten von Rila-Feinkost und Jürgen Langbein’s Feine Küche. Keine Astronautenkost, die zwar vor Proteinen und Kohlenhydrate strotzt, aber eines nicht hat: Geschmack und Seele. Das Spiel beginnt mit der Annäherung der Auswahl im Vorschiff (s.Foto) geht über in das Vorspiel der Zubereitung und gipfelt im Höhepunkt des Genusses. Eine Form von Glück. Passend dazu die Musik: Lakme von Delibes. Eine exotische Mär von Liebe, Intrigen und anderen Ungereimtheiten des Lebens. Sex in Dur und Moll. Erst zartes Vorspiel, das Organ wird angewärmt, dann der Refrain, dann das ganze mit mehr Wumm, die Orchestrierung schwillt, höchste Erregungsstufe, die Lungenflügel weit gespreizt – und am Ende wird geballert mit allem, was im Hause ist.
Heute wieder entspanntes Segeln zwischen den Horizonten. Bei dem Trouble der letzten 14 Tage kam ich kaum dazu etwas Vernünftiges zu essen. Nun wo die Tage ruhiger sind, wird Essen wieder zu meiner Lieblingsspeise. Und es ist nicht wie bei Brecht: Zuerst das Fressen, alles andere kann man sich sparen! Meine Speisekammer besteht aus besten Produkten von Rila-Feinkost und Jürgen Langbein’s Feine Küche. Keine Astronautenkost, die zwar vor Proteinen und Kohlenhydrate strotzt, aber eines nicht hat: Geschmack und Seele. Das Spiel beginnt mit der Annäherung der Auswahl im Vorschiff (s.Foto) geht über in das Vorspiel der Zubereitung und gipfelt im Höhepunkt des Genusses. Eine Form von Glück. Passend dazu die Musik: Lakme von Delibes. Eine exotische Mär von Liebe, Intrigen und anderen Ungereimtheiten des Lebens. Sex in Dur und Moll. Erst zartes Vorspiel, das Organ wird angewärmt, dann der Refrain, dann das ganze mit mehr Wumm, die Orchestrierung schwillt, höchste Erregungsstufe, die Lungenflügel weit gespreizt – und am Ende wird geballert mit allem, was im Hause ist.
20.10.2009 08:49:18
114. Seetag – Log: 13134 sm - Es bläst wieder mit 35kn. Horizons zieht nur mit ausgebaumter Genua unter einem weißgetupftem Himmel durch den Indischen Ozean. Kurs Ost. Noch 1400sm zum nächsten großen Kap der Erde: Dem Kap Leeuwin, an der Südwestküste Australiens. Trotz der wilden Fahrt kehrte Gelassenheit und Bordroutine ein. Da der Seemann nicht vom Boot allein lebt, backte ich ein frisches Brot, kochte das Abendessen vor und schrubbte im Eimer meine salzgetränkte Wäsche. Ein schöner Tag. Umgeben von einer glitzernden See, im Lächeln der Sonne, saß ich an Deck und ruhte mich von Dingen aus, die ohne Zweifel wiederkommen werden. Die Luft ist mild, ich lausche, ich schaue, ich fühle. Im Seelenbad und Augenfreude bekam Ruhe wieder einen neuen Stellenwert. Im Sein des Bewusstseins wurden meine Sinne für Nebensächliches wieder empfänglicher. Ich erfreute mich an einem müden Seevogel, der kurz an Deck landete um mir Gesellschaft zu leisten, während er mir zuschaute wie ich die Wäsche über die Reeling hing. Meeresimpressionen gefällig? Dann schaut mit mir aufs ewige Meer. (siehe Foto)
19.10.2009 07:15:15
113. Seetag – Log: 12981sm „Momente der Liebe“ so hieß der Tee den ich trank und der passte zur Stimmung. Ein Zwischenhoch auf dem Indischen Ozean brachte Sonne. Wärme die gut tat, um Schiff und Mannschaft zu trocknen. Dennoch bekam ich ein flaues Gefühl im Bauch, als ich auf der Weltkarte die noch zu segelnde Strecke sah und die Dinge untereinander schrieb, die nicht mehr funktionierten: Motor, Generator und Autopilot ausgefallen. Kollisionsleckage mit täglich 60-80ltr. in der Bilge, Schaden im Fundament der Püttinge, schwer gehendes Ruder. Bei der Bestandsaufnahe lauschte ich zweier Stimmen: Hör auf, mach einen Reparaturstopp in Australien, sagte die eine. Segel weiter, es ist zu schaffen, konterte die andere. Egal wie es im Moment um sail2horizons steht: Ich habe meine Hoffnung in etwas gesetzt, von dem ich überzeugt bin, das es gelingt und nicht in eine Erwartung investiert, die scheitern könnte. Deshalb gilt zunächst die Parole: Pa’a -Kämpf für dein Ziel!
Denn Erfahrung, im besten Sinne des Wortes, ist das was Du bekommst, wenn Du nicht bekommen hast, was du wolltest!
Denn Erfahrung, im besten Sinne des Wortes, ist das was Du bekommst, wenn Du nicht bekommen hast, was du wolltest!
16.10.2009 08:06:32
110. Seetag – Log: 12666 sm - Same old story.
Der alte bescheuerte Blues. Verwundert klopfte ich an das Glas des Barometers. Fünf Strich innerhalb zwei Stunden abgesackt. Eine Woche in der Hölle wäre mir lieber, als mit einem lecken Schiff im Sturm, murmelte ich und bekam beides: Den Sturm und die Hölle. Keine Konturen mehr im Oben und Unten. Alles war in Auflösung begriffen. Himmel und Meer, Wolken und Horizont. Umgeben von einer Masse Grau schaute ich einer Welt ins Angesicht und spielte Theater, um sie nicht merken zu lassen, was tatsächlich mit mir los war. Aber das Ungeheuer dass deine Angst frisst und sich davon nährt, sieht dich. Es kommt über dich und brennt dich mit seinem feurigem Atem in die Ecke. Niemand, der Dir hilft. Niemand, der dich sieht. Eine Gischt schlägt mir ins Gesicht. Das Schiff holte über. Zu träge um zu reagieren oder etwas murmeln, von fluchen ganz zu schweigen, hielt ich mich an allem fest, was in Reichweite war und spürte wie mich der wegkippende Boden aus dem Cockpit in den Niedergang schleuderte.
Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man auf die Schnauze fällt!
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Der alte bescheuerte Blues. Verwundert klopfte ich an das Glas des Barometers. Fünf Strich innerhalb zwei Stunden abgesackt. Eine Woche in der Hölle wäre mir lieber, als mit einem lecken Schiff im Sturm, murmelte ich und bekam beides: Den Sturm und die Hölle. Keine Konturen mehr im Oben und Unten. Alles war in Auflösung begriffen. Himmel und Meer, Wolken und Horizont. Umgeben von einer Masse Grau schaute ich einer Welt ins Angesicht und spielte Theater, um sie nicht merken zu lassen, was tatsächlich mit mir los war. Aber das Ungeheuer dass deine Angst frisst und sich davon nährt, sieht dich. Es kommt über dich und brennt dich mit seinem feurigem Atem in die Ecke. Niemand, der Dir hilft. Niemand, der dich sieht. Eine Gischt schlägt mir ins Gesicht. Das Schiff holte über. Zu träge um zu reagieren oder etwas murmeln, von fluchen ganz zu schweigen, hielt ich mich an allem fest, was in Reichweite war und spürte wie mich der wegkippende Boden aus dem Cockpit in den Niedergang schleuderte.
Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man auf die Schnauze fällt!
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
15.10.2009 07:52:07
109. Seetag - Sturm! Was sonst in den Roring forties. Bin im Aussendienst. Dazu passend der Ocean-Schwerwetteranzug von www.parasail.de Warm, trocken, super. Danke Alex.
Über Wochen, Tagen und Nächten in solchen Bedingungen unterwegs zu sein macht mürbe. Um sich abzulenken liest man am besten Geschichten, wo es den Protagonisten noch beschissener geht. Zum Beispiel "Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym“ von Edgar Allan Poe. Den düsteren Klassiker vom Meister des Morbiden las ich im Schein der Kopfstirnlampe in einer seltsamen Art von Verlassenheit. Dieser Törn ist extrem.Hab zwar gewusst, dass mach ich nicht mal eben so und hatte auch nicht die Illusion, hier nur die pure Meereslust anzutreffen, aber dass es so hart kommt, hätte ich nie für möglich gehalten. Damit meine ich nicht die Naturgewalten, den Respekt vor der See, sondern die ganzen technischen Probleme. Es gibt an Bord kaum noch etwas was funktioniert. Aufgabe? Daran denk ich nicht. 80 ltr. Wasser in der Bilge, ein schwer gehendes Ruder, Motor und Autopilot defekt, werden mich nicht davon abbringen meinen Weg weiter zu gehen.
Über Wochen, Tagen und Nächten in solchen Bedingungen unterwegs zu sein macht mürbe. Um sich abzulenken liest man am besten Geschichten, wo es den Protagonisten noch beschissener geht. Zum Beispiel "Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym“ von Edgar Allan Poe. Den düsteren Klassiker vom Meister des Morbiden las ich im Schein der Kopfstirnlampe in einer seltsamen Art von Verlassenheit. Dieser Törn ist extrem.Hab zwar gewusst, dass mach ich nicht mal eben so und hatte auch nicht die Illusion, hier nur die pure Meereslust anzutreffen, aber dass es so hart kommt, hätte ich nie für möglich gehalten. Damit meine ich nicht die Naturgewalten, den Respekt vor der See, sondern die ganzen technischen Probleme. Es gibt an Bord kaum noch etwas was funktioniert. Aufgabe? Daran denk ich nicht. 80 ltr. Wasser in der Bilge, ein schwer gehendes Ruder, Motor und Autopilot defekt, werden mich nicht davon abbringen meinen Weg weiter zu gehen.
14.10.2009 06:16:35
108. Seetag – Log: 12356 sm - Der Wasserstand in der Bilge hat sich auf „normal“ eingepegelt: 60ltr. Das Ruder klemmt nach wie vor etwas, die Püttinge an Bb knarzen neuerdings etwas verdächtig und der Wind kachelt immer noch mit 40kn und mehr. Dabei steuert die Windfahne souverän und sicher. Aries und Horizons – die neue Einheit. Das befeuert meine Motivation. Denn völlig apathisch lag ich, immer auf dem Sprung zum Eingreifen, im Cockpit und döste in einem Geflecht aus Hoffnungen. Hauchzart und nicht stark genug die Last der vergangenen Ereignisse zu tragen. Legte eine CD ein, vertraute mich Bach an, begrüßte das Kreuz des Südens und sprach mit den Wolken. Gäbe es an Bord von Horizons wie bei Flugzeugen einen Voice- recorder, hörte man auf diesem ein Stimmengewirr aus Worten, welche die Landschaft meiner Seele beschreiben würden. Spürte eine rasende Sehnsucht nach Nähe, kam mir vor wie in einer Wüste, rissig geworden durch die Kräfte der Gewalten. Hoffnung, schreibt Samuel Johnson „Hoffnung ist eine Art Glück, vielleicht das größte Glück, das diese Welt bereit hat.“
13.10.2009 07:17:58
107. Seetag – Log: 12204 sm
Draussen geht gerade die Sonne auf. Wir haben eine Flaute. Windstärke 8! Es ist erträglich. Schwere Dünung, aber das geht schon. Ist das nun der 5. oder 6. Orkan-Sturmtag? Keine Ahnung. Es fordert dich auf das Äusserste und nimmt dir jedes Zeitgefühl. Gestern Abend in Vorbereitung auf die nächste Front gerade noch klar Schiff auf Horizons gemacht, gefreut davon gekommen zu sein und gleich den nächsten Dämpfer. „Karl“ der Autopilot hat sich verabschiedet. Seit gestern steuert die Aries – Windfahne. Trotzdem blieb ich die ganze Nacht draussen um diese unglaublichen Wellen per Hand auszusteuern. Als ich mich heut morgen mit nassen Klamotten in die nasse Koje legte, schwappte mir ein Schwall eiskaltes Wasser aus der Ritze des Motorraums entgegen. Wassereintritt! Voll bis zu den Luken. 800ltr. Wasser gelenzt - Abgesehen von dem Wasser in der Bilge.
Die finsteren Erlebnisse, das andauernde Pech und der heulende Wind bieten die passende Kulisse und scheinen mich auf etwas noch Schlimmeres einstimmen zu wollen.
Vielleicht war das der letzte Eintrag. Weiß nicht wie die Sache hier heute ausgeht.
Macht es gut Bernt SY Horizons
Draussen geht gerade die Sonne auf. Wir haben eine Flaute. Windstärke 8! Es ist erträglich. Schwere Dünung, aber das geht schon. Ist das nun der 5. oder 6. Orkan-Sturmtag? Keine Ahnung. Es fordert dich auf das Äusserste und nimmt dir jedes Zeitgefühl. Gestern Abend in Vorbereitung auf die nächste Front gerade noch klar Schiff auf Horizons gemacht, gefreut davon gekommen zu sein und gleich den nächsten Dämpfer. „Karl“ der Autopilot hat sich verabschiedet. Seit gestern steuert die Aries – Windfahne. Trotzdem blieb ich die ganze Nacht draussen um diese unglaublichen Wellen per Hand auszusteuern. Als ich mich heut morgen mit nassen Klamotten in die nasse Koje legte, schwappte mir ein Schwall eiskaltes Wasser aus der Ritze des Motorraums entgegen. Wassereintritt! Voll bis zu den Luken. 800ltr. Wasser gelenzt - Abgesehen von dem Wasser in der Bilge.
Die finsteren Erlebnisse, das andauernde Pech und der heulende Wind bieten die passende Kulisse und scheinen mich auf etwas noch Schlimmeres einstimmen zu wollen.
Vielleicht war das der letzte Eintrag. Weiß nicht wie die Sache hier heute ausgeht.
Macht es gut Bernt SY Horizons
12.10.2009 10:19:19
106. Seetag – Log: 12069 sm
Die Nadel des Baro fiel auf den absoluten Tiefstand (s. Foto) Das 2. Sturmtief beschäftigte uns 3 Tage. Die havarierte Horizons hält sich tapfer bei Hagelschauer und Wind zwischen 30-50 Knoten. Die Windex hat es komplett aus dem Masttopp gefetzt. Der Wind ist nicht das Problem, mehr die Wellen mit 8-10m. Wie aus der Zeit der Schöpfung. Wellen, die sich zu mächtigen Kaventsmännern aufbauen. Die See hat einen freien Lauf über Tausende von Meilen. Kein Land bremst sie auf ihren Weg von Ost nach West. Segel Horizons nur mit einem Stück Genua, die eher einem Handtuch ähnelt und einem Stück Großsegel direkt vor den Gewalten. Und doch erwischte uns gestern Nachmittag eine gewaltige See, zog den Mast flach runter bis aufs Wasser. Konnte mich grad noch halten. Anschl. stand der Motorraum, Achterpiek, Batterienbilge komplett unter Wasser. Hab die ganze Nacht und bis in den Morgen gelenzt. Bin fix und fertig.
Das nächste Orkantief rückt an, es wird uns heute Nacht erreichen!
Die Nadel des Baro fiel auf den absoluten Tiefstand (s. Foto) Das 2. Sturmtief beschäftigte uns 3 Tage. Die havarierte Horizons hält sich tapfer bei Hagelschauer und Wind zwischen 30-50 Knoten. Die Windex hat es komplett aus dem Masttopp gefetzt. Der Wind ist nicht das Problem, mehr die Wellen mit 8-10m. Wie aus der Zeit der Schöpfung. Wellen, die sich zu mächtigen Kaventsmännern aufbauen. Die See hat einen freien Lauf über Tausende von Meilen. Kein Land bremst sie auf ihren Weg von Ost nach West. Segel Horizons nur mit einem Stück Genua, die eher einem Handtuch ähnelt und einem Stück Großsegel direkt vor den Gewalten. Und doch erwischte uns gestern Nachmittag eine gewaltige See, zog den Mast flach runter bis aufs Wasser. Konnte mich grad noch halten. Anschl. stand der Motorraum, Achterpiek, Batterienbilge komplett unter Wasser. Hab die ganze Nacht und bis in den Morgen gelenzt. Bin fix und fertig.
Das nächste Orkantief rückt an, es wird uns heute Nacht erreichen!
09.10.2009 06:21:33
103. Seetag Log: 11580sm
Bin im Außendienst.
Wegen Sturm bleibt das Büro vorläufig geschlossen!
Bin im Außendienst.
Wegen Sturm bleibt das Büro vorläufig geschlossen!
08.10.2009 09:29:16
102. Seetag – Log: 11439 sm – Lag mit 4 Lagen Wäsche und Pudelmütze in meiner Koje und hörte Deutsche Welle, schaute auf meinen kaltem Atem und lauschte einer anderen Stimme. Sie flüsterte mir aus meinem Bauch subversive Texte zu „Hör auf. Für dich ist es vorbei“ Nee, nee sag ich und bin doch wieder still, denn der Ablauf der Reise bestätigt den Störenfried in mir Wo ist mein Traum geblieben. Wurde er geklaut? Hatte er ein Verfallsdatum? Ich bestellte einen heißen Grog, fühlte Leere und wurde noch trauriger. An Land zappen wir schnell weg, was uns nicht gefällt. Hier musst du dich stellen.
Beobachte das Barometer, die kleine Nadel entdeckt wieder die Schwerkraft. 990hpa. Tendenz fallend. Das nächste Sturmtief packt uns mit seinen Krallen. Wind 35-40kn. Zunehmend. Das Schlimmste kommt noch. Die hohen Wellen. Segeln in den Roaring Fortys. Regen, diesig, 5 Grad und jede Meile musst du dir 3fach erarbeiten. Aber das soll nicht als Jammern verstanden. Ich wollte das so, bin freiwillig hier und muss es nehmen wie es kommt. Es kommt auch wieder schöner!
Danke für die all die lieben Ratschläge, den Trost, das Mut machen und mehr.
Beobachte das Barometer, die kleine Nadel entdeckt wieder die Schwerkraft. 990hpa. Tendenz fallend. Das nächste Sturmtief packt uns mit seinen Krallen. Wind 35-40kn. Zunehmend. Das Schlimmste kommt noch. Die hohen Wellen. Segeln in den Roaring Fortys. Regen, diesig, 5 Grad und jede Meile musst du dir 3fach erarbeiten. Aber das soll nicht als Jammern verstanden. Ich wollte das so, bin freiwillig hier und muss es nehmen wie es kommt. Es kommt auch wieder schöner!
Danke für die all die lieben Ratschläge, den Trost, das Mut machen und mehr.
07.10.2009 08:59:04
101. Seetag – Ich lebe noch! Der Wind in Spitzen mit 60Kn,10m hohen Wellen und Hagelschauern trieb mich zur subantarktischen Insel Crozet. In Lee einer kleinen Ankerbucht erkenne ich vom Schiff aus, schneebedeckte Steine, brechende Seen, Seelöwen, brütende Albatrosse und eine riesige Kolonie Königspinguine. Kein Baum, nichts. Als Insel der Seligkeit nicht wirklich als Urlaubsort zu empfehlen. Als Basis eines kurzen Glücks taugte es eingeschränkt: Konnte meine Wunden lecken, mich um Horizons kümmern. Batterien und Kabelanschlüsse trocknen. Rigg, Terminals und Püttinge prüfen. Scheint alles okay. Was mir Sorge bereitet ist das klemmende Ruder und die tägliche Ansammlung von 60ltr. Wasser in der Bilge. Vermutlich ein kleiner Riss einer Schweißnaht durch die Kollision!? Heftige Gedanken toben in meinem Innern. Getränkt durch den Cocktail der Verzweifelung spüre ich die Mattigkeit, die rissigen Hände, die schmerzenden Rippen und wie mein Wille langsam schwindet. Betrachte das Meer und es antwortet mir: Du bist der Hölle entronnen. Sei froh davon gekommen zu sein. Bin wieder auf Kurs.
04.10.2009 06:36:32
98. Seetag – Log: 11076sm
Horror! Am Abend sah ich den ersten treibenden Tafel-Eisberg und war bis in die Haarspitzen sensibilisiert. Wache gegangen, Radar mitlaufen lassen. Nach Mitternacht ein unglaublicher Knall und eine Erschütterung, die mich um das Rigg fürchten ließ. Kollision! Vermutlich ein Growler oder Treibgut. Der Mast steht, das Rigg scheint unbeschädigt. Das Ruder scheint was abbekommen zu haben, bewegt sich schwerer. Wenig später Bilgenalarm. Wassereintritt. Batterien unter Wasser. Alle Bodenbretter aufgenommen, Wasser gelenzt, hoffe auf keine Leckage. Alle Batterien und Kabelanschlüsse zum Trocknen ausgebaut. Sende mit einer Notbatterie und melde mich zurück, wenn an Bord wieder alles okay ist. Falls der Wassereintritt bestehen bleibt laufe ich die Kergulen auf 48°S, 69°E an, 840sm. Das Baro im freien Fall, Regenschauer. Der Wind bläst jetzt wieder stark mit 40Kn aus NW, so dass ich in 5 Tagen die Kerguelen erreichen könnte.
Drückt mir die Daumen!
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Horror! Am Abend sah ich den ersten treibenden Tafel-Eisberg und war bis in die Haarspitzen sensibilisiert. Wache gegangen, Radar mitlaufen lassen. Nach Mitternacht ein unglaublicher Knall und eine Erschütterung, die mich um das Rigg fürchten ließ. Kollision! Vermutlich ein Growler oder Treibgut. Der Mast steht, das Rigg scheint unbeschädigt. Das Ruder scheint was abbekommen zu haben, bewegt sich schwerer. Wenig später Bilgenalarm. Wassereintritt. Batterien unter Wasser. Alle Bodenbretter aufgenommen, Wasser gelenzt, hoffe auf keine Leckage. Alle Batterien und Kabelanschlüsse zum Trocknen ausgebaut. Sende mit einer Notbatterie und melde mich zurück, wenn an Bord wieder alles okay ist. Falls der Wassereintritt bestehen bleibt laufe ich die Kergulen auf 48°S, 69°E an, 840sm. Das Baro im freien Fall, Regenschauer. Der Wind bläst jetzt wieder stark mit 40Kn aus NW, so dass ich in 5 Tagen die Kerguelen erreichen könnte.
Drückt mir die Daumen!
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
03.10.2009 09:37:10
97. Seetag - Der Tag verschwand, das Meer schien das Licht zu halten. Sturmnacht. 50Kn Wind, die See hoch bis zur ersten Saling (7m). Hagelschauer. Das Rigg zitterte beim Einstampfen in die See.Gischt flog, auf den Wellenkämmen schäumte weißes Wasser. Bevor Horizons sich überschlug, reffte ich die Segel und blieb die ganze Nacht draußen - bei ihr.
Lange nicht mehr hab ich den Sonnenaufgang so herbei gesehnt. Zwischen dem Herunterfahren des Toasts und dessen gerösteter Auferstehung ein heißer Kaffee und auf DW die Nationalhynme: Feiertag in Deutschland und mein Geburtstag. Freunde haben mir beim Abschied kleine Geschenke für diesen Tag mitgegeben. Ein großes Geschenk jedoch steht über allem: Meine Frau Anita. Danke dafür das Du Horizons gefunden hast, für Deine großartige Hilfe das Projekt sail2horizons mit an den Start zu bringen, für Deine Toleranz mich eine lange Zeit loszulassen, für die Unterstützung in jeder Beziehung, für den Advocatus Diaboli, Mut und Kraftgeben und für die Süßigkeiten. Der Gedanke daran und an Dich, ist in Wahrheit das größte Geschenk.
Lange nicht mehr hab ich den Sonnenaufgang so herbei gesehnt. Zwischen dem Herunterfahren des Toasts und dessen gerösteter Auferstehung ein heißer Kaffee und auf DW die Nationalhynme: Feiertag in Deutschland und mein Geburtstag. Freunde haben mir beim Abschied kleine Geschenke für diesen Tag mitgegeben. Ein großes Geschenk jedoch steht über allem: Meine Frau Anita. Danke dafür das Du Horizons gefunden hast, für Deine großartige Hilfe das Projekt sail2horizons mit an den Start zu bringen, für Deine Toleranz mich eine lange Zeit loszulassen, für die Unterstützung in jeder Beziehung, für den Advocatus Diaboli, Mut und Kraftgeben und für die Süßigkeiten. Der Gedanke daran und an Dich, ist in Wahrheit das größte Geschenk.
02.10.2009 09:27:07
96. Seetag – Log: 10704sm - Vollmond. Alles was man darüber schreibt klingt lasch, abgedroschen und dem Augenblick der Beobachtung nicht würdig. Der Versuch etwas zu beschreiben, was nicht zu beschreiben ist, kann nur in Enttäuschung enden. Etwas am Himmel lenkte mich ab: Wolken krochen heran. Schwere, absichtsvolle Wolken, die nacheinander die Sterne verschlangen und dann auch den Mond. Stunden später sah ich meine Vorahnung bestätigt: Das Barometer fiel. Das nächste Tiefdruckgebiet passiert mich. Die Meilen nehmen wieder zu. Wie ein Seenomade ziehe ich dahin. Meine Heimat ist der gefühlte Ort. Die Zeit hat sich aufgelöst, die Landschaft um mich herum uferlos. Meile für Meile. Tag für Tag. Flüchtige Gedanken an ein fehlendes Gegenüber. Eine zarte Berührung. Ein Gespräch…..Mit dem Schweigen kam das Lächeln. Neben mir ein Flügel, daran ein blonder Enge, grinst mir beim Spielen zu. Ich hatte mich von Diana Krall verabschiedet, ging eine Runde übers Deck und zum Meer. Die Musik ging mir nach.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
01.10.2009 09:31:42
95.Seetag-Gestern abend war ich im Stadion. Champions League. DW brachte Juventus Turin gegen Bayern! O’zapft is! Wer die urtümliche Duftmischung aus Schweiß, Erbrochenem und verdautem Grillhendl liebt, der sollte die letzten Tage in München nicht verpassen. Bei mir klare Luft. Südwind. Die Antarktis schickt mir ihren eiskalten Atem entgegen. Neun Grad zeigt das Thermometer. Und sonst?
Bordalltag: Zum Frühstück selbstgebackenes Brot und dampfender Kaffee. Danach Gymnastik. Ohne Übungen würde man gehunfähig. Mein Hormonhaushalt leidet darunter, dass er nicht mit genügend Dopamin versorgt wird. Deshalb, wenn es das Wetter zulässt, eine Stunde auf den Stepper. Bringt gleichzeitig 8ltr. Trinkwasser. Dann Reparaturen erledigen und Horizons 2 Stunden per Hand segeln. Am Nachmittag lesen, schreiben, segeln bis zum Sonnenuntergang.. Kurz lächelte die Sonne. Gut getrimmt standen die Segel gegen den blauen Himmel. Blau, blauer. Schon vom Hinsehen wirst du Blau. Weiß schäumend zog das Wasser vorbei. Was will man mehr vom Meer, als diesen Traum vom Segeln im Unterwegssein.
Bis gleich im Stream von Bord , um 12h Utc/14h Mez
Bordalltag: Zum Frühstück selbstgebackenes Brot und dampfender Kaffee. Danach Gymnastik. Ohne Übungen würde man gehunfähig. Mein Hormonhaushalt leidet darunter, dass er nicht mit genügend Dopamin versorgt wird. Deshalb, wenn es das Wetter zulässt, eine Stunde auf den Stepper. Bringt gleichzeitig 8ltr. Trinkwasser. Dann Reparaturen erledigen und Horizons 2 Stunden per Hand segeln. Am Nachmittag lesen, schreiben, segeln bis zum Sonnenuntergang.. Kurz lächelte die Sonne. Gut getrimmt standen die Segel gegen den blauen Himmel. Blau, blauer. Schon vom Hinsehen wirst du Blau. Weiß schäumend zog das Wasser vorbei. Was will man mehr vom Meer, als diesen Traum vom Segeln im Unterwegssein.
Bis gleich im Stream von Bord , um 12h Utc/14h Mez
30.09.2009 09:17:22
94. Seetaq Log:10418sm - Als der Morgen noch hinter dem Horizont dämmerte, empfingen mich die brüllenden Vierziger standesgemäß. Die heftige Front mit 35Kn Wind hatte mich, verpennt wie ich noch war, die Segel reffen lassen. Eine gewaltige Welle erbrach sich am Rumpf. Der Southern Ocean klopfte mir eiskalt auf die Schulter und rotzte sein Wasser über das Deck. Fluchend leckte ich am Salz und kroch auf allen Vieren, wie ein begossener Pudel ins Cockpit zurück. Liebe Grüße aus dem Südmeer. Von muss an muss ich die Dinge nehmen wie sie sind, nicht wie ich sie mir vielleicht vorstellen mochte. Denn das hier ist eine neue Spielart von Wirklichkeit. Im Reich der Roaring Fourtys, wo dir nichts versprochen wird, ist nur einer der Herrscher, hat nur einer das Sagen: Das Meer!.
Der Traum ist Wirklichkeit. Wie viel davon übrig bleibt, wird sich noch zeigen.
Hinweis:
Do.14h MEZ Special-Stream aus dem Southern Ocean zur Eröffnung von Gisela und Frank Schadwinkels Restaurant „Seeperle“ in Wismar!
Der Traum ist Wirklichkeit. Wie viel davon übrig bleibt, wird sich noch zeigen.
Hinweis:
Do.14h MEZ Special-Stream aus dem Southern Ocean zur Eröffnung von Gisela und Frank Schadwinkels Restaurant „Seeperle“ in Wismar!
29.09.2009 09:52:32
93.Seetag-Log: 10258sm - Die Nacht kam. Der Tag blieb noch etwas. Weit oben auf dem Gewölbe mächtiger Wolken, deren Schattenrisse am Abendhimmel leuchteten. In ihnen hockten zerzauste Riesen, die mir Gesellschaft leisteten. Sie gaukelten von fernem Zauber und Gedanken von der Grenzenlosigkeit des Segelns im Halbmond. In hitzigen Träumen vernahm ich Menschen und Stimmen. So als wollte eine ganz in sich verborgene Welt ans Licht, zu mir. Dann weckten mich andere Geräusche. Mit uns zogen Wale. Sie sangen und kommunizierten mit ihren Artgenossen, umspielten dabei neugierig Horizons und tauchten im Mondlicht und in einer magischen Spur in die Tiefe einer silbrig glänzenden See. Keine Schiffe. Nichts. Nur Humboldt, der von meinem Bauch rutschte. Ich musste über seine „Cuba-Erzählungen“ eingenickt sein, denn als ich aufwachte war der Mond untergegangen.
Vorschau:
Do. 1.10. 14h MEZ Special-Live Stream aus dem Southern Ocean anlässlich der Eröffnung von Giselas und Frank Schadwinkels Restaurant „Seeperle“ in Wismar!
Vorschau:
Do. 1.10. 14h MEZ Special-Live Stream aus dem Southern Ocean anlässlich der Eröffnung von Giselas und Frank Schadwinkels Restaurant „Seeperle“ in Wismar!
28.09.2009 09:48:29
92.Seetag – Log: 10082 sm - Die letzten 2 Tage brachten Starkwind mit 35Kn, verbunden mit gewaltigen Seen und Etmale von 185sm. Dazu gesellte sich eine Rippenprellung, Regen, Gräue und das erste Tief. Das Tief in mir. Eine Art Schwere packt mich seit Tagen. Ich wollte schlafen, aber es gelang mir nicht. Ich versuchte die Sterne um das Kreuz des Südens zu zählen, aber meine Gedanken kehrten immer wieder zum Cape Hope zurück. Die südlichen Kaps halten dich gefangen, strahlen eine ganz besondere, melancholische Atmosphäre aus. Für jedes Kap ein Becks, doch mir war nicht danach. Dabei könnte ich 2 Buddel öffnen, denn die 10.000 Seemeile liegt im Kielwasser. Das ist fast die Hälfte des Erdumfangs. Die Entfernung mutiert für viele zur Unerreichbarkeit, doch darin liegt für mich die Herausforderung. Schon immer war die offene See Sinnbild für Abenteuer und Aufbruch zu unbekannten Ufern. Auf diesen Wegen löst das Meer Gefühle aus, die ambivalenter nicht sein können: Angst und Freude, Ruhe und Chaos. Demut, Wagnis und Risiko. Abenteuer leben vom Restrisiko. Wer kein Risiko eingeht wird im besten Sinne des Wortes nichts „Erfahren“.
26.09.2009 09:04:28
90. Seetag – Log: 9733 sm - Südafrika lag weit achteraus. Unter dem Kiel von Horizons sackte der Kontinentalsockel auf 3600m ab. Durch den Niedergang wehte die Salzluft eines kräftigen Nordwest mit 35 Knoten und vermischte sich im Zauber neuer Eindrücke. Ich steckte den neuen Kurs auf der Seekarte ab und zog einen scharfen Kringel um die Kerguelen, an der südlichen Packeisgrenze. Dann baumte ich die Genua aus, nahm das Großsegel weg und segelte Horizons vor dem Wind Kurs brüllende Vierziger. Im neuen Ozean wurden wir wieder zu einem winzigen Punkt im ewigen Kreislauf von Himmel und Wellen. In Tagen mit rastlosen Gedanken und Nächten mit Träumen, wie aus den Sternen der Nacht gefunkelt.
Was jetzt folgt, ist eine Geschichte, die sich zwischen Horizons und mir, zwischen mir und dem Himmel abspielt. Die Geschichte einer Liebe, der Sehnsucht nach dem Südpolarmeer und vielleicht mit Bildern, die ich vor Jahren mit Auryn erlebte (Foto Auryn - Antarktis )
Schönes Wochenenende und liebe Grüße Bernt
Was jetzt folgt, ist eine Geschichte, die sich zwischen Horizons und mir, zwischen mir und dem Himmel abspielt. Die Geschichte einer Liebe, der Sehnsucht nach dem Südpolarmeer und vielleicht mit Bildern, die ich vor Jahren mit Auryn erlebte (Foto Auryn - Antarktis )
Schönes Wochenenende und liebe Grüße Bernt
25.09.2009 06:43:24
89. Seetag -Log: 9624sm - Im Schein des Leuchtfeuers vom Cape Agulhas, verließ ich den Südatlantik so wie ich ihn betrat: mit einem blauen Segelschiff. An der Schnittstelle, wo sich zwei Ozeane miteinander vermischen, segeln wir mit ausgebaumter Genua und Groß vor dem Wind im Indischen Ozean. Das nautische Handbuch der Region klingt wie das dumpfe Läuten am Eingang zur Hölle mit Aussicht auf Ewigkeit. Wellenhöhen von zwanzig Meter und die Empfehlung das gefürchtete Seegebiet zu meiden, lese ich. Besonders gefährlich ist der Agulhas Strom, der mit teilweise 5 Knoten Fahrt, nicht nur für Segler, sondern auch für die Berufsschifffahrt Aufmerksamkeit erfordert. Der Strom speist sich aus den nach Süden abfließenden Wassermassen des Indischen Ozeans und prallt dabei direkt auf die vorherrschenden Windsysteme des Südatlantiks. Wind- und Wasserströmung stehen gegeneinander. Heftige Turbulenzen und atypische Wellen entstehen, wie es sie sonst nirgendwo auf den Meeren gibt. Dabei treten gigantische Monsterseen und gewaltige Wellentäler auf, in denen bereits schwere Kriegschiffe und Tanker buchstäblich abstürzten und ihren Weg auf den Grund des Meeres einfach fortsetzten. Liebe Grüße Bernt SY Horizons
24.09.2009 10:08:38
88. Seetag
Wir umsegelten bei sehr schwachen Winden zum 2.Mal das Kap der Guten Hoffnung. (siehe Live Stream u. Foto) Auch wenn wir den Mythos der Seefahrt passiert haben, bedeutet es jedoch nicht, dass wir uns bereits im Indischen Ozean befinden. Erst am Cape Agulhas, das wir nun direkt ansteuern vermischt sich auf 20° östlicher Länge der Südatlantik mit dem Indischen Ozean. Vermutlich nach Mitternacht werde ich Cape Agulhas passieren. Dann beginnt ein neues Kapitel dieser Reise: Kurs Roaring Fourties zur Insel Kerguelen an der südlichen Packeisgrenze und der antarktischen Konvergenzzone.
Wie schon in den letzten Tagen kann ich aus Energieproblemen vielleicht nicht täglich ein Blog senden. Im Getriebeöl des Motors befindet sich über den Kühlkreislauf des Motors Salzwasser, sodass ich weder unter Motor fahren kann, noch die Batterien darüber laden kann.
Liebe Grüsse Bernt SY Horizons
Wir umsegelten bei sehr schwachen Winden zum 2.Mal das Kap der Guten Hoffnung. (siehe Live Stream u. Foto) Auch wenn wir den Mythos der Seefahrt passiert haben, bedeutet es jedoch nicht, dass wir uns bereits im Indischen Ozean befinden. Erst am Cape Agulhas, das wir nun direkt ansteuern vermischt sich auf 20° östlicher Länge der Südatlantik mit dem Indischen Ozean. Vermutlich nach Mitternacht werde ich Cape Agulhas passieren. Dann beginnt ein neues Kapitel dieser Reise: Kurs Roaring Fourties zur Insel Kerguelen an der südlichen Packeisgrenze und der antarktischen Konvergenzzone.
Wie schon in den letzten Tagen kann ich aus Energieproblemen vielleicht nicht täglich ein Blog senden. Im Getriebeöl des Motors befindet sich über den Kühlkreislauf des Motors Salzwasser, sodass ich weder unter Motor fahren kann, noch die Batterien darüber laden kann.
Liebe Grüsse Bernt SY Horizons
23.09.2009 09:43:44
87. Seetag - Endlich wieder Wind, er weht noch zaghaft aus West. Wir segeln entlang der eindrucksvollen Küste der Südspitze Afrikas dem Kap der Guten Hoffnung entgegen. Es zählt wie Kap Hoorn zum Meilenstein der Seefahrtsgeschichte. Sir Francis Drake, legalisierter Pirat im Diensten der englischen Krone, bezeichnete Cape Hope als das schönste und großartigste Kap der Erde. Das mochte sein Kollege Störtebeker vom Kap Arkona in Rügen auch behauptet haben, aber das Kap der Guten Hoffnung ist ein Mythos um Gedanken segeln zu lassen. Mit ihnen trieb ich ab in jene Zeit der Seefahrer, als diese Region zum Wendepunkt der alten und neuen Welt wurde. Der Portugiese Bartholomeu Diaz war 1488 der erste Europäer, der das Kap der Guten Hoffnung umsegelte. Ihm folgte Vasco da Gama, der auf diesem Weg die Gewürzinseln Indiens entdeckte und seinem König durch eroberte Kolonien die halbe Welt zu Füßen legte.
Werde heute gegen 16 MEZ vom Cape Hope einen Live Stream senden.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Werde heute gegen 16 MEZ vom Cape Hope einen Live Stream senden.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
21.09.2009 08:46:27
85. Seetag - Horizons vor dem Tafelberg. Der Satz kann nicht annähernd die Schönheit des Augenblicks beschreiben, denn gerade vom Meer zeigt sich Kapstadt von seiner besten Seite. Die Stadt liegt ausgebreitet vor der steilen Kante des Tablemountain, dessen scharfe Konturen vom Schleier zarter Wolken umspielt werden. Das Bild ist voller Farben, Kontraste und Linien. Aus Räumen und seinen Grenzen. Dem Meister ist es gelungen, am Berg ein Werk zu schaffen, in das noch kein Tourismusstratege eingegriffen hat. Dicke Wolkenwatte legt sich wie ein Tischtuch über den Tafelberg. Es brauchte lange, bis ich dieses Bild verstaut hatte. Vor mir die Stadt, unterm Tafelberg die Flaute. Horizons treibt durch die Bucht in einer glatten See. Ich atmete ihre Stille und blieb, wo ich war, denn unter Motor das Kap der Guten Hoffnung kreuzen: Niemals!!! Also warten auf Wind. Deshalb verschieben wir den Live Stream am Kap der Guten Hoffnung auf morgen Di. um 14h UTC, 16h MEZ
18.09.2009 09:16:16
82. Seetag. In einer der stürmischsten Regionen der Erde atmet der Ozean in Blau. Flaute! Erst morgen wird am Horizont ein dünner Strich auftauchen - Südafrika.Vor der Küste liegt die Gefängnisinsel Robben Island. Nicht besonders erwähnenswert, wenn dort nicht Nelson Mandela 28 Jahre seiner Haft verbüßte und vom berühmtesten Gefangenen der Welt, zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas wurde. Eine Zeitreise:11.2.1990 „Als ich endlich durch das Tor schritt, um auf der anderen Seite ein Auto zu besteigen, hatte ich trotz meiner 71 Jahre das Gefühl, ein neues Leben zu beginnen. Die zehntausend Tage meiner Gefangenschaft waren vorbei“. Der Zeitraum der Einkerkerung Nelson Mandelas spannte sich über die Geschichte eines Vierteljahrhunderts. Vom Mord an Kennedy, zu Armstrongs ersten Schritten auf dem Mond, über den Vietnamkrieg bis hin zum Fall der Berliner Mauer. Man fragt sich, wie dieser Mann die jahrzehntelange Isolation ausgehalten hat, um dann an ihrem Ende der Weltöffentlichkeit gelassen entgegen zu treten und dem Feind von einst Versöhnungsbereitschaft anzubieten? Achtung: Montag,19h,am Kap der Guten Hoffnung ein neuer Live-Stream. Bis dahin – schönes Wochenende!
17.09.2009 09:45:11
81. Seetag – Frage zum gestrigen Blog: Wer bitte ist Ehrenberg? Alain ist Soziologe und das Buch heisst „Frei“. Übrigens, blättert man etwas ausführlicher im Leben der großen Vor-Denker, genauer gesagt in ihren Biografien, muss schon mal die Frage erlaubt sein, ob die alten Säcke als Vorbilder überhaupt was taugen: Schopenhauer vom Ehrgeiz zerfressen, der gute Sigi (Freud) Koks abhängig und Nietsche soll sich beim Vögeln eine fiesen Tripper abgeholt haben. Vermutlich Peitsche, statt Gummi. Gebe mich lieber dem Rausch anderer Sinne hin: Der Meeres-Sinfonie. Der Wind heulte in den Wanten, Schoten knarzen. Die Wellen locker bis zur ersten Saling, der Westwind hatte auf auf 35Kn zugenommen und meine Lady wie im Rausch. Teilweise mit 10Knoten die Hänge runter. Eine querlaufende See erbrach sich ins Cockpit, lief mir erfrischend bis in die Stiefel. In der Nacht steuerte ich mein Schiff einige Stunden per Hand. Unter einem Universum aus Galaxien und Planeten, von denen wir mehr wissen, als von den geheimnisvollen Tiefen der Ozeane. Dann erlosch die Welt. Schon lange hatte ich nicht tiefer geschlafen, wie auf dem Weg unter funkelnden Sternen.
Liebe Grüße, Bernt SY Horizons
Liebe Grüße, Bernt SY Horizons
16.09.2009 10:01:46
80. Seetag Log: 9016 sm – Horizons surft mit einem kräftigen Westwind von achtern auf mächtigen Wellen, während mein Reisebegleiter Alain Ehrenberg schreibt:“Genieß das glückliche Gefühl frei zu sein, nichts entscheiden zu müssen“ Das ist nicht so einfach auf einer solchen Reise. Denn auf dem Schiff sitzt du in einer Falle. Wirklich frei bist du nie. Das ist pure Illusion. Reisen ist nicht Freiheit. Auch nicht Unfreiheit. Es ist beides. Um sich dabei kennenzulernen, benötigt man eine Selbsterfahrung, die uns die heutige Gesellschaft nicht bieten kann, weil sie uns zur Gefügigkeit zwingt. In einer Welt die extrem materialistisch ist, ist es wichtig dass Menschen auf Berge steigen, durch Wüsten ziehen oder über Meere segeln. Abenteuer beginnen im Kopf, mit einer Entscheidung. Gegen das Gewohnte für das Unbekannte. Gegen Routine, für die Neugier. Gegen Sicherheit, für das Wagnis. Was ich als Abenteuerreisender suche, ist nicht die Gefahr. Was ich aber auf meinem Törn über den Horizont hinaus zu finden hoffe, ist das Glück der Grenzüberwindung. Es wird Fragen geben, von deren Existenz ich noch gar nichts weiß. Geschweige denn, dass ich eine Antwort hätte. Darin liegt der Reiz des Abenteuers, auch des Risikos.
15.09.2009 09:36:29
79. Seetag - Am Morgen wachte ich auf und wusste nicht mehr wo ich bin. Es dauerte ein paar Takte, bis Horizons einrastete. Erleichtert atmete ich weiter, beschloss den Morgen zu nutzen und döste bis zum Mittag. Am Abend war von Romantik unter dem Kreuz des Südens keine Spur. Dafür ein Ozean voll von Geschichten, auf denen die Wogen von Leidenschaft und Gewalt hochgingen. Eine Gewitterfront zog über uns hinweg. Ein Blitz erhellte für einen Lidschlag Horizons die schutzlos den Sturmböen ausgeliefert war. Sie zerrten und tobten, als wollten sie uns in die Ewigkeit ziehen. Die schwarze Nacht lag wie ein erstickendes Tuch über uns, Regen peitschte mein Gesicht und für einen kurzen Moment zeriss ein weiterer Blitz die Dunkelheit und tauchte das Meer in ein gleißendes Licht. Wenn man in diesen Bedingungen allein segelt, kann man keinen Handel abschließen. Man muss es durchstehen. Ein Strohhalm bleibt: Ich bete, klammer mich an die Hoffnung und verstehe eindrucksvoll, warum Seefahrer gottesfürchtig sind. Das Foto ist von meiner 1.Weltumseglung, zeigt den Felsen von Kap Hoorn und die Kapelle, in der ich mit Gott sprach.
14.09.2009 09:36:09
78. Seetag, Log: 8690 sm - Auf 34° südlicher Breite den Greenwich Meridian überquert (Foto) Bin zurück auf der östlichen Halbkugel. Als Willkommensgruß zippt die Alarmanlage meiner Schleppangel. Zieh eine Dorade zum Heck und bevor ich sie an Deck habe, reißt sich der Fisch aus dem Köder! Hätte ich ihn bloss mit dem Gaffhaken gepackt. Hätte - Der Feind des Verlierers bleibt der Konjunktiv! Dann steigt „Karl“ aus. So nenn ich meinen Autopiloten. Man muss an technische Dinge emotional rangehen, dann kann man ihnen auch Fehler verzeihen. Er schnurrt wieder. Seit Tagen schaufelt ein starker Westwind grünes Wasser über das Deck und hetzt die Wellen über ein gleichgültig im Mondlicht glitzernden Ozean. Die Nacht erregt phantasievoll die Sinne und verwirrt die Gegenwart mit dem süßen Gift der Träume. Ich bin ein Träumer. Einer von der gefährlichen Sorte, weil er durch Willen Träume in die Wirklichkeit umsetzt. So saß ich da, bestellte beim Steward ein Becks und sah mit verhaltener Neugier meiner Hand zu, wie sie schreibend auf dem matten Weiß eines Blattes, Zeile für Zeile eines neuen Projektes entstehen ließ.
11.09.2009 09:52:12
75. Seetag Log: 8252 sm
Im Sonnenaufgang die Segel gesetzt. Zu Edvard Griegs „Morning Silent“. Jede andere Musik würde glatt versagen. Der Himmel wurde blauer, der Wind nahm zu und mit ihm eine Begeisterung die meine Seele füllte. Je länger ich nun auf dem Südatlantik trieb, umso intensiver fühle ich die Harmonie des Unterwegsseins in Tagen und Nächten, die mich wie große Räume aufnahmen. Unterwegs in einer Welt die nach Salz riecht und der Wind mit den Wellen spielt. Eine Welt, die vor allem eines ist: Weit weg von allem Gewöhnlichen. Wenn man seine Wochen über den Ozean verteilen kann, zerstäubt die Zeit zwischen den Fingern. Verlieren die Tage ihren Namen, begegnet man sich im Spiegel der See und spürt das Glück in Bewegung zu sein. Ich will nicht ankommen im Leben, fühle mich wohl unterwegs. Ganz gleich wie weit der Weg sein mag oder wie hart. Monatelang über Ozeane hinweg. Nur mit dem Wind als Motor und einem Ziel, das sich nicht so sehr als Ort benennen lässt, sondern mit dem Weg dahin.
Schönes Wochenende, schließ das Office und meld mich am Montag wieder. LaK Bernt SY Horizons
Im Sonnenaufgang die Segel gesetzt. Zu Edvard Griegs „Morning Silent“. Jede andere Musik würde glatt versagen. Der Himmel wurde blauer, der Wind nahm zu und mit ihm eine Begeisterung die meine Seele füllte. Je länger ich nun auf dem Südatlantik trieb, umso intensiver fühle ich die Harmonie des Unterwegsseins in Tagen und Nächten, die mich wie große Räume aufnahmen. Unterwegs in einer Welt die nach Salz riecht und der Wind mit den Wellen spielt. Eine Welt, die vor allem eines ist: Weit weg von allem Gewöhnlichen. Wenn man seine Wochen über den Ozean verteilen kann, zerstäubt die Zeit zwischen den Fingern. Verlieren die Tage ihren Namen, begegnet man sich im Spiegel der See und spürt das Glück in Bewegung zu sein. Ich will nicht ankommen im Leben, fühle mich wohl unterwegs. Ganz gleich wie weit der Weg sein mag oder wie hart. Monatelang über Ozeane hinweg. Nur mit dem Wind als Motor und einem Ziel, das sich nicht so sehr als Ort benennen lässt, sondern mit dem Weg dahin.
Schönes Wochenende, schließ das Office und meld mich am Montag wieder. LaK Bernt SY Horizons
10.09.2009 09:38:12
74. Seetag - Flaute. Es herrscht eine tiefe Stille. Kein Jaulen der Wanten, kein Windgeschrei. Keine einzige Vogelstimme, kein Laut mehr. Die Landschaft entlang meiner Meerespromenade atmet eine einzigartige Stimmung und zwingt den Menschen, sich zu verneigen und der Mächtigkeit der Elemente nachzugeben. Ich rede mit den Wolken, mit dem Albatross oder mit Horizons und bin erstaunt dass ich leise spreche, denn die Stimme trägt weit. Nichts stört die beängstigende, wie großartige Einsamkeit und doch spürte ich, wie eine Welle aus Traurigkeit sich in mir hob, weil ich mich mitunter schon einsam fühle. Aber nie vereinsamt. Das würde dich fertig machen. Alleinsamkeit stärkt – dadurch bist du wirklich frei. Freiheit in tiefster und natürlichster Bedeutung. Frei im Angesicht des Schicksals.
Versuchte die trübsinnigen Gedanken zu ignorieren und stieg auf den Stepper (Foto) 1 Std. getreten, 8 Liter Wasser gewonnen, die bei der Dusche gleich wieder ausgegeben. Danach hab’ ich mir mal die Zubereitungsstoffe des Salzwassershampoos durchgelesen. Nur das Beste und Gesündeste, kann man auch als Dressing für den Salat nehmen!
Versuchte die trübsinnigen Gedanken zu ignorieren und stieg auf den Stepper (Foto) 1 Std. getreten, 8 Liter Wasser gewonnen, die bei der Dusche gleich wieder ausgegeben. Danach hab’ ich mir mal die Zubereitungsstoffe des Salzwassershampoos durchgelesen. Nur das Beste und Gesündeste, kann man auch als Dressing für den Salat nehmen!
09.09.2009 10:08:51
73. Seetag Log: 8010 sm - Der Wind ist weg und auch die Albatrosse, die mit ihrem Flug den Himmel beseelten, haben uns verlassen. Fast unbemerkt haben sie hinter sich die Tür verschlossen, vermutlich aus Angst, um nicht zurückgerufen zu werden. Dafür hat mich in der Nacht eine innere Stimme ins Cockpit gelockt. 3 Kabellängen (für Landratten: 1 Kbl ca. 180m) passiert uns ein Flugzeugträger. So ungefähr kann man jedenfalls die neue Generation der Containerschiffe bezeichnen. Sitze dick verpackt im Cockpit und starre auf das Ungeheuer. Weil mir hin und wieder ein Lachen (kann mich schlecht selbst kitzeln, mein Gehirn wäre vorgewarnt, sobald sich die Finger den Fußsohlen nähern)) oder ein Gegenüber fehlt, nehme ich per Funk Kontakt mit dem Riesen auf. Frage nach dem Woher (Singapur) und Wohin (Santos), erhalte den aktuellen Wetterbericht und wundere mich, dass er mich dank AIS schon lange auf seinem Schirm hat. Call Sign, MMSI Nr., Kurs, Fahrt. Sämtliche Daten quakt er mir durch die Nacht über Funk entgegen. Bin beeindruckt! Für Segler ist das Furuno-AIS ein wahrer Schutzengel. Gerade dann, wenn man pennt. Denn irgendwann holt sich der Körper das, was er braucht.
08.09.2009 09:46:40
72. Seetag – Log: 7885sm - Rock'n Roll & Soul
Mit der Sturheit eines Fließbandes wirft der Südatlantik eine Welle nach der anderen aus. Nach den grip-files (Wetterkarten über pactor-sailmail) haben die Wellen eine Höhe von 5-6m. Ich hab’s mir abgewöhnt die Wellen zu schätzen. Man neigt zur Übertreibung. Horizons segelt hoch am Wind. Mit einem lauten Knall bricht in der Nacht ein Harken Rutscher aus der Genuaschiene. Der erste, wenn auch namhafte Schaden. Als wenn Thor mit dem Hammer gegen die Bordwand donnert, erschüttern die harten Schläge das Schiff. Darin sind es wahre Zirkusnummern von Balance: Auf dem Eimer, beim Kochen oder in der Pantry. Alles was ich in der Hand hatte, ob Kaffee, Suppe oder meine geliebte Grütze, ist mit mir, mindest einmal quer durch den Salon geflogen. Starkwind, Regenschauer, Kälte und weit und breit kein Schamane, der mit den Göttern um besseres Wetter verhandelt. Nirgends ist man den Elementen so nah wie auf einem Boot. Wasser und Luft, nie gleichförmig, nie sich wiederholend. Die Auseinandersetzung mit diesem immer neuen Naturschauspiel mit unvorsehbaren Herausforderungen in atemberaubender Schönheit hält die Sinne wach.
„Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit“ sagt Thomas Mann , und ich wünsch Euch einen schönen Tag. Bernt SY Horizons
Mit der Sturheit eines Fließbandes wirft der Südatlantik eine Welle nach der anderen aus. Nach den grip-files (Wetterkarten über pactor-sailmail) haben die Wellen eine Höhe von 5-6m. Ich hab’s mir abgewöhnt die Wellen zu schätzen. Man neigt zur Übertreibung. Horizons segelt hoch am Wind. Mit einem lauten Knall bricht in der Nacht ein Harken Rutscher aus der Genuaschiene. Der erste, wenn auch namhafte Schaden. Als wenn Thor mit dem Hammer gegen die Bordwand donnert, erschüttern die harten Schläge das Schiff. Darin sind es wahre Zirkusnummern von Balance: Auf dem Eimer, beim Kochen oder in der Pantry. Alles was ich in der Hand hatte, ob Kaffee, Suppe oder meine geliebte Grütze, ist mit mir, mindest einmal quer durch den Salon geflogen. Starkwind, Regenschauer, Kälte und weit und breit kein Schamane, der mit den Göttern um besseres Wetter verhandelt. Nirgends ist man den Elementen so nah wie auf einem Boot. Wasser und Luft, nie gleichförmig, nie sich wiederholend. Die Auseinandersetzung mit diesem immer neuen Naturschauspiel mit unvorsehbaren Herausforderungen in atemberaubender Schönheit hält die Sinne wach.
„Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit“ sagt Thomas Mann , und ich wünsch Euch einen schönen Tag. Bernt SY Horizons
07.09.2009 06:56:52
71. Seetag – 12° und 2 Sturmtage! Die Wolkendecke hatte sich zu einer grauen Masse verdichtet. Aus ihr hingen drohende Fransen wie Korkenzieher. Der Wind drehte zaghaft und legte dann stürmisch zu. Die Nadel des Windanzeigers sprang auf 40Kn. Die See wühlte sich auf. Welle um Welle ergoss sich über Horizons und in Windgepeitschter Gräue verschwamm die Umgebung hinter Vorhängen aus Wasser. Die Wolkendecke hing auf dem Meer, der Tag wurde nicht mehr hell und sank erschöpft in Nächte, in denen ich keinen Schlaf fand. Angespannt saß ich im Cockpit. Immer auf dem Sprung den Autopiloten auszuschalten, um die gewaltigen, teilweise konfus brechenden Wellen per Hand auszusteuern. Horizons segelte mit einem Hauch von Genua und den Rest eines Stofffetzens, den man mit viel Phantasie und Liebe zur See, als Großsegel bezeichnen konnte. Am dunklen Himmel glitzerten hin und wieder eine Hand voll Sterne wie Nadelstiche in einem schwarzen Tuch. Ein eigenartiger friedlicher Anblick, in einem Kunstwerk aus Spannung und Dramatik, im ständigen Wechsel aus Angst und Hoffnung. Ich ließ die Gefühle bei den Sternen und kroch in die Koje.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
04.09.2009 07:59:18
68. Seetag Log: 7325 sm
Endlich ist er da, ein frischer Nordwind. Auch ins Thermometer ist Bewegung gekommen, durchgesackt auf angenehme 22°. Die Kleiderordnung an Bord und das Bild der Landschaft haben sich verändert. Horizons rauscht unter Groß und Genua Kurs 140°. Zum ersten Mal liegt das Kap der Guten Hoffnung direkt an: 2000 sm to go. Das Wasser aufgewühlt, der Himmel überzogen mit mächtigen Wolkenbergen und ausgefransten Schauerböen. Wind!
Wie weg geblasen die Trübsinnigkeit der Flauten, der Schimmel auf der Seele. Raum und Zeit haben sich aufgelöst. Adrenalin schießt durchs Blut und mein ganzes Sein ist durchflutet vom Rhythmus der See, vom Atmen der Unendlichkeit. Meine Augen können sich nicht satt sehn am ewigen Meer und die Lunge jauchst nach sattreiner Luft. Wie die Wolken am Himmel, fließen die Gedanken - und der höchste Ausdruck der Gedanken ist die Freude. Ich freu mich wieder zwischen Himmel und Horizont unterwegs zu sein. Achteraus vermischt sich die Spur meines Schiffes mit dem Sternenmeer und tief in mir, packt mich ein innerlicher Frieden. Jetzt zählt wieder der Weg. Nicht nur bis zum Ende der Welt, sondern darüber hinaus.
Schönes Wochenende und bis Montag
Bernt SY Horizons
Endlich ist er da, ein frischer Nordwind. Auch ins Thermometer ist Bewegung gekommen, durchgesackt auf angenehme 22°. Die Kleiderordnung an Bord und das Bild der Landschaft haben sich verändert. Horizons rauscht unter Groß und Genua Kurs 140°. Zum ersten Mal liegt das Kap der Guten Hoffnung direkt an: 2000 sm to go. Das Wasser aufgewühlt, der Himmel überzogen mit mächtigen Wolkenbergen und ausgefransten Schauerböen. Wind!
Wie weg geblasen die Trübsinnigkeit der Flauten, der Schimmel auf der Seele. Raum und Zeit haben sich aufgelöst. Adrenalin schießt durchs Blut und mein ganzes Sein ist durchflutet vom Rhythmus der See, vom Atmen der Unendlichkeit. Meine Augen können sich nicht satt sehn am ewigen Meer und die Lunge jauchst nach sattreiner Luft. Wie die Wolken am Himmel, fließen die Gedanken - und der höchste Ausdruck der Gedanken ist die Freude. Ich freu mich wieder zwischen Himmel und Horizont unterwegs zu sein. Achteraus vermischt sich die Spur meines Schiffes mit dem Sternenmeer und tief in mir, packt mich ein innerlicher Frieden. Jetzt zählt wieder der Weg. Nicht nur bis zum Ende der Welt, sondern darüber hinaus.
Schönes Wochenende und bis Montag
Bernt SY Horizons
03.09.2009 09:47:38
67. Seetag Log: 7230 sm
Die See ist ruhig, der Wind weiterhin schwach. Horizons zieht unter voller Besegelung mit ausgebaumter Genua ihre Spur durch den Südatlantik.Das Wasser entlang der Bordwand singt einen einzigen, gleichbleibenden Ton. Abwechslung brachte das Freiheitssymbol der Seefahrer: Auf 30°S zum ersten Mal einen Albatross entdeckt. „Hey was machst Du denn hier“ schien er mir zu sagen und zog mit eleganten Schwingen über das Meer. Sanft weht ein Nordwest. Im Süden verhält sich der Wind entgegen der nordatlantischen Zirkulation. In einem Tiefdruckgebiet auf der nördlichen Halbkugel dreht der Wind im Uhrzeigersinn, in der südlichen Hemisphäre passiert genau das Gegenteil.
Auf der Südhalbkugel verabschiedet sich grade der Winter, es wird Frühling. Vielleicht hab ich auch deshalb heute mein Haus am Meer in einem Anfall von Putzfimmel auf Vordermann gebracht. Anschließend Brot gebacken und das Abendessen vorbereitet: Fisch ist mein Gemüse! Im Vorgarten 12 fliegende Fische entdeckt. Die springen mir geradezu in die Pfanne. Sind lecker, schmecken wie Sardinen, nur die Gräten sind weicher.
Frag mich allerdings: Wie der Kleine (siehe Kreis im Foto) über die Bordwand gekommen ist?
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
Die See ist ruhig, der Wind weiterhin schwach. Horizons zieht unter voller Besegelung mit ausgebaumter Genua ihre Spur durch den Südatlantik.Das Wasser entlang der Bordwand singt einen einzigen, gleichbleibenden Ton. Abwechslung brachte das Freiheitssymbol der Seefahrer: Auf 30°S zum ersten Mal einen Albatross entdeckt. „Hey was machst Du denn hier“ schien er mir zu sagen und zog mit eleganten Schwingen über das Meer. Sanft weht ein Nordwest. Im Süden verhält sich der Wind entgegen der nordatlantischen Zirkulation. In einem Tiefdruckgebiet auf der nördlichen Halbkugel dreht der Wind im Uhrzeigersinn, in der südlichen Hemisphäre passiert genau das Gegenteil.
Auf der Südhalbkugel verabschiedet sich grade der Winter, es wird Frühling. Vielleicht hab ich auch deshalb heute mein Haus am Meer in einem Anfall von Putzfimmel auf Vordermann gebracht. Anschließend Brot gebacken und das Abendessen vorbereitet: Fisch ist mein Gemüse! Im Vorgarten 12 fliegende Fische entdeckt. Die springen mir geradezu in die Pfanne. Sind lecker, schmecken wie Sardinen, nur die Gräten sind weicher.
Frag mich allerdings: Wie der Kleine (siehe Kreis im Foto) über die Bordwand gekommen ist?
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
02.09.2009 10:19:10
66. Seetag - Wind weiter schwach. Schwankt zwischen 0-8Kn. Also weiter an Hesse (s.Blog gestern) erinnern oder auch an Freund Jürgen: Fachanwalt für Ritter-Sport Schokolade, Pilot und Fitnesscoach. Er mahnt: Stretchen, Fitness erhalten usw. Und ich? Den Stepper, über den ich meine Beinmuskulatur erhalten möchte hab ich bereits ausgekramt und in Position gebracht. Auch der Plan meiner Fitnessübungen (Foto) hängt gut sichtbar im Salon. Mehr is im Moment nicht drin.. Entweder steht mein Haus schief, die Hitze macht mich lazy oder mein Hormonhaushalt schreit noch nicht laut genug nach Dopamin. Vielleicht liegts auch am Essen! „Es ist doch scheissegal, was man isst. Hauptsache, es ist immer dasselbe“ Dieser Anleitung zur Tristesse des Philosophen Wittgenstein sei energisch widersprochen, denn die RIlA-Feinkostabteilung bei mir an Bord bietet hochwertiges Futter und genügend Abwechslung: Das Abendessen in südlichen Breiten norddeutsch: Büsumer Krabbensuppe. Nachtisch: Grüne Grütze mit Vanillesauce. Liebe Grüße Bernt
Ps. Morgen am Do. erscheint die YACHT. 8-Seiten Artikel von mir über den 1.Törnabschnitt.
Ps. Morgen am Do. erscheint die YACHT. 8-Seiten Artikel von mir über den 1.Törnabschnitt.
01.09.2009 09:56:09
66. Seetag Log: 7014 sm
Gestern Nachmittag herrschte wieder Flaute. Kein Wind, nur Treiben.
Das Meer lag in gleißender Helligkeit, spiegelte sich silbern und das mir mittlerweile vertraute Schweigen umgab mich wieder. Ein Vakuum aus Zeit und Raum. Darin wird das Leben zur Reflexion. Das Erlebte von Flauten und Stürmen setzen sich wie ein Sediment in dir ab und bilden Schichten unterschiedlicher Erfahrungen. In Stürmen ist man aktiv, in Bewegung. Flauten jedoch lähmen. Man muss entbehren und mit viel Zeit umgehen können. Sich selbst motivieren, stimulieren und seine Zeit sinnvoll füllen. Das ist die Herausforderung, so wie sich in Geduld zu üben.
„Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in
der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.
H. Hesse
Danke Hermann, danke Neptun, danke lieber Gott – der Wind ist zurück. Bin auf Kurs Tristan de Cunha.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Gestern Nachmittag herrschte wieder Flaute. Kein Wind, nur Treiben.
Das Meer lag in gleißender Helligkeit, spiegelte sich silbern und das mir mittlerweile vertraute Schweigen umgab mich wieder. Ein Vakuum aus Zeit und Raum. Darin wird das Leben zur Reflexion. Das Erlebte von Flauten und Stürmen setzen sich wie ein Sediment in dir ab und bilden Schichten unterschiedlicher Erfahrungen. In Stürmen ist man aktiv, in Bewegung. Flauten jedoch lähmen. Man muss entbehren und mit viel Zeit umgehen können. Sich selbst motivieren, stimulieren und seine Zeit sinnvoll füllen. Das ist die Herausforderung, so wie sich in Geduld zu üben.
„Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in
der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.
H. Hesse
Danke Hermann, danke Neptun, danke lieber Gott – der Wind ist zurück. Bin auf Kurs Tristan de Cunha.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
31.08.2009 10:06:59
65. Seetag Log: 6912 sm Das Wochenende verging in Leichtigkeit. Auch weil der Wind zurück war und wir einige Meilen Richtung Süden voran kamen. Samstag Nachmittag dann Nachrichten aus einem anderen Universum: Die Bundesliga-Live Konferenz auf der Deutschen Welle! Das hat was, mitten auf dem Südatlantik. Am Sonntag abermals meiner wissenschaftlichen „Handlangertätigkeit nachgegangen. Gerade zwischen den Kontinenten sind die Staubeinträge für das IOW sehr interessant, denn trotz ihrer scheinbaren Leblosigkeit wirkt die Sahara in verschiedener Weise belebend auf unserem Planeten. Millionen Tonnen feinster Staubpartikel aus der Sahara werden jährlich mit den Passatwinden über den Atlantik bis nach Südamerika geblasen. Der an Mineralien reiche Staub legt sich im Atlantik ab, wo er das Plankton nährt, das an Beginn der ozeanischen Nahrungskette steht. In dem Zusammenhang noch eine nette Nachricht: Auf der "Baltic Sea Science Conference" 2009 in Tallinn, Estland, wurde Sail & Research, die wissenschaftliche Komponente von sail2horizons, völlig überraschend als "aussergewöhnlichstes überregionales Projekt" ausgezeichnet. Siehe http://sar.io-warnemuende.de Liebe Grüße Bernt SY Horizons
28.08.2009 09:34:58
62. Seetag Log: 6567 sm
Liebe Grüße vom Wendekreis des Steinbocks auf Pos. 23°Süd. Jenen Punkt den die Sonne am 22.12. eines jeden Jahres erreicht, wodurch es am nördlichen Polarkreis nicht mehr hell wird und in der Antarktis Mitternachtssonne herrscht.
Obwohl er für mich nicht wirklich stattgefunden hat, ist zwischen dem 23. und 28. Breitengrad Schluss mit dem Südostpassat. Es beginnt der sogenannte Kalmengürtel, der allmähliche Übergang zur Westwindzone. Zu früheren Seefahrerzeiten nannte man die Kalmen auch Rossbreiten. Denn oftmals trieb man solange in dieser Region, bis es für die Pferde an Bord kein Wasser mehr gab und sie einfach über Bord geschmissen wurden.
Auch ich sprang bei Windstille ins Wasser! Bewaffnet mit Taucherbrille und Spachtel bin ich den Muscheln am Wasserpass auf den Pelz gerückt. Danach schwamm ich ein paar Runden um Horizons. Der Pool um mich herum gefüllt mit Blau. Oben blau und unten blau. So groß und leer, dass ich rückenschwimmend nicht darauf achten musste, dass mein Kopf irgendwo am Beckenrand anschlägt.
Schönes Wochenende. Mach das Büro dicht und meld’ mich Montag wieder
Bernt SY Horizons
Liebe Grüße vom Wendekreis des Steinbocks auf Pos. 23°Süd. Jenen Punkt den die Sonne am 22.12. eines jeden Jahres erreicht, wodurch es am nördlichen Polarkreis nicht mehr hell wird und in der Antarktis Mitternachtssonne herrscht.
Obwohl er für mich nicht wirklich stattgefunden hat, ist zwischen dem 23. und 28. Breitengrad Schluss mit dem Südostpassat. Es beginnt der sogenannte Kalmengürtel, der allmähliche Übergang zur Westwindzone. Zu früheren Seefahrerzeiten nannte man die Kalmen auch Rossbreiten. Denn oftmals trieb man solange in dieser Region, bis es für die Pferde an Bord kein Wasser mehr gab und sie einfach über Bord geschmissen wurden.
Auch ich sprang bei Windstille ins Wasser! Bewaffnet mit Taucherbrille und Spachtel bin ich den Muscheln am Wasserpass auf den Pelz gerückt. Danach schwamm ich ein paar Runden um Horizons. Der Pool um mich herum gefüllt mit Blau. Oben blau und unten blau. So groß und leer, dass ich rückenschwimmend nicht darauf achten musste, dass mein Kopf irgendwo am Beckenrand anschlägt.
Schönes Wochenende. Mach das Büro dicht und meld’ mich Montag wieder
Bernt SY Horizons
27.08.2009 10:04:32
61. Seetag Log: 6467sm - Illusion. Erst glaubte ich das Licht eines Schiffes zu sehen, dann war’s doch nur die Venus die den Morgen ankündigte. Und der hatte es in sich: Zum selbstgebackenem Brot, das letzte Ei! Dabei dehnt sich die Schleppangel! Eine kapitale Dorade (1m) hängt dran, kämpft, katapultiert sich aus dem Wasser. Kurz sah ich eine Flosse vermutlich ein Hai. Der Zug der Sehne lässt nach, die Dorade mitsamt der Schleppangel ist weg!! So ist das in der Nahrungskette: Der Grosse frisst den Kleinen. Foto: neuer Fischköder.
Bin zwar auf der anderen Seite der Welt, aber in Freudentaumel bin ich deshalb noch nicht ausgebrochen, weil der Wind mir weiterhin schwer zu schaffen macht: Passate, les ich in Meyers Enzyklopädisches Lexikon: Sehr beständige Winde, die auf beiden Erdhalbkugeln das ganze Jahr hindurch von den Hochdruckgürteln der Subtropen zum Äquator gerichtet sind, infolge der Erdrotation auf der Südhalbkugel als Südostpassat wehen. Die P. sind trockene, niederschlagsfeindl. Luftströmungen usw. Jo, das schreibt sich so locker dahin, aber die Wirklichkeit ist es viel komplizierter: Kein Wind , Regen. In der Nacht Durchzug eines Gewitters, Starkwind aus Südwest. Nach der Front wieder Flaute. So geht das seit Tagen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Bin zwar auf der anderen Seite der Welt, aber in Freudentaumel bin ich deshalb noch nicht ausgebrochen, weil der Wind mir weiterhin schwer zu schaffen macht: Passate, les ich in Meyers Enzyklopädisches Lexikon: Sehr beständige Winde, die auf beiden Erdhalbkugeln das ganze Jahr hindurch von den Hochdruckgürteln der Subtropen zum Äquator gerichtet sind, infolge der Erdrotation auf der Südhalbkugel als Südostpassat wehen. Die P. sind trockene, niederschlagsfeindl. Luftströmungen usw. Jo, das schreibt sich so locker dahin, aber die Wirklichkeit ist es viel komplizierter: Kein Wind , Regen. In der Nacht Durchzug eines Gewitters, Starkwind aus Südwest. Nach der Front wieder Flaute. So geht das seit Tagen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
26.08.2009 09:47:01
60. Seetag – Nachts kreuzt ein moderner Plattenbau unseren Kurs. Auch bei den Kreuzfahrtschiffen ist die Ästhetik schöner Bootsbaukunst schon lange vorbei. Im Bordkino läuft vermutlich Pirates of Caribean und in der Bar stehen die Schönen, in Goldsandalen in Kombination mit guter Laune. Denn der Dampfer ist auf Kurs Rio de Janeiro
„Die Schönheit dieser Stadt, dieser Landschaft lässt sich wirklich kaum wiedergeben. Sie versagt sich dem Wort, der Fotografien, weil sie zu vielfältig, zu unerschöpflich ist. Selbst ein Maler der Rio in seiner Gänze darstellen wollte mit all seinen tausend Farben und Szenen käme in einem einzigen Leben nicht zu Ende“ Stefan Zweig, Brasilien (1941)
Mit AURYN entlang der weltberühmten Skyline von Rio zu segeln, gehörte zu den eindrucksvollsten Momenten auf meiner 1.Weltumseglung. Vor grün behangenen Bergen blättert sich Rio wie ein Fächer auf. Ipanema, Botafogo, Flamengo. Darüber der Corcovado. Darunter die Copacabana, der Mythos eines Traumstrandes. Rio ist auch eine vertikale Masse aus hohen Glaspalästen, Wolkenkratzern und protzigen Kolonialbauten. Ein szenischer Entwurf den man erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Zusammen gefasst: Ein überwältigender Anblick, den mir keine andere Grosstadt bot, die ich von See aus ansteuerte.
„Die Schönheit dieser Stadt, dieser Landschaft lässt sich wirklich kaum wiedergeben. Sie versagt sich dem Wort, der Fotografien, weil sie zu vielfältig, zu unerschöpflich ist. Selbst ein Maler der Rio in seiner Gänze darstellen wollte mit all seinen tausend Farben und Szenen käme in einem einzigen Leben nicht zu Ende“ Stefan Zweig, Brasilien (1941)
Mit AURYN entlang der weltberühmten Skyline von Rio zu segeln, gehörte zu den eindrucksvollsten Momenten auf meiner 1.Weltumseglung. Vor grün behangenen Bergen blättert sich Rio wie ein Fächer auf. Ipanema, Botafogo, Flamengo. Darüber der Corcovado. Darunter die Copacabana, der Mythos eines Traumstrandes. Rio ist auch eine vertikale Masse aus hohen Glaspalästen, Wolkenkratzern und protzigen Kolonialbauten. Ein szenischer Entwurf den man erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Zusammen gefasst: Ein überwältigender Anblick, den mir keine andere Grosstadt bot, die ich von See aus ansteuerte.
25.08.2009 09:57:28
59. Seetag - Log: 6230 Sm
Tropisches Blau wellt sich über den Ozean, wechselt sich ab mit grauschweren Regenschauern. Darin lauern Squalls, die mit 30Knoten Attacken über uns herfallen. Angespanntes Auf-der-Hut- sein und ständiges Arbeiten mit den Segeln. Kommen die Squalls fällt der Wind vorlicher ein. Kursänderung. Reffen. Der Wind kann sich einfach nicht entscheiden. Mal frischt er auf, dann schwächelt er dermaßen, dass Horizons wie eine müde Ente über den Dorfteich schippert. Pechschwarz die Nacht. Geschlossene Wolkendecke. Regenschauer, kein Mond, keine Sterne. In solchen Momenten nagt die Alleinsamkeit. Doch so ganz allein war ich nicht. Das Prusten von Walen hat mich aus den Gedanken geschreckt. Dann hörte ich ihre Songlines. Jede Note könnte eine Silbe sein, ein Wort oder ein ganzer Satz. Sie kommunizieren über hunderte von Meilen. Aus den Mäandern ihres Singsangs bestimmen sie ihre Pfade durch die Einöden der Ozeane. Finden ihre heimatlichen Orte oder jene Plätze, wo sie ihren Nachwuchs zur Welt bringen, so zuverlässig, als hätten sie im Kleinhirn Google Earth oder ein Navi-System.
Kommt gut durch die Woche und immer sicher an Bernt SY Horizons
Tropisches Blau wellt sich über den Ozean, wechselt sich ab mit grauschweren Regenschauern. Darin lauern Squalls, die mit 30Knoten Attacken über uns herfallen. Angespanntes Auf-der-Hut- sein und ständiges Arbeiten mit den Segeln. Kommen die Squalls fällt der Wind vorlicher ein. Kursänderung. Reffen. Der Wind kann sich einfach nicht entscheiden. Mal frischt er auf, dann schwächelt er dermaßen, dass Horizons wie eine müde Ente über den Dorfteich schippert. Pechschwarz die Nacht. Geschlossene Wolkendecke. Regenschauer, kein Mond, keine Sterne. In solchen Momenten nagt die Alleinsamkeit. Doch so ganz allein war ich nicht. Das Prusten von Walen hat mich aus den Gedanken geschreckt. Dann hörte ich ihre Songlines. Jede Note könnte eine Silbe sein, ein Wort oder ein ganzer Satz. Sie kommunizieren über hunderte von Meilen. Aus den Mäandern ihres Singsangs bestimmen sie ihre Pfade durch die Einöden der Ozeane. Finden ihre heimatlichen Orte oder jene Plätze, wo sie ihren Nachwuchs zur Welt bringen, so zuverlässig, als hätten sie im Kleinhirn Google Earth oder ein Navi-System.
Kommt gut durch die Woche und immer sicher an Bernt SY Horizons
24.08.2009 09:45:10
58. Seetag Log: 6093 sm
Auf Grund einiger technischer Probleme war es nicht möglich in den letzten Tagen die Logbucheinträge zu senden. Was im Einzelnen passierte, könnt Ihr nun in den Blogs vom letzten Freitag und Samstag nachlesen.
Heute, am Montag, leider immer noch ein sehr unbeständiges Wetter und mein nächstes Etappenziel, die Bucht von Kapstadt noch 3046sm entfernt. Horizons segelt hoch am Südostwind mit Kurs zwischen 180° und 210°. Immer wieder laden tropische Schauer ihre nasse Fracht über uns ab. Dann glitzerte wieder das Meer. Die Sonne hat etwas Gutes, denn durch sie wurde die seelische Gräue, bedingt durch die technischen Pannen der letzten Tage, in ein besseres Licht getaucht.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
Auf Grund einiger technischer Probleme war es nicht möglich in den letzten Tagen die Logbucheinträge zu senden. Was im Einzelnen passierte, könnt Ihr nun in den Blogs vom letzten Freitag und Samstag nachlesen.
Heute, am Montag, leider immer noch ein sehr unbeständiges Wetter und mein nächstes Etappenziel, die Bucht von Kapstadt noch 3046sm entfernt. Horizons segelt hoch am Südostwind mit Kurs zwischen 180° und 210°. Immer wieder laden tropische Schauer ihre nasse Fracht über uns ab. Dann glitzerte wieder das Meer. Die Sonne hat etwas Gutes, denn durch sie wurde die seelische Gräue, bedingt durch die technischen Pannen der letzten Tage, in ein besseres Licht getaucht.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
22.08.2009 09:51:24
56. Seetag Log: 5873 sm Das Beste vorweg: Die Baustellen sind abgeschlossen!
Auch wenn ein Wassertank durch die Leckage leer ist, so sind noch 800ltr im 2. Tank. Die Erinnerung an Murphys Law ist gleichzeitig eine Reflexion auf sail2horizons. Grenzen sind dazu da, zu überprüfen, ob man etwas wirklich von ganzem Herzen will. Physisches Glück. Wille und Bewegung sind eins, der Körper im Rausch. Der Wille ruft Reserven ab, die Stimme widersetzt sich der Vernunft und der Sehnsucht nach Schlaf.
Im frischen Nordost rauscht Horizons dahin. Stolz im Ausdruck, würdevoll im Anblick. Souverän, dachte ich und ließ sie laufen. Nacht. Sterne, Mondlicht. Darin ziehende Wolken. Darunter die weiße Spur eines blauen Segelschiffes mit Kurs Südost. Brasilien lag weit hinter dem Horizont. 6 Monate segelte ich dort die ganze Küste entlang. Vom Amazonas bis Rio Grande. Die Karte zeigt deutliche Spuren der Abnutzung und Erinnerungen. Ich dachte an Rio, die mir zugelaufene Katze (vierbeinig) und betrachtete lebendige Straßenszenen. Obwohl kein Mensch zu sehen war, fügte ich dem Bild etwas hinzu. Mich.
Schönes Wochenende und bis Montag
Auch wenn ein Wassertank durch die Leckage leer ist, so sind noch 800ltr im 2. Tank. Die Erinnerung an Murphys Law ist gleichzeitig eine Reflexion auf sail2horizons. Grenzen sind dazu da, zu überprüfen, ob man etwas wirklich von ganzem Herzen will. Physisches Glück. Wille und Bewegung sind eins, der Körper im Rausch. Der Wille ruft Reserven ab, die Stimme widersetzt sich der Vernunft und der Sehnsucht nach Schlaf.
Im frischen Nordost rauscht Horizons dahin. Stolz im Ausdruck, würdevoll im Anblick. Souverän, dachte ich und ließ sie laufen. Nacht. Sterne, Mondlicht. Darin ziehende Wolken. Darunter die weiße Spur eines blauen Segelschiffes mit Kurs Südost. Brasilien lag weit hinter dem Horizont. 6 Monate segelte ich dort die ganze Küste entlang. Vom Amazonas bis Rio Grande. Die Karte zeigt deutliche Spuren der Abnutzung und Erinnerungen. Ich dachte an Rio, die mir zugelaufene Katze (vierbeinig) und betrachtete lebendige Straßenszenen. Obwohl kein Mensch zu sehen war, fügte ich dem Bild etwas hinzu. Mich.
Schönes Wochenende und bis Montag
21.08.2009 10:03:22
Aus dem Tagebuch innerer und äußerer Zustände: Leid und Freude folgen auf einer Segelreise derart schnell, dass sie kaum voneinander zu unterscheiden sind. Ich hatte technische Probleme. Katastrophen fangen manchmal klein an: Erst sprang der Generator zum Laden der Batterien nicht an. Dann brachten mich 400 Liter Wasser in der Bilge um meinen Seelenfrieden, während beim Starten des Motors kein Kühlwasser aus trat. Zudem trieb ich völlig windlos im Tidengewässer. Mal Richtung Küste, dann wieder zurück aufs Meer. Um all das zu verstehen, setzte der Verstand aus. Was übrig blieb war Verwirrung und eine Stimmung die ins Leere lief. An Land kann man sich in Gegenwart eines Mechanikers innerhalb weniger Zeit helfen. Bei mir hat es einen Tag und 2 Nächte gedauert bis ich die Leckage einer gerissenen Alunaht am Tank fand und mit Epoxy, sowie Gewebematten verdichtet habe. Beim Generator waren die Kontakte des Anlassers korrodiert. Den ImpellerFoto) konnte ich nur mühsam und begleitet mit hier nicht druckreifen Worten wechseln. Als sich die Sonne heute Morgen aus dem Meer hob, war die Arbeit getan und meine Sprache wiedergefunden. Mit der redete ich zu Gott, zur Ewigkeit und mir selbst. Erschlagen von Müdigkeit, aber mit neuem Schub wieder auf Kurs!
19.08.2009 09:26:52
53. Seetag Log: 5698 sm
Nieselregen, Schauerböen, dann wieder Flaute. Ständiges Arbeiten mit den Segeln im Ein-und Ausreffen. Das erste Mal seit Wochen sah ich wieder ein Schiff und das hielt mich in der Nacht mächtig auf Trab. Unbeleuchtet folgte es Horizons. Mal achteraus, dann querab an Stb.oder Bb. Über Radar konnte ich den Kurs verfolgen. Die Begegnung brachte mich nicht nur um den Schlaf, sondern heizte meine Phantasie an. Waren das Fischer oder eher Nachkommen von Captain Kidd und Sir Henry Morgan. Abseits der Handelswege geraten auch Segler zunehmend ins Visier der Freibeuter und Piraterie wird immer mehr zum boomenden Gewerbe. Erinnerungen an die dubiosen Gestalten auf meiner 1.Weltumseglung im Indonesischen Meer wurden wach: Damals waren es keine Typen wie Jonny Depp mit Augenklappe und Kopftuch, sondern mit Schnellfeuergewehr und Handgranaten. Der Pirat von heute ist weniger romantisch, sondern eher technisch auf dem neuesten Stand.
Das Foto zeigt meinen ersten Blick auf Südamerika: Das Leuchtfeuer von Accu da Torre und damit
liebe Grüße aus brasilianischen Gewässern
Bernt SY Horizons
Nieselregen, Schauerböen, dann wieder Flaute. Ständiges Arbeiten mit den Segeln im Ein-und Ausreffen. Das erste Mal seit Wochen sah ich wieder ein Schiff und das hielt mich in der Nacht mächtig auf Trab. Unbeleuchtet folgte es Horizons. Mal achteraus, dann querab an Stb.oder Bb. Über Radar konnte ich den Kurs verfolgen. Die Begegnung brachte mich nicht nur um den Schlaf, sondern heizte meine Phantasie an. Waren das Fischer oder eher Nachkommen von Captain Kidd und Sir Henry Morgan. Abseits der Handelswege geraten auch Segler zunehmend ins Visier der Freibeuter und Piraterie wird immer mehr zum boomenden Gewerbe. Erinnerungen an die dubiosen Gestalten auf meiner 1.Weltumseglung im Indonesischen Meer wurden wach: Damals waren es keine Typen wie Jonny Depp mit Augenklappe und Kopftuch, sondern mit Schnellfeuergewehr und Handgranaten. Der Pirat von heute ist weniger romantisch, sondern eher technisch auf dem neuesten Stand.
Das Foto zeigt meinen ersten Blick auf Südamerika: Das Leuchtfeuer von Accu da Torre und damit
liebe Grüße aus brasilianischen Gewässern
Bernt SY Horizons
18.08.2009 09:50:42
52. Seetag: Log: 5592 sm
Unter Groß- und Genua weiterhin Kurs Südwest zu einem neuen Kontinent: Südamerika. Dann entlang der brasilianischen Küste, bis der Westwind uns packt und uns nach Kapstadt treibt. Soweit der Plan, doch nun zum Landesvater!
Sehr geehrter Herr Lüchtenborg,
ich hoffe, Sie sind gut vorangekommen auf Ihrer doppelten Nonstop-Weltumsegelung. Wie ich dem Internet entnehmen kann, herrschte an Ihrem 40.Tag schlechte Sicht und Regen und ein Wal kreuzte Ihren Weg. Für Ihren bemerkenswerten Einsatz zur Förderung benachteiligter Jugendlicher aus Wismar und für die Wissenschaft danke ich Ihnen. Ich wünsche Ihnen für die vor Ihnen liegenden Seemeilen gutes Segelwetter.
Mit freundlichen Grüßen
Erwin Sellering - Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Vielen Dank! Ich nehme es als Danke Schön und Anerkennung für die Arbeit die das gesamte Sail2horizons Team leistet und gebe es sehr gerne weiter an: Anita, Walli, Christa, Norbert, Werner, Kay und Uwe
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Unter Groß- und Genua weiterhin Kurs Südwest zu einem neuen Kontinent: Südamerika. Dann entlang der brasilianischen Küste, bis der Westwind uns packt und uns nach Kapstadt treibt. Soweit der Plan, doch nun zum Landesvater!
Sehr geehrter Herr Lüchtenborg,
ich hoffe, Sie sind gut vorangekommen auf Ihrer doppelten Nonstop-Weltumsegelung. Wie ich dem Internet entnehmen kann, herrschte an Ihrem 40.Tag schlechte Sicht und Regen und ein Wal kreuzte Ihren Weg. Für Ihren bemerkenswerten Einsatz zur Förderung benachteiligter Jugendlicher aus Wismar und für die Wissenschaft danke ich Ihnen. Ich wünsche Ihnen für die vor Ihnen liegenden Seemeilen gutes Segelwetter.
Mit freundlichen Grüßen
Erwin Sellering - Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Vielen Dank! Ich nehme es als Danke Schön und Anerkennung für die Arbeit die das gesamte Sail2horizons Team leistet und gebe es sehr gerne weiter an: Anita, Walli, Christa, Norbert, Werner, Kay und Uwe
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
17.08.2009 09:52:31
51. Seetag Log: 5432 sm
Mittlerweile die 5000ste Seemeile! Ein kleines Jubiläum auf einer noch langen Reise.
Seit Wochen keine Schiffe, keine Vögel, kein Kondensstreifen am Himmel. Nichts. Nur Schiff und Sonne ziehen ihre Bahn. Der Himmel spannt sich von einem Horizont zum anderen und wie seit ewigen Zeiten befiehlt der Passat die Fahrtrichtung. Er bläst konstant mit 5 Bft aus Südost. Tag und Nacht. Über dem Heck stand eine strahlende Venus und warf ihren hellen Schein auf ein bewegtes Meer. Die Nacht war klar, warm und von übersinnlicher Schönheit. Sternschnuppen erloschen im Nirgendwo. Ich lag ausgestreckt im Cockpit, hörte klassische Musik, stellte mein Fernglas scharf und reiste um das Kreuz des Südens. In diesem Shangi La finde ich alle Muße um mich mit meinen Gedanken zu unterhalten. Das sind die kleinen Dinge die mich daran erinnern warum ich unterwegs bin, die mich spüren lassen, wie intensiv das Leben ist. Es sind kleine Momente von Glück und denen bin ich auf diesem Törn bereits einige Male begegnet.
Wünsch Euch eine schöne Woche Bernt SY Horizons
Mittlerweile die 5000ste Seemeile! Ein kleines Jubiläum auf einer noch langen Reise.
Seit Wochen keine Schiffe, keine Vögel, kein Kondensstreifen am Himmel. Nichts. Nur Schiff und Sonne ziehen ihre Bahn. Der Himmel spannt sich von einem Horizont zum anderen und wie seit ewigen Zeiten befiehlt der Passat die Fahrtrichtung. Er bläst konstant mit 5 Bft aus Südost. Tag und Nacht. Über dem Heck stand eine strahlende Venus und warf ihren hellen Schein auf ein bewegtes Meer. Die Nacht war klar, warm und von übersinnlicher Schönheit. Sternschnuppen erloschen im Nirgendwo. Ich lag ausgestreckt im Cockpit, hörte klassische Musik, stellte mein Fernglas scharf und reiste um das Kreuz des Südens. In diesem Shangi La finde ich alle Muße um mich mit meinen Gedanken zu unterhalten. Das sind die kleinen Dinge die mich daran erinnern warum ich unterwegs bin, die mich spüren lassen, wie intensiv das Leben ist. Es sind kleine Momente von Glück und denen bin ich auf diesem Törn bereits einige Male begegnet.
Wünsch Euch eine schöne Woche Bernt SY Horizons
14.08.2009 09:49:34
Fr. 48.Seetag Log: 4937 sm
Gestern eine weitere Untersuchung für die Wissenschaft erledigt. Alle Daten sauber auf den Rechner übertragen. Wasserprobe konserviert und verstaut, dann etwas anderes in die Tropensonne gehalten. Einer meiner Hauptsponsoren ist die Fa. Mühle- Glashütte (www.muehle-glashuette.de) die nautische Instrumente herstellen u.a. auch Sextanten.
Ein solch wunderschönes Gerät, das zum Handwerkszeug eines Langfahrtseglers gehören sollte, hielt ich nach langer Zeit mal wieder zwischen den Händen und schoß die Sonne im Zenit, während ich die Zeit in einem Augenblick erlebte, als ich auf meinem eigenen Schatten stand. Senkrecht brannte die Sonne aufs Deck. Für einen kurzen Moment warf der kleine Seemann keinen Schatten, doch bald darauf ging er mir voraus. Die Sonne wanderte weiter, der Tag lief ihr hinterher. Ein Tag ohne erwähnenswerte Ereignisse, der so endete wie er begann. Im frischen Südost-Passat und schlichter Herrlichkeit.
Ein schönes Wochenende, bis Montag! Schließ das Office und geh ein bisschen segeln. Bernt SY Horizons
Gestern eine weitere Untersuchung für die Wissenschaft erledigt. Alle Daten sauber auf den Rechner übertragen. Wasserprobe konserviert und verstaut, dann etwas anderes in die Tropensonne gehalten. Einer meiner Hauptsponsoren ist die Fa. Mühle- Glashütte (www.muehle-glashuette.de) die nautische Instrumente herstellen u.a. auch Sextanten.
Ein solch wunderschönes Gerät, das zum Handwerkszeug eines Langfahrtseglers gehören sollte, hielt ich nach langer Zeit mal wieder zwischen den Händen und schoß die Sonne im Zenit, während ich die Zeit in einem Augenblick erlebte, als ich auf meinem eigenen Schatten stand. Senkrecht brannte die Sonne aufs Deck. Für einen kurzen Moment warf der kleine Seemann keinen Schatten, doch bald darauf ging er mir voraus. Die Sonne wanderte weiter, der Tag lief ihr hinterher. Ein Tag ohne erwähnenswerte Ereignisse, der so endete wie er begann. Im frischen Südost-Passat und schlichter Herrlichkeit.
Ein schönes Wochenende, bis Montag! Schließ das Office und geh ein bisschen segeln. Bernt SY Horizons
13.08.2009 10:06:14
Log: 4768 sm
Am Horizont flammte das Abendrot und ein langer Schwell aus Südost zog uns entgegen. „Komm“ flüsterte der Passat. Und dann war er da! Südost 4 Bft, die Segel knattern und endlich, endlich ist wieder Leben in der Bude. Meine Lady gleich übermütig, so als wollte sie die Flautenlethargie endgültig abschütteln, flog sie dahin! Musste sie nachts noch zügeln und das Großsegel einmal reffen. Als sich die Sonne am Morgen strahlend aus dem Südatlantik stemmte, lag das Meer vor uns wie ein grober Diamant. Dünungsrücken mit blauen Schattenseiten, glitzerten im weißgeschäumten Wasser.
47.Seetag - In klarer Weite, frischem Wind und himmelblauer Luft wird man schlagartig von einer großen Friedfertigkeit beseelt. Je länger ich nun unterwegs bin, umso leerer fühle ich mich. Aber nicht im negativen Sinne. Die Leere die ich meine, ist für mich zugleich Fülle und ein durchaus angenehmes Gefühl, weil ich Zeit habe Dinge zu tun, die ich schon lange vernachlässigt habe. Nach Jahren mal wieder ein Buch lesen, zu schreiben oder entspannt Musik hören. An Bord brauche ich sehr wenig, aber das Wenige ist mir mehr als Genug.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Am Horizont flammte das Abendrot und ein langer Schwell aus Südost zog uns entgegen. „Komm“ flüsterte der Passat. Und dann war er da! Südost 4 Bft, die Segel knattern und endlich, endlich ist wieder Leben in der Bude. Meine Lady gleich übermütig, so als wollte sie die Flautenlethargie endgültig abschütteln, flog sie dahin! Musste sie nachts noch zügeln und das Großsegel einmal reffen. Als sich die Sonne am Morgen strahlend aus dem Südatlantik stemmte, lag das Meer vor uns wie ein grober Diamant. Dünungsrücken mit blauen Schattenseiten, glitzerten im weißgeschäumten Wasser.
47.Seetag - In klarer Weite, frischem Wind und himmelblauer Luft wird man schlagartig von einer großen Friedfertigkeit beseelt. Je länger ich nun unterwegs bin, umso leerer fühle ich mich. Aber nicht im negativen Sinne. Die Leere die ich meine, ist für mich zugleich Fülle und ein durchaus angenehmes Gefühl, weil ich Zeit habe Dinge zu tun, die ich schon lange vernachlässigt habe. Nach Jahren mal wieder ein Buch lesen, zu schreiben oder entspannt Musik hören. An Bord brauche ich sehr wenig, aber das Wenige ist mir mehr als Genug.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
12.08.2009 10:03:23
Mi. 46. Seetag – Log: 4622 sm
Das Foto zeigt das Sturmsegel als Flauten-Schattensegel oder auch die Ironie eines Segelschicksals. Kraft und Windlos trieben wir in den Kalmen. Der Abend lag in goldene Stille getaucht. Bis zum Horizont dösten Raum und Zeit. Nur Dein Auge blickt mich an: Unendlichkeit!
In der Nacht kam etwas Wind auf. Unter dem Kreuz des Südens, im Schein der Decksbeleuchtung und völlig nackt hab ich dann mal wieder mein Lieblingssegel hochgezogen. Horizons spaltet den Südatlantik und läuft bei 2 Bft aus Südost dem Parasailor hinterher. Die Hitze am Äquator ist mörderisch. Ein Klima das die Atmosphäre eines tropischen Regenwaldes verströmt. Nur hier ist kein Wald! Auf meiner 1. Weltumseglung mit Auryn schlief ich an Deck, da die allgegenwärtigen Milben in den Bettpolstern eine Art Club Robinson aufgemacht hatten. Heute liege ich in Calypso-Schlafsystemen: Atmungsaktiv, Hygienisch sauber und sehr komfortabel (www.calypso-schlafsysteme.de)
Wir sehen uns heute abend im Live-Stream um 20h. Tschüss, Bernt
Das Foto zeigt das Sturmsegel als Flauten-Schattensegel oder auch die Ironie eines Segelschicksals. Kraft und Windlos trieben wir in den Kalmen. Der Abend lag in goldene Stille getaucht. Bis zum Horizont dösten Raum und Zeit. Nur Dein Auge blickt mich an: Unendlichkeit!
In der Nacht kam etwas Wind auf. Unter dem Kreuz des Südens, im Schein der Decksbeleuchtung und völlig nackt hab ich dann mal wieder mein Lieblingssegel hochgezogen. Horizons spaltet den Südatlantik und läuft bei 2 Bft aus Südost dem Parasailor hinterher. Die Hitze am Äquator ist mörderisch. Ein Klima das die Atmosphäre eines tropischen Regenwaldes verströmt. Nur hier ist kein Wald! Auf meiner 1. Weltumseglung mit Auryn schlief ich an Deck, da die allgegenwärtigen Milben in den Bettpolstern eine Art Club Robinson aufgemacht hatten. Heute liege ich in Calypso-Schlafsystemen: Atmungsaktiv, Hygienisch sauber und sehr komfortabel (www.calypso-schlafsysteme.de)
Wir sehen uns heute abend im Live-Stream um 20h. Tschüss, Bernt
11.08.2009 06:55:38
Di. 45. Seetag Log: 4507 sm
Cheers…Der Äquator ist übersegelt! Mit dem Feiern bin ich schon gestern Abend angefangen. Beim zweiten Weißbier wurde ich obergärig. Gut dass keine Wasserschutzpolizei in der Nähe war, sie hätte mich glatt aus dem Verkehr gezogen. Am Morgen dann acht Eimer Salzwasser als Dusche. Vom Schmutz der nördlichen Halbkugel befreit und der Schweinegrippe davon gekommen!
Dafür steht die Welt Kopf und die Flaschen der Sektkellerei Wismar gingen auf Pos. 22°59'W das erste Mal über den Äquator! Die 6 Buddel, die so Gott will und Neptun nix dagegen hat, 4x über die Linie schippern sollen, werden übrigens nach erfolgreicher Rückkehr versteigert. Der Erlös kommt unserem Verein www.lichtamhorizont.de und den Kindern von Wismar zu Gute.
Nun, da der Schatten nicht mehr schützt, glüht zwischen feuchtgewölbten Wolken mitleidslos die steile Äquatorsonne. Das Foto zeigt die südliche Erdhalbkugel und ein neues Wasser. Ab heute heißt es Südatlantik. Und weil wir grad hier sind, gibt’s am Mittwoch um 20°°MEZ einen Live-Bericht von Bord der SY Horizons. Liebe Grüße Bernt
Cheers…Der Äquator ist übersegelt! Mit dem Feiern bin ich schon gestern Abend angefangen. Beim zweiten Weißbier wurde ich obergärig. Gut dass keine Wasserschutzpolizei in der Nähe war, sie hätte mich glatt aus dem Verkehr gezogen. Am Morgen dann acht Eimer Salzwasser als Dusche. Vom Schmutz der nördlichen Halbkugel befreit und der Schweinegrippe davon gekommen!
Dafür steht die Welt Kopf und die Flaschen der Sektkellerei Wismar gingen auf Pos. 22°59'W das erste Mal über den Äquator! Die 6 Buddel, die so Gott will und Neptun nix dagegen hat, 4x über die Linie schippern sollen, werden übrigens nach erfolgreicher Rückkehr versteigert. Der Erlös kommt unserem Verein www.lichtamhorizont.de und den Kindern von Wismar zu Gute.
Nun, da der Schatten nicht mehr schützt, glüht zwischen feuchtgewölbten Wolken mitleidslos die steile Äquatorsonne. Das Foto zeigt die südliche Erdhalbkugel und ein neues Wasser. Ab heute heißt es Südatlantik. Und weil wir grad hier sind, gibt’s am Mittwoch um 20°°MEZ einen Live-Bericht von Bord der SY Horizons. Liebe Grüße Bernt
10.08.2009 06:41:12
Mo. 44 Seetag Log: 4399 sm
Hoffe Ihr hattet ein schönes Wochenende mit geraden Kursen. Bei mir verlief es eher Zick Zack gegen den Südwind. Mal zeigte der Bug Richtung Amazonas, dann nach Congo!
Eigentlich segelt man in dieser Region eher lässig mit dem Nordost im Rücken zum Äquator. Aber die immer noch aktive ITCZ sorgt dafür, dass der Passat ausbleibt und ein Vorankommen zur Südhalbkugel äußerst mühsam wird. Das macht nicht nur den Steuermann ziemlich stinkig (Foto), auch der Captain kann’s kaum fassen. Die Substanz der locker heraus gegebenen Parole Geduld zu haben ist bereits aufgebracht. Nun steck ich in den Kalmen und dümpel dahin. Kein Wind!
Wünsche Euch einen schönen Start in die neue Woche
Bernt SY Horizons
Hoffe Ihr hattet ein schönes Wochenende mit geraden Kursen. Bei mir verlief es eher Zick Zack gegen den Südwind. Mal zeigte der Bug Richtung Amazonas, dann nach Congo!
Eigentlich segelt man in dieser Region eher lässig mit dem Nordost im Rücken zum Äquator. Aber die immer noch aktive ITCZ sorgt dafür, dass der Passat ausbleibt und ein Vorankommen zur Südhalbkugel äußerst mühsam wird. Das macht nicht nur den Steuermann ziemlich stinkig (Foto), auch der Captain kann’s kaum fassen. Die Substanz der locker heraus gegebenen Parole Geduld zu haben ist bereits aufgebracht. Nun steck ich in den Kalmen und dümpel dahin. Kein Wind!
Wünsche Euch einen schönen Start in die neue Woche
Bernt SY Horizons
07.08.2009 10:01:22
Fr. 41. Seetag Log: 3985 sm
Das Licht ist zurück! Unter fliegenden Wolkenfetzen segeln wir immer noch hoch am Wind Kurs Südost. Ein paar Delfine schauten vorbei, dann kam die Nacht, die zum Universum wurde. Zunächst reflektierten sich die Sterne, danach reflektierte sich der Vollmond in der Dünung einer geriffelten See. Im Frieden der Nacht spürte ich wieder die Meereslust -Hautnah.
Berauscht vom Segeln, vom Licht und der Musik lag ich im Cockpit unterm Sternenhimmel und hörte den Soundtrack Viel Meer Vol.1 - Das ist Gänsehaut für die Ohren! Damit liebe Grüße an Peter Weide und sein Team vom VielMeer im Kühlungsborner Yachthafen (www.vielmeer.de)
Weit nach Mitternacht drehte der Wind leicht auf Südost. Wende gefahren, der Kompass zeigt nun nach Südwest. Im Meersein unter weißen Segeln, mit einem Blick bis zum Horizont, einem Tag in Blau und im Silber einer glitzernden See wünsch ich Euch ein schönes Wochenende. Mach’ das Büro dicht und meld mich am Montag wieder. Bernt SY Horizons
Disfruta hoy, quien sabe lo que pasa manana (Geniesse heute, wer weiß was morgen ist)
Das Licht ist zurück! Unter fliegenden Wolkenfetzen segeln wir immer noch hoch am Wind Kurs Südost. Ein paar Delfine schauten vorbei, dann kam die Nacht, die zum Universum wurde. Zunächst reflektierten sich die Sterne, danach reflektierte sich der Vollmond in der Dünung einer geriffelten See. Im Frieden der Nacht spürte ich wieder die Meereslust -Hautnah.
Berauscht vom Segeln, vom Licht und der Musik lag ich im Cockpit unterm Sternenhimmel und hörte den Soundtrack Viel Meer Vol.1 - Das ist Gänsehaut für die Ohren! Damit liebe Grüße an Peter Weide und sein Team vom VielMeer im Kühlungsborner Yachthafen (www.vielmeer.de)
Weit nach Mitternacht drehte der Wind leicht auf Südost. Wende gefahren, der Kompass zeigt nun nach Südwest. Im Meersein unter weißen Segeln, mit einem Blick bis zum Horizont, einem Tag in Blau und im Silber einer glitzernden See wünsch ich Euch ein schönes Wochenende. Mach’ das Büro dicht und meld mich am Montag wieder. Bernt SY Horizons
Disfruta hoy, quien sabe lo que pasa manana (Geniesse heute, wer weiß was morgen ist)
06.08.2009 10:02:23
Do. 40. Seetag Log: 3862 sm
Segeln in grauer Melancholie. Farblich wie im Herbst auf der Nordsee, allerdings 30° wärmer. Horizons segelt hart am Wind Kurs Congo! Nur ich will nicht nach Congo. Ich will um die Welt und dies wird mir gelingen, komme bloß nicht vorwärts. Dafür was für die die Gradienten und die Wissenschaft getan: Segel geborgen und die 4.Untersuchung erledigt: War mühsam in rollender See. Dabei entdeckte ich querab eine Wasserfontaine und trieb vorbei an einem Wal der nicht schlief, sondern sich nur in seiner Einsamkeit wälzte. Nachts zeigten Wetterleuchten die Aktivität der innertropischen Konvergenzzone an. Kurz riss die Bewölkung auf. Im Mondlicht zeichneten sich die weißen Gebirge ambossförmiger Cumulosnimbus-Wolken ab. Blitze zuckten darin. Mathematische Genies haben die Blitze einmal mit Geschwindigkeiten von 220000 Kilometer pro Stunde und einer Stromstärke von 100000 Ampere errechnet. Piloten fürchten die ITCZ wie der Teufel das Weihwasser. Und ich bete, schmeiss eine Plastikblume über Bord…für die Opfer von Flug AF447. Die Absturzstelle befindet sich ungefähr 600 sm an Steuerbord.
Das Foto reißt mein Herz auf..Abschied in Wismar
Segeln in grauer Melancholie. Farblich wie im Herbst auf der Nordsee, allerdings 30° wärmer. Horizons segelt hart am Wind Kurs Congo! Nur ich will nicht nach Congo. Ich will um die Welt und dies wird mir gelingen, komme bloß nicht vorwärts. Dafür was für die die Gradienten und die Wissenschaft getan: Segel geborgen und die 4.Untersuchung erledigt: War mühsam in rollender See. Dabei entdeckte ich querab eine Wasserfontaine und trieb vorbei an einem Wal der nicht schlief, sondern sich nur in seiner Einsamkeit wälzte. Nachts zeigten Wetterleuchten die Aktivität der innertropischen Konvergenzzone an. Kurz riss die Bewölkung auf. Im Mondlicht zeichneten sich die weißen Gebirge ambossförmiger Cumulosnimbus-Wolken ab. Blitze zuckten darin. Mathematische Genies haben die Blitze einmal mit Geschwindigkeiten von 220000 Kilometer pro Stunde und einer Stromstärke von 100000 Ampere errechnet. Piloten fürchten die ITCZ wie der Teufel das Weihwasser. Und ich bete, schmeiss eine Plastikblume über Bord…für die Opfer von Flug AF447. Die Absturzstelle befindet sich ungefähr 600 sm an Steuerbord.
Das Foto reißt mein Herz auf..Abschied in Wismar
05.08.2009 09:54:44
Mi. 39. Seetag Log: 3686 sm
Nachtschicht- Wütend trommelte der Regen am Fenster. Darunter saß ich am Nav-Tisch, betrachtete in der Seekarte die vielen Kreuze unserer Positionseintragungen und rechnete die verbleibenden Seemeilen bis zum Äquator in Tage um. Aber was spielte es für eine Rolle? Tage gingen dahin, als wenn es ein einziger wäre. Bordroutine teilte die Zeit ein. Dennoch war jeder Tag, jede Stunde voller Abwechslung. Äußere Bilder von Wetter und Meer, wechselten sich ab mit wandernden Gedanken und Stimmungen. Auch die Speisekarte nie langweilig! Der Smut servierte Pfannkuchen mit Zimt und Apfelmus, womit auch der Captain sehr zufrieden war. Der Tag spannt sich wie ein graufeuchtes Segel zwischen den Horizonten. Die ITC lädt immer noch ihre nasse Fracht auf uns ab. Fühle mich genauso schwer bewölkt wie der Himmel. Einsamkeit…
Die Innertropische Konvergenzzone zu passieren, ist ein Lotteriespiel. Entscheide mich beim derzeitigen Südwind, Kurs Südost zu segeln um dann mit dem Passat, wenn er dann aus Südost kommt, Kurs Süd-Südwest anzulegen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Nachtschicht- Wütend trommelte der Regen am Fenster. Darunter saß ich am Nav-Tisch, betrachtete in der Seekarte die vielen Kreuze unserer Positionseintragungen und rechnete die verbleibenden Seemeilen bis zum Äquator in Tage um. Aber was spielte es für eine Rolle? Tage gingen dahin, als wenn es ein einziger wäre. Bordroutine teilte die Zeit ein. Dennoch war jeder Tag, jede Stunde voller Abwechslung. Äußere Bilder von Wetter und Meer, wechselten sich ab mit wandernden Gedanken und Stimmungen. Auch die Speisekarte nie langweilig! Der Smut servierte Pfannkuchen mit Zimt und Apfelmus, womit auch der Captain sehr zufrieden war. Der Tag spannt sich wie ein graufeuchtes Segel zwischen den Horizonten. Die ITC lädt immer noch ihre nasse Fracht auf uns ab. Fühle mich genauso schwer bewölkt wie der Himmel. Einsamkeit…
Die Innertropische Konvergenzzone zu passieren, ist ein Lotteriespiel. Entscheide mich beim derzeitigen Südwind, Kurs Südost zu segeln um dann mit dem Passat, wenn er dann aus Südost kommt, Kurs Süd-Südwest anzulegen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
04.08.2009 09:46:36
Di. 38. Seetag Log: 3527 sm
Eines der schönsten Geräusche auf einem Segelschiff ist der Moment, wo der Motor ausgestellt wird und das Dieselgehämmer in Stille übergeht. Ein magischer Augenblick, der Leben und Freiheit bedeutet. Wir segeln – und es ist als wenn ich atme. Gischt fliegt, die Luft riecht nach Salz und der Ozean geht in seinen gewohnten Wellenrhythmus über. Das Tief hat uns gepackt. Der Wind kommt aus Südwest mit kräftigen Böen bis zu 30kn. Darin schwere Regenschauer. Das sind die Boten der innertropischen Konvergenzzone (ITC). Sie verschiebt sich im Sommer nördlicher und ist aktiv. Mir kann’s egal sein. Die kräftigen Regenschauer bieten eine natürliche Dusche und Horizons zieht unter Groß und Genua mit teilweise 8 Knoten Fahrt flott in Richtung Kapstadt. Sind ja nur 3500sm! In der Nacht jagde ein Regenschauer den anderen, dazu kräftige Windböen und ein ständiges Ein-und Ausreffen der Segel. Hin und wieder riss der Himmel auf und der Mond gab seinen Segen. Romantischer kann beschissenes Wetter nicht sein.
Bernt SY Horizons
Eines der schönsten Geräusche auf einem Segelschiff ist der Moment, wo der Motor ausgestellt wird und das Dieselgehämmer in Stille übergeht. Ein magischer Augenblick, der Leben und Freiheit bedeutet. Wir segeln – und es ist als wenn ich atme. Gischt fliegt, die Luft riecht nach Salz und der Ozean geht in seinen gewohnten Wellenrhythmus über. Das Tief hat uns gepackt. Der Wind kommt aus Südwest mit kräftigen Böen bis zu 30kn. Darin schwere Regenschauer. Das sind die Boten der innertropischen Konvergenzzone (ITC). Sie verschiebt sich im Sommer nördlicher und ist aktiv. Mir kann’s egal sein. Die kräftigen Regenschauer bieten eine natürliche Dusche und Horizons zieht unter Groß und Genua mit teilweise 8 Knoten Fahrt flott in Richtung Kapstadt. Sind ja nur 3500sm! In der Nacht jagde ein Regenschauer den anderen, dazu kräftige Windböen und ein ständiges Ein-und Ausreffen der Segel. Hin und wieder riss der Himmel auf und der Mond gab seinen Segen. Romantischer kann beschissenes Wetter nicht sein.
Bernt SY Horizons
03.08.2009 09:53:31
Mo. 37. Seetag Log: 3383 sm
Moin: Ruhige Nacht. Keine Schiffe. Ein paar tropische Schauer. Vom Passat keine Spur.Nur eine Ahnung von Wind kräuselt über den Ozean. Die Wetterkarte zeigt voraus ein Tief, vielleicht bringt das Wind. Wenn, dann aus Süd, also gegen an! Der Bonito (s. gestriger Blog) war übrigens lecker. Eigentlich immer noch, denn ich esse davon 2 Tage. Der Fisch war eine Lady. Das merkt man erst, wenn man den Bauch aufschlitzt und der Laich entgegen kommt. Auch Rogen genannt (links auf dem Foto) Rogen sind die reifen Eier weiblicher Fische. Vergleichbar mit dem Kaviar beim Stör. Sozusagen eine Delikatesse. Je nach Gusto mit Lime, Sojasauce oder ein bisschen Meerrettich. Danach Sushi und ganz besonders köstlich: Tartar! Die Fasern und Sehnen fein vom Fleisch trennen und alles klein mantschen. Ein Ei rein, etwas Gewürze, noch mal mantschen und dann aufs Schwarzbrot!!! Der Rest vom Fisch ist Formsache: Filets in die Pfanne usw. Als Nachtisch könnte man noch die Fischaugen auslutschen, die strotzen voller Proteine! Aber an den Glibber trau ich mich nicht ran….noch nicht! Freu mich auf heute Abend. Dann setz ich mich mit RILA’s Traubensaft zum Fisch und schau der Sonne beim Untergehen zu. Prost- Mahlzeit!
Bernt SY Horizons
Moin: Ruhige Nacht. Keine Schiffe. Ein paar tropische Schauer. Vom Passat keine Spur.Nur eine Ahnung von Wind kräuselt über den Ozean. Die Wetterkarte zeigt voraus ein Tief, vielleicht bringt das Wind. Wenn, dann aus Süd, also gegen an! Der Bonito (s. gestriger Blog) war übrigens lecker. Eigentlich immer noch, denn ich esse davon 2 Tage. Der Fisch war eine Lady. Das merkt man erst, wenn man den Bauch aufschlitzt und der Laich entgegen kommt. Auch Rogen genannt (links auf dem Foto) Rogen sind die reifen Eier weiblicher Fische. Vergleichbar mit dem Kaviar beim Stör. Sozusagen eine Delikatesse. Je nach Gusto mit Lime, Sojasauce oder ein bisschen Meerrettich. Danach Sushi und ganz besonders köstlich: Tartar! Die Fasern und Sehnen fein vom Fleisch trennen und alles klein mantschen. Ein Ei rein, etwas Gewürze, noch mal mantschen und dann aufs Schwarzbrot!!! Der Rest vom Fisch ist Formsache: Filets in die Pfanne usw. Als Nachtisch könnte man noch die Fischaugen auslutschen, die strotzen voller Proteine! Aber an den Glibber trau ich mich nicht ran….noch nicht! Freu mich auf heute Abend. Dann setz ich mich mit RILA’s Traubensaft zum Fisch und schau der Sonne beim Untergehen zu. Prost- Mahlzeit!
Bernt SY Horizons
02.08.2009 09:56:25
So. 36. Seetag Log: 3280 sm
Hab dann doch am Sonntag im Büro gesessen. Nicht weil die e-mails nach Aufmerksamkeit plärren, sondern weil der Ventilator am Navi-Tisch so angenehm kühlt! An Deck ist es glühend heiß. Windstille. Die See atmet mit dem blauen Tag und der Finanzmüll stinkt weiter! Wie bitte? Höre Deutsche Welle Nachrichten, weil ich gespannt bin, wie sich die Welt ohne mich entwickelt:-)) Auf schäumenden Rössern galoppieren die apokalyptischen Reiter weiter durch die Zeit. „Immer noch Krise“ auf das voraus flatternde, purpurrote Banner gestrickt. „Die Wirtschaft erholt sich erst, wenn die Bilanzen von den faulen Papieren gereinigt werden“ wettert ein Sprecher. Die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern was wir daraus machen, murmel ich und schalte ab. Beim Schreiben fällt mir auf, dass mir die Worte ausgehen, vermutlich jeden Tag eins mehr. Dafür hatte ich südlich von Fogo wieder einen Fisch an der Schleppangel (Foto) Die Kapverden liegen achteraus. Schleichend hinaus in die Weite des Ozeans zum neuen Wegepunkt Äquator. Bis zur Linie sind’s noch 884 sm.
Schönen Sonntag Bernt SY Horizons
Hab dann doch am Sonntag im Büro gesessen. Nicht weil die e-mails nach Aufmerksamkeit plärren, sondern weil der Ventilator am Navi-Tisch so angenehm kühlt! An Deck ist es glühend heiß. Windstille. Die See atmet mit dem blauen Tag und der Finanzmüll stinkt weiter! Wie bitte? Höre Deutsche Welle Nachrichten, weil ich gespannt bin, wie sich die Welt ohne mich entwickelt:-)) Auf schäumenden Rössern galoppieren die apokalyptischen Reiter weiter durch die Zeit. „Immer noch Krise“ auf das voraus flatternde, purpurrote Banner gestrickt. „Die Wirtschaft erholt sich erst, wenn die Bilanzen von den faulen Papieren gereinigt werden“ wettert ein Sprecher. Die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern was wir daraus machen, murmel ich und schalte ab. Beim Schreiben fällt mir auf, dass mir die Worte ausgehen, vermutlich jeden Tag eins mehr. Dafür hatte ich südlich von Fogo wieder einen Fisch an der Schleppangel (Foto) Die Kapverden liegen achteraus. Schleichend hinaus in die Weite des Ozeans zum neuen Wegepunkt Äquator. Bis zur Linie sind’s noch 884 sm.
Schönen Sonntag Bernt SY Horizons
31.07.2009 09:19:21
Fr. 34.Seetag Log: 3156 sm
Treibend durch eine windlose, langweilige Nacht. Nur der Halbmond und ein paar zarte Tropfen. Für die Brüder und Schwestern im Dürregebiet der Kapverden wohl eher ein lang anhaltender Regen. Endlich kam das Licht, erleuchtete die Wolken, das Meer, erfüllte die Horizonte.Wie eine Fata Morgana tauchten vor dem Bug die Umrisse der dunklen Steinwüste von Fogo auf. Eine Mondlandschaft aus schwarzen Geröllmassen. Ausgerotzte Lava. Entstanden durch einen rülpsenden Vulkan, weil sich die atlantischen Kontinentalplatten aufeinander schieben. Es knirscht und ruckelt, immer noch. Das sollte man nicht als Pfusch der Evolution bezeichnen. Wäre der Meeresboden nicht rissig, könnte er dem immensen Druck im Erdinneren nicht standhalten. Ein normaler Vorgang für die Seismologen. Für mich ein atemberaubender als ich vor Jahren auf dem Rand des Vulkans stand. Fumarolen, Schwefelgeruch und 3000m über dem Meer. Das Tief hängt immer noch bleiern in der Luft. Im Regenschauer ein Hauch von Leben. Die Segel gesetzt. Doch mittags schläft wieder Wind, Raum und Zeit.
Ein entspanntes Wochenende, mach das Büro dicht und meld mich Montag wieder.
Bernt SY Horizons
Treibend durch eine windlose, langweilige Nacht. Nur der Halbmond und ein paar zarte Tropfen. Für die Brüder und Schwestern im Dürregebiet der Kapverden wohl eher ein lang anhaltender Regen. Endlich kam das Licht, erleuchtete die Wolken, das Meer, erfüllte die Horizonte.Wie eine Fata Morgana tauchten vor dem Bug die Umrisse der dunklen Steinwüste von Fogo auf. Eine Mondlandschaft aus schwarzen Geröllmassen. Ausgerotzte Lava. Entstanden durch einen rülpsenden Vulkan, weil sich die atlantischen Kontinentalplatten aufeinander schieben. Es knirscht und ruckelt, immer noch. Das sollte man nicht als Pfusch der Evolution bezeichnen. Wäre der Meeresboden nicht rissig, könnte er dem immensen Druck im Erdinneren nicht standhalten. Ein normaler Vorgang für die Seismologen. Für mich ein atemberaubender als ich vor Jahren auf dem Rand des Vulkans stand. Fumarolen, Schwefelgeruch und 3000m über dem Meer. Das Tief hängt immer noch bleiern in der Luft. Im Regenschauer ein Hauch von Leben. Die Segel gesetzt. Doch mittags schläft wieder Wind, Raum und Zeit.
Ein entspanntes Wochenende, mach das Büro dicht und meld mich Montag wieder.
Bernt SY Horizons
30.07.2009 09:38:30
Do. 33. Seetag Log: 3127sm
Zwei kleine Tiefs mit wenig Druck lassen den Passat verschnaufen. Treibe mit kaum Fahrt Kurs Süd. Nochmal kurz zum gestrigen Logbucheintrag, verbunden mit einer Liebeserklärung und den Träumen: 2001, auf meiner 1. Weltumseglung, hab ich mit AURYN neun der 15 Inseln des Kapverdischen Archipels besucht. Ein traumhaftes Segelrevier. Schneeweiße Strände ohne Robinson Club, grandiose Gebirgslandschaften, weite Wüsten, die Vulkanbesteigung von Fogo, die Tasse Kaffee mit Cesare Evora, unberührte Ankerplätze, eine Unterwasserwelt die noch intakt ist, der Karneval in Mindelo und was besonders auffiel: keine Werbetafeln oder McDonalds. Merde, mögen die einen sagen. Mir bleiben viel mehr die lieben und äußerst gastfreundlichen Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt nachhaltig in Erinnerung.. Ich komme wieder! Das ist keine Drohung, eher ein Versprechen. Frühjahr 2012. Auf meiner nächsten Expedition. Der Traum ist wie ein Stachel: Er hält meine Meereslust wach. Das Logo von sail2horizons drückt es aus: Kein Ende in Sicht!
Cheers….auf die Träume und der Lust, sie zu leben!
Bernt SY Horizons
Zwei kleine Tiefs mit wenig Druck lassen den Passat verschnaufen. Treibe mit kaum Fahrt Kurs Süd. Nochmal kurz zum gestrigen Logbucheintrag, verbunden mit einer Liebeserklärung und den Träumen: 2001, auf meiner 1. Weltumseglung, hab ich mit AURYN neun der 15 Inseln des Kapverdischen Archipels besucht. Ein traumhaftes Segelrevier. Schneeweiße Strände ohne Robinson Club, grandiose Gebirgslandschaften, weite Wüsten, die Vulkanbesteigung von Fogo, die Tasse Kaffee mit Cesare Evora, unberührte Ankerplätze, eine Unterwasserwelt die noch intakt ist, der Karneval in Mindelo und was besonders auffiel: keine Werbetafeln oder McDonalds. Merde, mögen die einen sagen. Mir bleiben viel mehr die lieben und äußerst gastfreundlichen Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt nachhaltig in Erinnerung.. Ich komme wieder! Das ist keine Drohung, eher ein Versprechen. Frühjahr 2012. Auf meiner nächsten Expedition. Der Traum ist wie ein Stachel: Er hält meine Meereslust wach. Das Logo von sail2horizons drückt es aus: Kein Ende in Sicht!
Cheers….auf die Träume und der Lust, sie zu leben!
Bernt SY Horizons
29.07.2009 13:18:13
Mi. 32. Seetag Log: 3034 sm
Fortsetzung vom gestrigen Tage und die mit Spannung erwartete Auflösung: Wie war das denn nun mit dem Pontifex der Fahrtensegler? Bobby Schenk mäkelte medial anno 2002: „Kapverden, bloss nicht hinfahren, Verbrecher, kriminell“usw. Bobby war stinkig, subjektiv. Der Grund des Kaffeesatzes: 2x am gleichen Platz überfallen! Bevor man zu pauschalen Worthülsen greift und ein wunderschönes Segelrevier allgemein verdammt, sollte man nach dem Warum fragen. Wer mit einem Luxus-Dampfer unterwegs ist, zudem am Ankerplatz noch die Luken auflässt und sich nach dem Bankbesuch ausrauben lässt (Frau Schenk), provoziert nicht nur die Phantasie derer, die außer Shirt und Short nichts haben, sondern hat obendrein noch selbst Schuld! Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann man überall in der Welt überfallen werden. Ob in Sao Vicente, Rio de Janeiro oder in Hamburg. Fortsetzung morgen. Wecker klingelt! Brot is fertig. Fisch muss mariniert werden (hatte einen Bonito an der Schleppangel), Wäsche waschen, Artikel für YACHT schreiben, über fast keinen Wind ärgern, Hydrauliköl des Autopiloten auffüllen und so weiter und so fort oder kurz: Bordalltag eben! Frohes Schaffen, wo auch immer Ihr zugeschaltet habt.
Bernt SY Horizons
Fortsetzung vom gestrigen Tage und die mit Spannung erwartete Auflösung: Wie war das denn nun mit dem Pontifex der Fahrtensegler? Bobby Schenk mäkelte medial anno 2002: „Kapverden, bloss nicht hinfahren, Verbrecher, kriminell“usw. Bobby war stinkig, subjektiv. Der Grund des Kaffeesatzes: 2x am gleichen Platz überfallen! Bevor man zu pauschalen Worthülsen greift und ein wunderschönes Segelrevier allgemein verdammt, sollte man nach dem Warum fragen. Wer mit einem Luxus-Dampfer unterwegs ist, zudem am Ankerplatz noch die Luken auflässt und sich nach dem Bankbesuch ausrauben lässt (Frau Schenk), provoziert nicht nur die Phantasie derer, die außer Shirt und Short nichts haben, sondern hat obendrein noch selbst Schuld! Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann man überall in der Welt überfallen werden. Ob in Sao Vicente, Rio de Janeiro oder in Hamburg. Fortsetzung morgen. Wecker klingelt! Brot is fertig. Fisch muss mariniert werden (hatte einen Bonito an der Schleppangel), Wäsche waschen, Artikel für YACHT schreiben, über fast keinen Wind ärgern, Hydrauliköl des Autopiloten auffüllen und so weiter und so fort oder kurz: Bordalltag eben! Frohes Schaffen, wo auch immer Ihr zugeschaltet habt.
Bernt SY Horizons
27.07.2009 14:47:22
Di. 31.Tag Log: 2953 sm Foto:mein Fernseher!
Der Passat hat sich aus dem Staub gemacht. Im besten Sinne des Wortes – aus dem Saharastaub. Treiben mit ausgebaumten Parasailor über ein sanftes Meer. Horizons liegt wie leblos im bleiernen Blau, doch hübsch im zarten Rot gepudert. Fast verschämt bittet sie um eine Dusche. Später , meine Liebe, später. Es gibt Wichtigeres: Land in Sicht! San Antao/Kapverden am westlichen Rand der Sahelzone und Portugals erste Kolonie der Neuzeit. Rückblick: Vor acht Jahren lag ich dort mit Auryn in dem wunderschönen Naturhafen von Mindelo vor Anker. Im Epi-Zentrum der Eroberer. Dort wo die größten Abenteurer die geostrategisch perfekte Ausgangsposition an der schmalsten Stelle des Atlantiks nutzten, um durch unzählige Entdeckungen, ihrem König die halbe Welt zu Füßen zu legen.Hier ankerten die größten Abenteurer der Seefahrtsgeschichte, die Helden meiner Jugend. Alexander von Humboldt (nein, nicht das Becks Schiff) ,Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Fernando Magellan, Antonio de Cabral, James Cook und Achtung: Bobby Schenk!! Hääää - wie bitte? ...Okay, da ist jetzt wohl ’ne Erklärung fällig. Kein Platz mehr, morgen mehr!
Der Passat hat sich aus dem Staub gemacht. Im besten Sinne des Wortes – aus dem Saharastaub. Treiben mit ausgebaumten Parasailor über ein sanftes Meer. Horizons liegt wie leblos im bleiernen Blau, doch hübsch im zarten Rot gepudert. Fast verschämt bittet sie um eine Dusche. Später , meine Liebe, später. Es gibt Wichtigeres: Land in Sicht! San Antao/Kapverden am westlichen Rand der Sahelzone und Portugals erste Kolonie der Neuzeit. Rückblick: Vor acht Jahren lag ich dort mit Auryn in dem wunderschönen Naturhafen von Mindelo vor Anker. Im Epi-Zentrum der Eroberer. Dort wo die größten Abenteurer die geostrategisch perfekte Ausgangsposition an der schmalsten Stelle des Atlantiks nutzten, um durch unzählige Entdeckungen, ihrem König die halbe Welt zu Füßen zu legen.Hier ankerten die größten Abenteurer der Seefahrtsgeschichte, die Helden meiner Jugend. Alexander von Humboldt (nein, nicht das Becks Schiff) ,Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Fernando Magellan, Antonio de Cabral, James Cook und Achtung: Bobby Schenk!! Hääää - wie bitte? ...Okay, da ist jetzt wohl ’ne Erklärung fällig. Kein Platz mehr, morgen mehr!
26.07.2009 17:14:34
Mo 30. Seetag Log: ..Interessiert mich nicht, mir ist nach SEX!
Schmetterlingssegeln vor dem Passat mit ausgebaumter Genua und dem Großsegel. Obwohl es jeden Tag heisser wird, schlafe ich zunehmend besser. Liegt wohl auch daran, dass ich nachts einfach liegen bleibe! Trotzdem hat mich eine innere Stimme weit nach Mitternacht ins Cockpit gelockt: Da war tatsächlich ein Licht weit entfernt am Horizont. Auf der Linie wo Himmel und Meer sich berühren, zog noch jemand dahin. Auf der Suche nach verlorenen Seelen oder ein Meeresstreuner - So einer wie ich. 150 Seemeilen vor den Kapverden. Die ersten Seevögel. Eine Möwe kräht mich übel gelaunt an, während ich bei einem heißen Kaffee im Cockpit sitze und der Sonne beim Aufgehen zu schaue. Merkwürdig diffus sendet sie ihr magisches Licht in die Staubfahnen des Harmattan. Der Passat trägt feinen Wüstensand über das Meer und ganz , ganz weit entfernt, genauer gesagt in Warnemünde, höre ich im IOW weißen Kittel murmeln: „Wüstensand, Staubeinträge! Geil! Vergiss bloss nicht Deine Mission, kleiner Seemann und denk’an die Messungen für die Wissenschaft“ Wird gemacht. Morgen! Heute riech ich erstmal am Land: Märkte, Menschengewusel, Restaurants, Bars und dem aphrodisierendem Geruch von schönen Frauen in fremden Häfen. Zumindest stell ich mir das alles so vor und noch viel mehr, in dem ich die Schoten anziehe und mitten durch segel: Zwischen Phantasie, Genuss und Sex!
Bernt SY Horizons
Schmetterlingssegeln vor dem Passat mit ausgebaumter Genua und dem Großsegel. Obwohl es jeden Tag heisser wird, schlafe ich zunehmend besser. Liegt wohl auch daran, dass ich nachts einfach liegen bleibe! Trotzdem hat mich eine innere Stimme weit nach Mitternacht ins Cockpit gelockt: Da war tatsächlich ein Licht weit entfernt am Horizont. Auf der Linie wo Himmel und Meer sich berühren, zog noch jemand dahin. Auf der Suche nach verlorenen Seelen oder ein Meeresstreuner - So einer wie ich. 150 Seemeilen vor den Kapverden. Die ersten Seevögel. Eine Möwe kräht mich übel gelaunt an, während ich bei einem heißen Kaffee im Cockpit sitze und der Sonne beim Aufgehen zu schaue. Merkwürdig diffus sendet sie ihr magisches Licht in die Staubfahnen des Harmattan. Der Passat trägt feinen Wüstensand über das Meer und ganz , ganz weit entfernt, genauer gesagt in Warnemünde, höre ich im IOW weißen Kittel murmeln: „Wüstensand, Staubeinträge! Geil! Vergiss bloss nicht Deine Mission, kleiner Seemann und denk’an die Messungen für die Wissenschaft“ Wird gemacht. Morgen! Heute riech ich erstmal am Land: Märkte, Menschengewusel, Restaurants, Bars und dem aphrodisierendem Geruch von schönen Frauen in fremden Häfen. Zumindest stell ich mir das alles so vor und noch viel mehr, in dem ich die Schoten anziehe und mitten durch segel: Zwischen Phantasie, Genuss und Sex!
Bernt SY Horizons
25.07.2009 10:04:43
Samstag 28.Seetag Log: 2682 sm
Magic Carpet Ride
Immer noch kein Schiff gesehen. Dafür unzählige fliegende Fische - und Delfine auf der Gegenspur.
7 Bft aus Nordost. Das Großsegel ganz weggenommen, mit ausgebaumter und gereffter Genua vor dem Wind und im Surf der hohen Atlantikdünung. Das ist Passatwindsegeln in seiner ganzen Schönheit. Sozusagen Magic Carpet Ride!
Jenseits der Reeling rauscht die Welt vorbei, während ich heute eher mit Melancholieschüben beschäftigt bin. Unendlich die pechschwarze Nacht, schwer der Einstieg in den Tag.
Mach das Büro bis Montag dicht und geh ein bisschen wandern. Zieh durch weiße Hügel- und Berglandschaften.
Schönes Wochenende und liebe Grüße aus einem aufgewühlten Meer
Bernt SY Horizons
Magic Carpet Ride
Immer noch kein Schiff gesehen. Dafür unzählige fliegende Fische - und Delfine auf der Gegenspur.
7 Bft aus Nordost. Das Großsegel ganz weggenommen, mit ausgebaumter und gereffter Genua vor dem Wind und im Surf der hohen Atlantikdünung. Das ist Passatwindsegeln in seiner ganzen Schönheit. Sozusagen Magic Carpet Ride!
Jenseits der Reeling rauscht die Welt vorbei, während ich heute eher mit Melancholieschüben beschäftigt bin. Unendlich die pechschwarze Nacht, schwer der Einstieg in den Tag.
Mach das Büro bis Montag dicht und geh ein bisschen wandern. Zieh durch weiße Hügel- und Berglandschaften.
Schönes Wochenende und liebe Grüße aus einem aufgewühlten Meer
Bernt SY Horizons
24.07.2009 09:54:20
Fr. 27. Seetag Log: 2528 sm
Besuch is’ weg. Jonathan hat mich verlassen. Kein Wunder, ist ja nix los! Kein Brief, kein Futter. Keine anderen Schiffe. Selbst mein liebvoll gebackenes Brot mit einem Blick stolzer Verachtung gestraft!
Mit ausgebaumter Genua und gerefften Groß raumschots und mit 7-8Kn Rauschefahrt durch Tag und Nacht. Der Passat setzt sich wieder durch und bläst mit 20Kn – zunehmend. Wie meine Freude darauf. Trotz Neumond kam ich gut durch die Nacht. Für andere verlief sie tödlich!
Beim Morgenspaziergang zähle ich auf dem Deck die Leichen von 4 fliegenden Fischen (siehe Foto)
Weit querab trieb ein verlassenes Ruderboot! Von Menschen keine Spur! Vielleicht die Erinnerung an eine Schlagzeile vergangener Tage: Migranten ertrunken, während ihr Boot im Kanaren-Strom Richtung Südwest treibt.
Armutsheere. Sie fassen außer ihrer Habe, ihren ganzen Mut zusammen, schieben an der gegenüberliegenden Küste von Afrika fragile Kähne ins Wasser und schippern illegal ihrer großen Hoffnung Europa entgegen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
Besuch is’ weg. Jonathan hat mich verlassen. Kein Wunder, ist ja nix los! Kein Brief, kein Futter. Keine anderen Schiffe. Selbst mein liebvoll gebackenes Brot mit einem Blick stolzer Verachtung gestraft!
Mit ausgebaumter Genua und gerefften Groß raumschots und mit 7-8Kn Rauschefahrt durch Tag und Nacht. Der Passat setzt sich wieder durch und bläst mit 20Kn – zunehmend. Wie meine Freude darauf. Trotz Neumond kam ich gut durch die Nacht. Für andere verlief sie tödlich!
Beim Morgenspaziergang zähle ich auf dem Deck die Leichen von 4 fliegenden Fischen (siehe Foto)
Weit querab trieb ein verlassenes Ruderboot! Von Menschen keine Spur! Vielleicht die Erinnerung an eine Schlagzeile vergangener Tage: Migranten ertrunken, während ihr Boot im Kanaren-Strom Richtung Südwest treibt.
Armutsheere. Sie fassen außer ihrer Habe, ihren ganzen Mut zusammen, schieben an der gegenüberliegenden Küste von Afrika fragile Kähne ins Wasser und schippern illegal ihrer großen Hoffnung Europa entgegen.
Liebe Grüße Bernt SY Horizons
23.07.2009 09:58:31
Do. 26. Seetag Log: 2382 sm
Obwohl die Gribfiles bis zu 30kn Wind angesagt haben, scheint’s dem Passat egal zu sein. Er schwächelt! Weht eher lau aus NE. Um uns herum nix als Blau. Keine Schiffe. Über den Tag zog der Parasailor. In der Nacht kurzes Auffrischen mit Winddrehung auf Nord. Parasailor runter, Groß u. Genua raus. Spibaum gesetzt. 1 Std. Arbeit. War dabei nicht allein, ein neuer Mitsegler. Eine Taube! (kein Garn!) Lieber eine Taube auf dem Geräteträger, als ein Kielschwein in der Bilge!
Neumond. Pechschwarze Nacht. Dazu Leonard Cohen „live in London”. Das war mir dann doch zu düster! Mitten in der Nacht, ich fand keinen Schlaf, bin ich in die Backstube. Eine Stunde später schwängerte ein neuer Geruch den Salon: Das erste selbstgebackene Brot! Dazu aus Rila’s Feinkostabteilung gegrillte Zuchini - Mit bemehlten Händen und frischem Brot hockte ich auf der Schwelle des Augenblicks, tief in mir ein Gefühl von Glück!
Wir wünschen Euch einen glücklichen Tag!
Bernt u. Jonathan (Taube) SY Horizons
Obwohl die Gribfiles bis zu 30kn Wind angesagt haben, scheint’s dem Passat egal zu sein. Er schwächelt! Weht eher lau aus NE. Um uns herum nix als Blau. Keine Schiffe. Über den Tag zog der Parasailor. In der Nacht kurzes Auffrischen mit Winddrehung auf Nord. Parasailor runter, Groß u. Genua raus. Spibaum gesetzt. 1 Std. Arbeit. War dabei nicht allein, ein neuer Mitsegler. Eine Taube! (kein Garn!) Lieber eine Taube auf dem Geräteträger, als ein Kielschwein in der Bilge!
Neumond. Pechschwarze Nacht. Dazu Leonard Cohen „live in London”. Das war mir dann doch zu düster! Mitten in der Nacht, ich fand keinen Schlaf, bin ich in die Backstube. Eine Stunde später schwängerte ein neuer Geruch den Salon: Das erste selbstgebackene Brot! Dazu aus Rila’s Feinkostabteilung gegrillte Zuchini - Mit bemehlten Händen und frischem Brot hockte ich auf der Schwelle des Augenblicks, tief in mir ein Gefühl von Glück!
Wir wünschen Euch einen glücklichen Tag!
Bernt u. Jonathan (Taube) SY Horizons
22.07.2009 11:37:01
Mi. 25. Seetag Log: 2275 sm
Heiß. 30°. Im schwachen Passat, mit ausgebaumter Genua, das Groß mit dem Bullenstander gesichert, ziehe ich meinem nächsten Wegepunkt entgegen. 735 Sm zu den Kapverden.
Musik im Hintergrund bereits passend: Sao Vicente - eine Fada von Cesare Evora - Der musikalischen Seele Cabo Verdes. Ein paar Delfine - keine Schiffe. Nur in der Dunkelheit der Schein von Punta Orchilla. Dem….genau! Dem westlichsten Punkt der Alten Welt. El Hierro, letzter Brückenkopf europäischer Zivilisation. Schon damals für Kolumbus, der die Isla Sietes zum Wasser bunkern nutze. „esta Agua se bautizo America “. Dieses Wasser taufte Amerika!
Im Blues der letzten Nacht dachte ich an weitere Worte aus dem Logbuch von Christoph Kolumbus: „Das Meer wird neue Hoffnung bringen, so wie der Schlaf die Träume bringt bei Nacht“.
Nachts im Sternenmeer und draussen geschlafen.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
Heiß. 30°. Im schwachen Passat, mit ausgebaumter Genua, das Groß mit dem Bullenstander gesichert, ziehe ich meinem nächsten Wegepunkt entgegen. 735 Sm zu den Kapverden.
Musik im Hintergrund bereits passend: Sao Vicente - eine Fada von Cesare Evora - Der musikalischen Seele Cabo Verdes. Ein paar Delfine - keine Schiffe. Nur in der Dunkelheit der Schein von Punta Orchilla. Dem….genau! Dem westlichsten Punkt der Alten Welt. El Hierro, letzter Brückenkopf europäischer Zivilisation. Schon damals für Kolumbus, der die Isla Sietes zum Wasser bunkern nutze. „esta Agua se bautizo America “. Dieses Wasser taufte Amerika!
Im Blues der letzten Nacht dachte ich an weitere Worte aus dem Logbuch von Christoph Kolumbus: „Das Meer wird neue Hoffnung bringen, so wie der Schlaf die Träume bringt bei Nacht“.
Nachts im Sternenmeer und draussen geschlafen.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons
21.07.2009 09:55:29
Di. 24. Seetag
In der Nacht brach der Passat ein. Trieb vor dem Lichtermeer Teneriffas. Im ersten Licht des Tages der Blick von meinem Balkon auf ein Unesco-Weltkulturerbe: Gomera. Frühstück nach Landessitte: Spanisches Omelett. Dann …….Krieg!!! Ein Tiefflieger rasiert fast die Mastspitze meines Schiffes! Es knallt im All, es rummst im Meer. Satelliten stoßen zusammen und neulich, auf Tauchstation fast ein britisches und französisches U-Boot! Angeblich beide mit atomaren Sprengköpfen bestückt! Frage mich (ernsthaft) Kann man eigentlich mit einem U-Boot einfach so durch die Ozeane eiern oder gilt für die Marine die KVR etwa nicht? Oder haben die grad volle Pulle „No line at the Horizons“ von U2 gehört? Vermutlich aber, hat der britische U-Boot Kommandant unter Wasser nur seine Linksverkehr- Schrulle ausgetobt.
Anyway, und nebenbei: Atlas rausgekramt und den westlichsten Punkt der Alten Welt entdeckt?
Dann morgen mee(h)r und hoffentlich Wind. Wo ist der Passat?
Hasta Luego
Bernt SY Horizons
In der Nacht brach der Passat ein. Trieb vor dem Lichtermeer Teneriffas. Im ersten Licht des Tages der Blick von meinem Balkon auf ein Unesco-Weltkulturerbe: Gomera. Frühstück nach Landessitte: Spanisches Omelett. Dann …….Krieg!!! Ein Tiefflieger rasiert fast die Mastspitze meines Schiffes! Es knallt im All, es rummst im Meer. Satelliten stoßen zusammen und neulich, auf Tauchstation fast ein britisches und französisches U-Boot! Angeblich beide mit atomaren Sprengköpfen bestückt! Frage mich (ernsthaft) Kann man eigentlich mit einem U-Boot einfach so durch die Ozeane eiern oder gilt für die Marine die KVR etwa nicht? Oder haben die grad volle Pulle „No line at the Horizons“ von U2 gehört? Vermutlich aber, hat der britische U-Boot Kommandant unter Wasser nur seine Linksverkehr- Schrulle ausgetobt.
Anyway, und nebenbei: Atlas rausgekramt und den westlichsten Punkt der Alten Welt entdeckt?
Dann morgen mee(h)r und hoffentlich Wind. Wo ist der Passat?
Hasta Luego
Bernt SY Horizons
20.07.2009 16:06:48
Mo. 23. Seetag Log: 2034sm
Meeresstreuner-
Segel zwischen den Kanarischen Inseln. Schau von meiner Deckspromenade auf Dieses und Jenes, allerdings ohne touristische Pflichten zu haben. Was ich hab, ist Zeit! Die lass ich bewusst liegen, weil ich nicht schon auf der ersten Runde im antarktischen Winter durchs Südpolarmeer ziehen möchte. Vor mir die Karte des Nordatlantiks. Darin stecknadelgroße Wegepunkte: Sao Pedro e Sao Paulo. Heilige Felsen mitten im Ozean, nahe dem Äquator.
Morgen der Abschied von der Alten Welt, ihrem westlichsten Punkt! Welchem ? Nun – den Atlas raus und nachschauen! Ihr kommt drauf, da bin ich mir sicher. Genau wie das Meer bewegt und die Ozeane verbinden: z.B. das Kirchengemeindehaus Matten in der Schweiz mit Wismar!
Danke Ihnen, liebe Familie Röthlisberger, für die großzügige Spende. Muchas gracias, sagen die Kinder von Wismar. (www.lichtamhorizont.de)
Schönen Start in die Woche
Bernt SY Horizons
Meeresstreuner-
Segel zwischen den Kanarischen Inseln. Schau von meiner Deckspromenade auf Dieses und Jenes, allerdings ohne touristische Pflichten zu haben. Was ich hab, ist Zeit! Die lass ich bewusst liegen, weil ich nicht schon auf der ersten Runde im antarktischen Winter durchs Südpolarmeer ziehen möchte. Vor mir die Karte des Nordatlantiks. Darin stecknadelgroße Wegepunkte: Sao Pedro e Sao Paulo. Heilige Felsen mitten im Ozean, nahe dem Äquator.
Morgen der Abschied von der Alten Welt, ihrem westlichsten Punkt! Welchem ? Nun – den Atlas raus und nachschauen! Ihr kommt drauf, da bin ich mir sicher. Genau wie das Meer bewegt und die Ozeane verbinden: z.B. das Kirchengemeindehaus Matten in der Schweiz mit Wismar!
Danke Ihnen, liebe Familie Röthlisberger, für die großzügige Spende. Muchas gracias, sagen die Kinder von Wismar. (www.lichtamhorizont.de)
Schönen Start in die Woche
Bernt SY Horizons
19.07.2009 08:59:09
So. 22. Seetag - Jetzt geht die Reise los…..jetzt geht die Reise los…..Jetzt geht die Reise..
Verscheucht sind die geisterhaften Wesen vergangener Tage. Bin wieder in der Spur.
Auch der Himmel frisch geputzt und eine Wasserwelt vom Meister gutgelaunt dahin aquarelliert. Horizons mit ausgebaumter Genua und Groß vor dem Wind. Schmetterlingssegeln im frischen Passat. Gran Canaria. Entlang einer zerstörten Landschaft, in die sich architektonische Grausamkeiten durch den Pauschaltourismus Hügel aufwärts gefressen haben. Bucht für Bucht für Hotelanlagen begradigt und Riffe wegsprengt.
Zieht schweres Wetter auf, rächt sich das Meer. Lacht sich eins und spült die Strände weg!
Windmusik, Heckwasser rauscht, Gedanken sprudeln. Meereslust berührt die Seele.
Schönen Sonntag
Bernt SY Horizons
Verscheucht sind die geisterhaften Wesen vergangener Tage. Bin wieder in der Spur.
Auch der Himmel frisch geputzt und eine Wasserwelt vom Meister gutgelaunt dahin aquarelliert. Horizons mit ausgebaumter Genua und Groß vor dem Wind. Schmetterlingssegeln im frischen Passat. Gran Canaria. Entlang einer zerstörten Landschaft, in die sich architektonische Grausamkeiten durch den Pauschaltourismus Hügel aufwärts gefressen haben. Bucht für Bucht für Hotelanlagen begradigt und Riffe wegsprengt.
Zieht schweres Wetter auf, rächt sich das Meer. Lacht sich eins und spült die Strände weg!
Windmusik, Heckwasser rauscht, Gedanken sprudeln. Meereslust berührt die Seele.
Schönen Sonntag
Bernt SY Horizons
17.07.2009 02:20:57
20. Seetag Log: 2071 sm
Etappenziel erreicht. Vor Las Palmas soll sich der Kreis der ersten Runde schließen. So Gott und Neptun nix dagegen haben. Bis dahin noch 30.000sm und einiges mehr. Zum Beispiel, die Gradienten nicht zu vernachlässigen! 2. Messung im Dienst der Wissenschaft im Seegebiet der Kanaren. Ablauf folgendermaßen: 1. Sea and Sun Sonde 50m abgewinscht.(Speichert Wasserdruck, Strömung, Temp.,usw.) Daten auf Rechner übertragen.
2. Trios-Sensor ins Blau gehalten. Misst Sonneneinstrahlung, Ocean-Colour, Saharastaubeinträge. Daten auf Rechner gespeichert. 3. Wasserprobe genommen, etwas konserviert und zur späteren Untersuchung (Kobalt, Eisen, Mangan usw.) in der IOW Kiste verstaut. Surprise…dabei ein Glas Marmelade und eine Dose Sonnenblumenbrot entdeckt! Danke Frau Doktor! Zeit: 45 Min.
Infos zu sail&research an Bord der SY Horizons unter http: sar.io-warnemuende.de
Schönes Wochenende – Mach’ das Büro dicht und meld’ mich Montag wieder.
Hasta Luego Bernt SY Horizons
Etappenziel erreicht. Vor Las Palmas soll sich der Kreis der ersten Runde schließen. So Gott und Neptun nix dagegen haben. Bis dahin noch 30.000sm und einiges mehr. Zum Beispiel, die Gradienten nicht zu vernachlässigen! 2. Messung im Dienst der Wissenschaft im Seegebiet der Kanaren. Ablauf folgendermaßen: 1. Sea and Sun Sonde 50m abgewinscht.(Speichert Wasserdruck, Strömung, Temp.,usw.) Daten auf Rechner übertragen.
2. Trios-Sensor ins Blau gehalten. Misst Sonneneinstrahlung, Ocean-Colour, Saharastaubeinträge. Daten auf Rechner gespeichert. 3. Wasserprobe genommen, etwas konserviert und zur späteren Untersuchung (Kobalt, Eisen, Mangan usw.) in der IOW Kiste verstaut. Surprise…dabei ein Glas Marmelade und eine Dose Sonnenblumenbrot entdeckt! Danke Frau Doktor! Zeit: 45 Min.
Infos zu sail&research an Bord der SY Horizons unter http: sar.io-warnemuende.de
Schönes Wochenende – Mach’ das Büro dicht und meld’ mich Montag wieder.
Hasta Luego Bernt SY Horizons
16.07.2009 09:22:24
19. Seetag
Im Fieber der See weht der Passat und lässt Horizons verspielt über den Ozean tänzeln. Kann der Energie meiner Lady noch nicht folgen, komm nur langsam hinterher. Mein Tief ist noch nicht durch!
Am Nachmittag Licht am Horizont!
Mit 10 Eimer Salzwasser frisch geduscht und zurück ins Leben geworfen! Stille, Ruhe, Einsamkeit. Nur Himmel und Ozean zänkeln darum, wem das Blau besser steht. Oder griechisch: Zeus und Neptun buhlen um die Gunst des kleinen Seemanns ! Egal - es wurde Nacht! Was darin blieb, war der Trost der Rebe und das Leuchtfeuer der Verlorenen.
Passiere den Leuchtturm von Selvem Grande.
Blick ihm so lange nach, bis sein Schein und der Geschmack vom Bardolino hinterm Horizont versinken.
Bernt SY Horizons 29°52N 015°48W
Im Fieber der See weht der Passat und lässt Horizons verspielt über den Ozean tänzeln. Kann der Energie meiner Lady noch nicht folgen, komm nur langsam hinterher. Mein Tief ist noch nicht durch!
Am Nachmittag Licht am Horizont!
Mit 10 Eimer Salzwasser frisch geduscht und zurück ins Leben geworfen! Stille, Ruhe, Einsamkeit. Nur Himmel und Ozean zänkeln darum, wem das Blau besser steht. Oder griechisch: Zeus und Neptun buhlen um die Gunst des kleinen Seemanns ! Egal - es wurde Nacht! Was darin blieb, war der Trost der Rebe und das Leuchtfeuer der Verlorenen.
Passiere den Leuchtturm von Selvem Grande.
Blick ihm so lange nach, bis sein Schein und der Geschmack vom Bardolino hinterm Horizont versinken.
Bernt SY Horizons 29°52N 015°48W
15.07.2009 09:53:46
18. Seetag
Im Einfluss des Azorenhochs bläst der Wind konstant aus Ost. Segel stark gerefft, eher defensiv um meine Kräfte zu schonen. Am Nachmittag die schroffen Umrisse Isla Desertas passiert. Nix besonderes, wenn mich nicht die Erlebnisse meiner 1. Weltumseglung mit AURYN eingeholt hätten. Das unbewohnte Felsmassiv wurde für eine Familie leider zur Endstation ihrer Sehnsucht. Im Spiegel der Tragödie erinnere ich mich an die versuchte Rettungsaktion. Morning Glory hiess das Schiff, in das die Norweger ihre ganze Zukunft bauten. Auf einem schroffen Fels hat die einst stolze Yacht ihre Seele ausgehaucht und ihren letzten Liegeplatz gefunden. Ende eines Traumes.
Und meiner? Ich bleib’ bei ihm! Doch im Moment sind’s eher Alpträume! Lausche flüsternden Monstern. Kämpfe weiter mit der Allergie und mit Fieberschüben. Mal gegen Löwen, dann gegen Kraken. Hab mir Verstärkung geholt. Öffne nach Mitternacht die Bilge und lass einen völlig entstellten Steuermann (Foto) das Schiff segeln. Hilft gegen die Geister der Nacht! So hoffe ich - und auf meeehr.
Liebe Grüsse
Bernt SY Horizons
Im Einfluss des Azorenhochs bläst der Wind konstant aus Ost. Segel stark gerefft, eher defensiv um meine Kräfte zu schonen. Am Nachmittag die schroffen Umrisse Isla Desertas passiert. Nix besonderes, wenn mich nicht die Erlebnisse meiner 1. Weltumseglung mit AURYN eingeholt hätten. Das unbewohnte Felsmassiv wurde für eine Familie leider zur Endstation ihrer Sehnsucht. Im Spiegel der Tragödie erinnere ich mich an die versuchte Rettungsaktion. Morning Glory hiess das Schiff, in das die Norweger ihre ganze Zukunft bauten. Auf einem schroffen Fels hat die einst stolze Yacht ihre Seele ausgehaucht und ihren letzten Liegeplatz gefunden. Ende eines Traumes.
Und meiner? Ich bleib’ bei ihm! Doch im Moment sind’s eher Alpträume! Lausche flüsternden Monstern. Kämpfe weiter mit der Allergie und mit Fieberschüben. Mal gegen Löwen, dann gegen Kraken. Hab mir Verstärkung geholt. Öffne nach Mitternacht die Bilge und lass einen völlig entstellten Steuermann (Foto) das Schiff segeln. Hilft gegen die Geister der Nacht! So hoffe ich - und auf meeehr.
Liebe Grüsse
Bernt SY Horizons
14.07.2009 10:46:30
17.Seetag Log: 1800 sm
Am 16.Tag meiner Reise trieb ich im Seegebiet Puerto Santo-Madeira. Verlassen vom Wind. Gefangen in Raum und Zeit. Flaute! So wie in meinem Inneren!!!
In mir ein schmatzt ein Monster. Durch was auch immer hab’ ich mir eine üble, allergische Reaktion eingefangen. Der unsichtbare Feind saugt meine Energie, macht mich matt…und wandert. Gestern aufgequollene Lippen, heute dicke Augen. Flecken am ganzen Körper. Hoffe es durch eine sehr gut ausgestattete Bord-Apotheke (danke Moni) und medizinischer Beratung (danke Joerg) in den Griff zu kriegen.
Heute, am 17. Seetag kommt wieder Leben in die Bude…zumindest ist der Wind zurück. Mit ihm hoffe ich, dass auch meine immer noch vorhandenen Allergieschübe dahin fliegen - Wie Horizons mit einem Wind aus Ost und 7,5kn. Fahrt.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons 32°29'N 016°52'W
Am 16.Tag meiner Reise trieb ich im Seegebiet Puerto Santo-Madeira. Verlassen vom Wind. Gefangen in Raum und Zeit. Flaute! So wie in meinem Inneren!!!
In mir ein schmatzt ein Monster. Durch was auch immer hab’ ich mir eine üble, allergische Reaktion eingefangen. Der unsichtbare Feind saugt meine Energie, macht mich matt…und wandert. Gestern aufgequollene Lippen, heute dicke Augen. Flecken am ganzen Körper. Hoffe es durch eine sehr gut ausgestattete Bord-Apotheke (danke Moni) und medizinischer Beratung (danke Joerg) in den Griff zu kriegen.
Heute, am 17. Seetag kommt wieder Leben in die Bude…zumindest ist der Wind zurück. Mit ihm hoffe ich, dass auch meine immer noch vorhandenen Allergieschübe dahin fliegen - Wie Horizons mit einem Wind aus Ost und 7,5kn. Fahrt.
Liebe Grüße
Bernt SY Horizons 32°29'N 016°52'W
12.07.2009 10:01:55
15.Seetag – Log: 1667 sm
300sm querab von Afrika. Das Abendessen, ganz nach Region: : Couscous (ohne Hammel) aus der Rila Feinkostabteilung. Zwischen Orient und Horizont die Spuren der Erinnerung gekreuzt. Tanger, Rabat u. Casablanca: Stationen meiner 1. Weltumseglung. Kasbah, Souks, Schlangenbeschwörer. Geschichten aus 1000 und einer Nacht. Und hier draußen? Mein Lieblingssegel zieht in den Sonnenuntergang , mich haut’s in die Koje. 2 Stunden am Stück geschlafen. Wellness pur. Nachts nimmt der Wind zu: Parasailor runter, Segelwerkstatt raus u.Spibaum gesetzt. Nur Orion und Mond schauen zu. Sonst nichts. Nichts als Meer und das Licht des Universums. Es reflektiert das Plankton im aufgewühlten Kielwasser zu einem Pfad leuchtender Sterne. Bis sie verlöschen, wie die Gedanken an den Zauber Afrikas.
Liebe Grüße aus dem Sternenmeer
Bernt SY Horizons 34°05N 15°°03W
300sm querab von Afrika. Das Abendessen, ganz nach Region: : Couscous (ohne Hammel) aus der Rila Feinkostabteilung. Zwischen Orient und Horizont die Spuren der Erinnerung gekreuzt. Tanger, Rabat u. Casablanca: Stationen meiner 1. Weltumseglung. Kasbah, Souks, Schlangenbeschwörer. Geschichten aus 1000 und einer Nacht. Und hier draußen? Mein Lieblingssegel zieht in den Sonnenuntergang , mich haut’s in die Koje. 2 Stunden am Stück geschlafen. Wellness pur. Nachts nimmt der Wind zu: Parasailor runter, Segelwerkstatt raus u.Spibaum gesetzt. Nur Orion und Mond schauen zu. Sonst nichts. Nichts als Meer und das Licht des Universums. Es reflektiert das Plankton im aufgewühlten Kielwasser zu einem Pfad leuchtender Sterne. Bis sie verlöschen, wie die Gedanken an den Zauber Afrikas.
Liebe Grüße aus dem Sternenmeer
Bernt SY Horizons 34°05N 15°°03W
11.07.2009 10:10:13
2 Wochen auf See Log: 1551 sm
Segel immer noch mit ausgebaumter Genua, aber nun mit Groß und Bullenstander.
Bin auf Kurs Madeira, weil der Wind offshore etwas konstanter ist, wenn auch schwach. Schreibe den 14.Seetag und ihr fragt Euch vielleicht: wie kommen die Texte und das TripCon Logbuch überhaupt von Bord? Antwort: Sailmail heisst das Zauberwort und Pactor die Brieftaube. Es braucht dazu eine Kurzwellenfunkanlage, Laptop, ein Modem und….Michael Wnuk! Michael ist Weltumsegler (weiss also wovon er spricht), Buchautor: Meer als ein Traum/DK), technisch äusserst kompetent und nicht nur deshalb …mein Freund! „Vergiss nicht die Antenne vom Achterstag zu trennen“. Deine Worte im Ohr, Mischa, gestern erledigt. (siehe Foto)
Infos zu Sailmail/Pactor unter: www.lunatronic.net
Über den Pactor kann man in der Verlassenheit der Ozeane nicht nur Wetterkarten empfangen, sondern auch wunderbar kommunizieren. Grad mit Uwe Röttgering gemailt. Er ist nach seiner erfolgreichen Ostar-Regatta auf dem Weg back home, z.Zt. nähe der Neufundlandbanks. Komm gut an Uwe, pass auf das Eis auf und lass Fanfan heil.
Ein schönes Wochenende für Euch. Meines dauert ja seit Cuxhaven, schreibt einer. Von wegen!
Bernt SY Horizons 35°19N 13°13W
Segel immer noch mit ausgebaumter Genua, aber nun mit Groß und Bullenstander.
Bin auf Kurs Madeira, weil der Wind offshore etwas konstanter ist, wenn auch schwach. Schreibe den 14.Seetag und ihr fragt Euch vielleicht: wie kommen die Texte und das TripCon Logbuch überhaupt von Bord? Antwort: Sailmail heisst das Zauberwort und Pactor die Brieftaube. Es braucht dazu eine Kurzwellenfunkanlage, Laptop, ein Modem und….Michael Wnuk! Michael ist Weltumsegler (weiss also wovon er spricht), Buchautor: Meer als ein Traum/DK), technisch äusserst kompetent und nicht nur deshalb …mein Freund! „Vergiss nicht die Antenne vom Achterstag zu trennen“. Deine Worte im Ohr, Mischa, gestern erledigt. (siehe Foto)
Infos zu Sailmail/Pactor unter: www.lunatronic.net
Über den Pactor kann man in der Verlassenheit der Ozeane nicht nur Wetterkarten empfangen, sondern auch wunderbar kommunizieren. Grad mit Uwe Röttgering gemailt. Er ist nach seiner erfolgreichen Ostar-Regatta auf dem Weg back home, z.Zt. nähe der Neufundlandbanks. Komm gut an Uwe, pass auf das Eis auf und lass Fanfan heil.
Ein schönes Wochenende für Euch. Meines dauert ja seit Cuxhaven, schreibt einer. Von wegen!
Bernt SY Horizons 35°19N 13°13W
10.07.2009 09:47:30
13. Seetag Log 1426 sm
Die Rauschefahrt Kurs Kanaren geht weiter. Mit ausgebaumter Genua, zwischen 6 und 8 Knoten, begleitet von einer Herde Delfine. Bei 50 hab ich aufgehört zu zählen. Der 2.Livestream gestern Abend klappte super. Es braucht eine Weile bis die Technik aufgebaut ist, dann der Start: Hallo ist da jemand…komisches Gefühl ins Nichts zu sprechen, aber gleichzeitig die Nähe derer zu spüren, die mich auf diesem Törn begleiten! Schön dass Ihr da seid. Hatte Besuch! Der SWF war da! Ein Live-Interview über Satellitentelefon. Die Dame fragt, ob ich mich schon nach Hause sehne. Wieso, antworte ich, bin doch daheim. In meinem Haus am Meer. 22m² Wohnfläche, großer Swimmingpool, unverbaubare Lage. Selbst eine Bibliothek hats hier (siehe Foto). Lese Phillip Roth „Jedermann“. Beklemmendes Werk gegen die Vergänglichkeit. Passend dazu die letzte Banane, schwarz gesprenkelt.
Eines bleibt - das ewige Meer.
Bernt SY Horizons
Die Rauschefahrt Kurs Kanaren geht weiter. Mit ausgebaumter Genua, zwischen 6 und 8 Knoten, begleitet von einer Herde Delfine. Bei 50 hab ich aufgehört zu zählen. Der 2.Livestream gestern Abend klappte super. Es braucht eine Weile bis die Technik aufgebaut ist, dann der Start: Hallo ist da jemand…komisches Gefühl ins Nichts zu sprechen, aber gleichzeitig die Nähe derer zu spüren, die mich auf diesem Törn begleiten! Schön dass Ihr da seid. Hatte Besuch! Der SWF war da! Ein Live-Interview über Satellitentelefon. Die Dame fragt, ob ich mich schon nach Hause sehne. Wieso, antworte ich, bin doch daheim. In meinem Haus am Meer. 22m² Wohnfläche, großer Swimmingpool, unverbaubare Lage. Selbst eine Bibliothek hats hier (siehe Foto). Lese Phillip Roth „Jedermann“. Beklemmendes Werk gegen die Vergänglichkeit. Passend dazu die letzte Banane, schwarz gesprenkelt.
Eines bleibt - das ewige Meer.
Bernt SY Horizons
09.07.2009 09:46:48
12.Seetag – Log: 1277sm
Alles ist Meer. Im Meer der Gefühle hab ich im Antlitz gnadenloser Natur mitunter Schiss, dann wieder bin ich fasziniert von den Farben, vom Licht und einem Raum voller Stille. Lache hinter meinen Flüchen und erlebe den geilsten Segeltag 2009: Wind aus N-NW 8Bft!
Segel nur mit ausgebaumter Genua vor dem Wind. Das „nur“ liest sich lässig, die Arbeit dafür dauert eine halbe Stunde. Meine Lady fliegt. Surft in Spitzen mit 9 Knoten durch ein aufgewühltes Meer. Dann die Nacht! Segeln durch Winterlandschaften. Zwischen Wellenbergen mit weiß-schäumender Gischt. Dazu der Vollmond bei klassischer Musik im Cockpit . Ein Schluck Vino! Nicht mehr. Bin schon besoffen – berauscht vom Meer. In mir wummert das Glück, über mir explodiert das Universum.Gänsehaut für die Seele!
Für alle mit der Sehnsucht nach dem Meer
Bernt SY Horizons 39°13N 010°17W
Ps. Bis heut Abend um 20h zur Tagesschau, Live auf der SY Horizons
Alles ist Meer. Im Meer der Gefühle hab ich im Antlitz gnadenloser Natur mitunter Schiss, dann wieder bin ich fasziniert von den Farben, vom Licht und einem Raum voller Stille. Lache hinter meinen Flüchen und erlebe den geilsten Segeltag 2009: Wind aus N-NW 8Bft!
Segel nur mit ausgebaumter Genua vor dem Wind. Das „nur“ liest sich lässig, die Arbeit dafür dauert eine halbe Stunde. Meine Lady fliegt. Surft in Spitzen mit 9 Knoten durch ein aufgewühltes Meer. Dann die Nacht! Segeln durch Winterlandschaften. Zwischen Wellenbergen mit weiß-schäumender Gischt. Dazu der Vollmond bei klassischer Musik im Cockpit . Ein Schluck Vino! Nicht mehr. Bin schon besoffen – berauscht vom Meer. In mir wummert das Glück, über mir explodiert das Universum.Gänsehaut für die Seele!
Für alle mit der Sehnsucht nach dem Meer
Bernt SY Horizons 39°13N 010°17W
Ps. Bis heut Abend um 20h zur Tagesschau, Live auf der SY Horizons
08.07.2009 09:12:08
11. Seetag – Log:
Die Insel des verlorenen Tages
Ihr habts sicher an der Position gemerkt. War dicht unter Land. Auf der Suche nach einer Ankerbucht. Nicht einfach ohne Detailkarten. Brauch für meine kleine Reise ja nur die Übersegler der Ozeane (6 Stück) Jeder Ostseesegler hat da mehr zu bieten.Die Insel die ich fand hieß Cies und der Grund meines Besuchs: 1.Autopilot schaltet sich nicht ab (segel mit der Aries) Dabei piept der AP gelegentlich, wohl weil er wieder mitspielen möchte. 2. Netzteil meines Bordcomputers hat den Geist aufgegeben. Ist so als wenn es im Shuttle allmählich dunkler wird: Hello Houston…3. 2 Fenster im Vorschiff sind undicht. Die Bihunsuppe mag es nicht wenn sie mit Salzwasser geduscht wird! 4. Spibaum gekürzt. Der war im Handling eher für 3, ich bin allein. Das hab ich auch gedacht als ich bei 3m ankam! Musste nach dem Anker tauchen der sich beim Aufholen hinter einem Stein verhakte. Als ich bei ihm ankam (4m), hat mich die Temperatur daran erinnert , dass ich meinen Neoprenanzug vergessen hab! Sag noch einer hier sei nix los!
Nun auf direktem Kurs Kanaren. 900sm.
Komm….sagt das Meer.
Moin, sag ich und wünsch Euch einen schönen Tag
Bernt morgen Do.20h Live Stream von Bord!
Die Insel des verlorenen Tages
Ihr habts sicher an der Position gemerkt. War dicht unter Land. Auf der Suche nach einer Ankerbucht. Nicht einfach ohne Detailkarten. Brauch für meine kleine Reise ja nur die Übersegler der Ozeane (6 Stück) Jeder Ostseesegler hat da mehr zu bieten.Die Insel die ich fand hieß Cies und der Grund meines Besuchs: 1.Autopilot schaltet sich nicht ab (segel mit der Aries) Dabei piept der AP gelegentlich, wohl weil er wieder mitspielen möchte. 2. Netzteil meines Bordcomputers hat den Geist aufgegeben. Ist so als wenn es im Shuttle allmählich dunkler wird: Hello Houston…3. 2 Fenster im Vorschiff sind undicht. Die Bihunsuppe mag es nicht wenn sie mit Salzwasser geduscht wird! 4. Spibaum gekürzt. Der war im Handling eher für 3, ich bin allein. Das hab ich auch gedacht als ich bei 3m ankam! Musste nach dem Anker tauchen der sich beim Aufholen hinter einem Stein verhakte. Als ich bei ihm ankam (4m), hat mich die Temperatur daran erinnert , dass ich meinen Neoprenanzug vergessen hab! Sag noch einer hier sei nix los!
Nun auf direktem Kurs Kanaren. 900sm.
Komm….sagt das Meer.
Moin, sag ich und wünsch Euch einen schönen Tag
Bernt morgen Do.20h Live Stream von Bord!
07.07.2009 04:42:24
10. Seetag – Log:1088sm
Die ersten 1000sm geschafft. Darauf einen Finger Sherry. Quer, nicht längs!
Schwacher Westwind. Immerhin zieht mein Liebling Parasailor (man beachte die weiße Tape-Naht) )wie Sau. Bei schlappen 1,5Bft immerhin mit 5Kn. Wende dicht unter Land vor den apokalyptischen Umrissen eines Atomkraftwerkes.
Dann das Ende! Kap Finesterre (s.Foto). Für die Römer das Ende der Welt - für mich das erste Kap! Zum Greifen nah. Brauche diese Wegepunkte. Es sind mentale Anker, Motivationsklötze hin zu einem Gesamtwerk einer noch langen Reise – auch zu mir selbst.
Meereslust! Befeuert vom Vollmond setz ich mich zu „Horizons“. Schalt den Autopilot ab und segel per Hand. Sanft treibt sie über die Wellen, doch spür ich ihre Kraft. Sie wird super durchhalten, vielleicht besser als ich. Alles zieht dahin: Das Meer, die Gedanken. Die Seele dreht bei. Stille Momente von Zufriedenheit an jener Stelle, wo die Biscaya endet und dem Augenblick, wo wir in den Nordatlantik segelten.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
Die ersten 1000sm geschafft. Darauf einen Finger Sherry. Quer, nicht längs!
Schwacher Westwind. Immerhin zieht mein Liebling Parasailor (man beachte die weiße Tape-Naht) )wie Sau. Bei schlappen 1,5Bft immerhin mit 5Kn. Wende dicht unter Land vor den apokalyptischen Umrissen eines Atomkraftwerkes.
Dann das Ende! Kap Finesterre (s.Foto). Für die Römer das Ende der Welt - für mich das erste Kap! Zum Greifen nah. Brauche diese Wegepunkte. Es sind mentale Anker, Motivationsklötze hin zu einem Gesamtwerk einer noch langen Reise – auch zu mir selbst.
Meereslust! Befeuert vom Vollmond setz ich mich zu „Horizons“. Schalt den Autopilot ab und segel per Hand. Sanft treibt sie über die Wellen, doch spür ich ihre Kraft. Sie wird super durchhalten, vielleicht besser als ich. Alles zieht dahin: Das Meer, die Gedanken. Die Seele dreht bei. Stille Momente von Zufriedenheit an jener Stelle, wo die Biscaya endet und dem Augenblick, wo wir in den Nordatlantik segelten.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
06.07.2009 10:00:28
So .18h – Land in Sicht. Galicien, spanische Nordküste. Erinnerungen ausgekramt. Im vorigen Jahrhundert bin ich dort über den Jakobsweg gelatscht. Hab Tapas gemummelt, mit Vino Tinto nachgespült, spanisch gelernt usw…..Apropos lernen: Was sind Gradienten?
Während Ihr darüber nachdenkt kurz zur nüchternen Chronistenpflicht: Die Kaltfront ist durch. Das Haus steht wieder grade. Treibe verlassen vom Wind vor La Coruna und warte auf den angekündigten Nordwind eines Azorenhochs.
Nach Rührei mit Hartkäse zurück zu den Gradienten. Hören wir dazu Dr. Pohl vom IOW: „die Probenahme an den Kapverden ist natürlich besonders wichtig, da sie direkt vom Nordost-Passat beeinflusst werden und somit im Einflussbereich des Saharastaubeintrages liegen. Wichtig für uns sind in diesem Zusammenhang natürlich auch die Gradienten d.h. wie es nördlicher aussieht um dann den Anstieg voll mitzukriegen. Deshalb wäre es super, wenn Du Dich in den wissenschaftlichen Akivitäten einmal in der Biskaya übst, dann quer ab Gibralta und vielleicht auch noch auf Höhe der Kanaren eine Messung/ Probe nimmst.“
So weit, so gut Frau Doktor und …erledigt! Siehe Foto. Schließlich sind wir hier seriös unterwegs. Auch weil sail2horizons unterstützt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
In diesem Sinne liebe Grüße an die Kollegen vom IOW in Warnemünde und der DFG. Euch allen einen schönen Start in die Woche.
Hasta Luego
Bernt - SY Horizons - 9. Seetag Log: 1005sm
Während Ihr darüber nachdenkt kurz zur nüchternen Chronistenpflicht: Die Kaltfront ist durch. Das Haus steht wieder grade. Treibe verlassen vom Wind vor La Coruna und warte auf den angekündigten Nordwind eines Azorenhochs.
Nach Rührei mit Hartkäse zurück zu den Gradienten. Hören wir dazu Dr. Pohl vom IOW: „die Probenahme an den Kapverden ist natürlich besonders wichtig, da sie direkt vom Nordost-Passat beeinflusst werden und somit im Einflussbereich des Saharastaubeintrages liegen. Wichtig für uns sind in diesem Zusammenhang natürlich auch die Gradienten d.h. wie es nördlicher aussieht um dann den Anstieg voll mitzukriegen. Deshalb wäre es super, wenn Du Dich in den wissenschaftlichen Akivitäten einmal in der Biskaya übst, dann quer ab Gibralta und vielleicht auch noch auf Höhe der Kanaren eine Messung/ Probe nimmst.“
So weit, so gut Frau Doktor und …erledigt! Siehe Foto. Schließlich sind wir hier seriös unterwegs. Auch weil sail2horizons unterstützt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
In diesem Sinne liebe Grüße an die Kollegen vom IOW in Warnemünde und der DFG. Euch allen einen schönen Start in die Woche.
Hasta Luego
Bernt - SY Horizons - 9. Seetag Log: 1005sm
05.07.2009 10:07:22
Sa. 15h – Völlig irreal. Telefon klingelt! Malte Blömer vom Yachtfunkservice Cuxhaven ist dran! Ob alles okay ist mit Iridium und Autopilot? Das nenn ich Kundenservice. Nicht in jedem Blaumann steckt ein Fachmann. Malte aber, ist einer von der besten Sorte.
Abendimpression gefällig?
Dann schaut mit mir aufs ewige Meer:
Im Herz der Biscaya hat das Revier seinen wahren Charakter gezeigt. SW 6-7 ohne Vorwarnung. Kam kaum mit dem Reffen nach. Der Tag an dem es richtig was zu tun gab verdämmerte. Mächtige Wellenberge schoben sich heran. Gischt flog. Mittendrin Horizons, hoch am Wind - stark und souverän. Der Mond kam dazu. Wanderte von einer Seite zur anderen und leuchtete das Meeresszenario gespenstisch aus. Rasende Wolkenbänke senkten und formten sich zu Phantasiebildern taumelnder Ungeheuer. Schlafmangel lässt solche Gemälde entstehen. Mein Futter über die Nacht….siehe Foto!
So. 8h – Zuhaus bei Freunden!
Die ersten Delfine. Sie lösen im Spiel der Wellen Freude und innere Ruhe aus, wie ich es bisher nur auf See erlebt habe. Im Meersein verschmolz alles zur Einheit: Die Delfine, das blaue Boot, der kleine Seemann und das Wasser mit dem Horizont.
Bernt - SY Horizons – 8.Seetag Log: 924 Sm
Abendimpression gefällig?
Dann schaut mit mir aufs ewige Meer:
Im Herz der Biscaya hat das Revier seinen wahren Charakter gezeigt. SW 6-7 ohne Vorwarnung. Kam kaum mit dem Reffen nach. Der Tag an dem es richtig was zu tun gab verdämmerte. Mächtige Wellenberge schoben sich heran. Gischt flog. Mittendrin Horizons, hoch am Wind - stark und souverän. Der Mond kam dazu. Wanderte von einer Seite zur anderen und leuchtete das Meeresszenario gespenstisch aus. Rasende Wolkenbänke senkten und formten sich zu Phantasiebildern taumelnder Ungeheuer. Schlafmangel lässt solche Gemälde entstehen. Mein Futter über die Nacht….siehe Foto!
So. 8h – Zuhaus bei Freunden!
Die ersten Delfine. Sie lösen im Spiel der Wellen Freude und innere Ruhe aus, wie ich es bisher nur auf See erlebt habe. Im Meersein verschmolz alles zur Einheit: Die Delfine, das blaue Boot, der kleine Seemann und das Wasser mit dem Horizont.
Bernt - SY Horizons – 8.Seetag Log: 924 Sm
04.07.2009 09:52:59
Fr.. 3.7.
14h-Der Wind schläft ein. Lazy Afternoon. War mal kurz weg. Hab Reste eines Fischernetzes aus dem Propeller meines Wasserkraftwerks gefummelt. Bei der Gelegenheit 2 Runden ums Schiff geschwommen. Geiles Gefühl auf 3000m Wassertiefe. Danach Kurs 220° - allerdings im Gewummer des Diesels. Den Batterien hats gefallen. Bei mir allerdings rangiert Motoren gleich hinter Magenspiegelung und Florian Silbereisen.
Gegen Abend ist der Wind zurück. SW 4-5. Das Haus steht schief! Hoch am Wind Kurs Süd.
Sa.4.7.
Post via Sailmail. Ein Mit-Segler schrieb: „Bis zu Deiner gestrigen Position hat W. Erdmann bei Allein gegen den Wind doppelt so lange gebraucht wie Du“. Interessant, aber vergesst die Vergleiche. Ich bin nicht im Wettlauf. Ausserdem sind unsere Törns nicht vergleichbar. W.Erdmann segelte nur für sich.Mein Ego-Trip ist beladen mit Inhalten die mir wichtig sind. Einerseits etwas zu tun für die Wissenschaft, das beginnt ab den Kapverden und andererseits auch in der Weite der Ozeane der Lautsprecher für unser Kinderprojekt www.lichtamhorizont.de zu sein. Vergesst mir die Kinder von Wismar nicht!! Norbert Gelhart freut sich über jede Unterstützung. Die letzte Aktion der Kids: mit 40 Kindern nach Bad Segeberg zur Generalprobe von Karl Mays „Schatz im Silbersee“.
Im Meeressilber noch ein Gedanke zu W. Erdmann. Bei aller Bescheidenheit – etwas verbindet uns: Auf See in einer Langsamkeit unterwegs zu sein, in der die Seele gerade noch Schritt hält!
In diesem Sinne wünsch ich Euch ein entspanntes Wochenende. Mein Job geht weiter. Keine geregelte Arbeitszeit, dafür in 3 Tagen das Kap Finestere.
Bernt - SY Horizons – 46°13N, 006°50W 7.Seetag Log: 808 Sm
14h-Der Wind schläft ein. Lazy Afternoon. War mal kurz weg. Hab Reste eines Fischernetzes aus dem Propeller meines Wasserkraftwerks gefummelt. Bei der Gelegenheit 2 Runden ums Schiff geschwommen. Geiles Gefühl auf 3000m Wassertiefe. Danach Kurs 220° - allerdings im Gewummer des Diesels. Den Batterien hats gefallen. Bei mir allerdings rangiert Motoren gleich hinter Magenspiegelung und Florian Silbereisen.
Gegen Abend ist der Wind zurück. SW 4-5. Das Haus steht schief! Hoch am Wind Kurs Süd.
Sa.4.7.
Post via Sailmail. Ein Mit-Segler schrieb: „Bis zu Deiner gestrigen Position hat W. Erdmann bei Allein gegen den Wind doppelt so lange gebraucht wie Du“. Interessant, aber vergesst die Vergleiche. Ich bin nicht im Wettlauf. Ausserdem sind unsere Törns nicht vergleichbar. W.Erdmann segelte nur für sich.Mein Ego-Trip ist beladen mit Inhalten die mir wichtig sind. Einerseits etwas zu tun für die Wissenschaft, das beginnt ab den Kapverden und andererseits auch in der Weite der Ozeane der Lautsprecher für unser Kinderprojekt www.lichtamhorizont.de zu sein. Vergesst mir die Kinder von Wismar nicht!! Norbert Gelhart freut sich über jede Unterstützung. Die letzte Aktion der Kids: mit 40 Kindern nach Bad Segeberg zur Generalprobe von Karl Mays „Schatz im Silbersee“.
Im Meeressilber noch ein Gedanke zu W. Erdmann. Bei aller Bescheidenheit – etwas verbindet uns: Auf See in einer Langsamkeit unterwegs zu sein, in der die Seele gerade noch Schritt hält!
In diesem Sinne wünsch ich Euch ein entspanntes Wochenende. Mein Job geht weiter. Keine geregelte Arbeitszeit, dafür in 3 Tagen das Kap Finestere.
Bernt - SY Horizons – 46°13N, 006°50W 7.Seetag Log: 808 Sm
03.07.2009 09:17:05
Do. 2.7. 5. Tag auf See - 21h: Ein kleiner Schritt zum vielleicht großen Ganzen ist getan. Erreiche den Rand des ersten Ozeans. Und das bereits nach 5 Tagen! Die Biscaya stellt sich uns entgegen. Mit einem kräftigen Südwest, Regenschauer und feuchter Gräue.
Mein Optimismus zu stark, um sich von wem auch immer angekränkelt zu fühlen. Kurs West. Irgendwann kommt Amerika, doch vorher drehte der Wind. Feuer mich bei der Wende an und lass Horizons Richtung Süden laufen. Hinein in die Phalanx der Großschiffahrt , mitten durch das Vertrennungsgebiet! Als es brenzlig wurde, halse ich und kreuze den Highway der Riesen. Wie es sich gehört: im rechten Winkel und flott.
Fr. 3.7. 6. Seetag
1:30h - Rockn Roll querab der Ile D’Quesant . Die Biscaya wirft sich aufs Kontinentalschelf. Dazu Wind gegen Strom, ekelige See und konfuse Bocksprünge meiner Lady.
Unruhige Nacht. Wind dreht auf West-Südwest. Regenschauer. Dazwischen kräftige Böen und ein ständiges Ein-und Ausreffen. Mein Schlafanzug besteht aus Stiefel und Schwerwetterkleidung. Im vollen Gewand dös’ ich in 20Min Phasen im Salon. Immer auf dem Sprung zur Arbeit. Als es wieder mal soweit war, lächelte der Mond. Die Bewölkung brach auf und ein heller Schein badete das Meer in Silber. Segeln im Mondschein – einer dieser göttlichen Momente.
Bevor ich’s vergesse: Danke für die Anteilnahme des Patienten. Mein Lieblingssegel namens Parasailor ist verarztet: 7m Tape für 3 Meter Riss. 6 Std. Arbeit, 2 gebrochene Nadeln, 3 Blasen und ungezählte Flüche. Belohnung: 2 Spiegeleier auf Schweizer Rösti (danke liebe Anita) Für Dich das Foto aus dem Mast. Extra rasiert!
Love & Kisses
Bernt - SY Horizons - 47°55N 005°52 W Log:697sm
Mein Optimismus zu stark, um sich von wem auch immer angekränkelt zu fühlen. Kurs West. Irgendwann kommt Amerika, doch vorher drehte der Wind. Feuer mich bei der Wende an und lass Horizons Richtung Süden laufen. Hinein in die Phalanx der Großschiffahrt , mitten durch das Vertrennungsgebiet! Als es brenzlig wurde, halse ich und kreuze den Highway der Riesen. Wie es sich gehört: im rechten Winkel und flott.
Fr. 3.7. 6. Seetag
1:30h - Rockn Roll querab der Ile D’Quesant . Die Biscaya wirft sich aufs Kontinentalschelf. Dazu Wind gegen Strom, ekelige See und konfuse Bocksprünge meiner Lady.
Unruhige Nacht. Wind dreht auf West-Südwest. Regenschauer. Dazwischen kräftige Böen und ein ständiges Ein-und Ausreffen. Mein Schlafanzug besteht aus Stiefel und Schwerwetterkleidung. Im vollen Gewand dös’ ich in 20Min Phasen im Salon. Immer auf dem Sprung zur Arbeit. Als es wieder mal soweit war, lächelte der Mond. Die Bewölkung brach auf und ein heller Schein badete das Meer in Silber. Segeln im Mondschein – einer dieser göttlichen Momente.
Bevor ich’s vergesse: Danke für die Anteilnahme des Patienten. Mein Lieblingssegel namens Parasailor ist verarztet: 7m Tape für 3 Meter Riss. 6 Std. Arbeit, 2 gebrochene Nadeln, 3 Blasen und ungezählte Flüche. Belohnung: 2 Spiegeleier auf Schweizer Rösti (danke liebe Anita) Für Dich das Foto aus dem Mast. Extra rasiert!
Love & Kisses
Bernt - SY Horizons - 47°55N 005°52 W Log:697sm
02.07.2009 09:44:27
5.Seetag - Log: 600sm
Moin, Moin
Etwas zur Technik: Segel seit Cux mit dem Autopiloten weil die Aries vor dem Wind schlecht steuert. Nachts unter voller Navi-Beleuchtung, manchmal läuft das Radar mit. Klar bei dem Schifffahrtsverkehr. Zudem vergess ich beim Senden über Satellit immer den Generator anzuschmeissen. Das alles verbraucht eine Menge Strom. Hab zur zusätzlichen Energiegewinnung mein Wasserkraftwerk (siehe Foto) aktiviert. Der Aquair (www.shipshop.de) speist die Batterien bei 5 Knoten Fahrt immerhin mit 4 Ampere!
Halse alle 6 Std.im Channel, weil ich den Wind lieber Raum (mehr Druck) als von achtern (Eierei) habe. Pfeif auf den direkten Kurs und Zeit. Soulsegler folgen ihrem Instinkt. Und Zeit? Davon hab ich eine Überdosis.
Mein Trimm wird besser. Die Tatsache sail2horizons auf die Beine gestellt zu haben und nun unterwegs zu sein, rutscht allmählich ins Bewusstsein. Dort angekommen löst es ein wunderbares Gefühl von Befreiung aus. Es beginnt wirklich zu werden.
1:30 bemerke die aufziehende Gewitterfront zu spät. In einer Winddrehung mit kräftiger Böe bekomm ich grad noch den Parasailor runter und fühle beim Wegstauen den Riss in meinem Lieblingssegel. Kaum Zeit zum Ärgern. Kräftige Schauer und ein-und ausreffen der Genua halten mich auf Trab. Blitze zucken, Donner kracht. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei.
Die Biscaya schickt mir ihren Atem entgegen - ein sanfter Schwell läuft in den Channel.
6h – Im knalligen Rot des Sonnenaufgangs geht die Welt unter: die nächste Gewitterfront. Pechschwarz hüllt sie uns ein. Regen satt und schwer. Könnt eigentlich eine Morgendusche darin nehmen. Winddrehung auf Süd. Segel mit Genua und Gross
Freu mich auf heute Abend: Weg mit Nähzeugs, Tidenkalender und Stromtabellen:
Biscaya- Ausfahrt Freiheit.
Schönen Donnerstag …oder welcher Tag is heute?
Bernt Lüchtenborg- SY Horizons-49°16N,004°34W
Moin, Moin
Etwas zur Technik: Segel seit Cux mit dem Autopiloten weil die Aries vor dem Wind schlecht steuert. Nachts unter voller Navi-Beleuchtung, manchmal läuft das Radar mit. Klar bei dem Schifffahrtsverkehr. Zudem vergess ich beim Senden über Satellit immer den Generator anzuschmeissen. Das alles verbraucht eine Menge Strom. Hab zur zusätzlichen Energiegewinnung mein Wasserkraftwerk (siehe Foto) aktiviert. Der Aquair (www.shipshop.de) speist die Batterien bei 5 Knoten Fahrt immerhin mit 4 Ampere!
Halse alle 6 Std.im Channel, weil ich den Wind lieber Raum (mehr Druck) als von achtern (Eierei) habe. Pfeif auf den direkten Kurs und Zeit. Soulsegler folgen ihrem Instinkt. Und Zeit? Davon hab ich eine Überdosis.
Mein Trimm wird besser. Die Tatsache sail2horizons auf die Beine gestellt zu haben und nun unterwegs zu sein, rutscht allmählich ins Bewusstsein. Dort angekommen löst es ein wunderbares Gefühl von Befreiung aus. Es beginnt wirklich zu werden.
1:30 bemerke die aufziehende Gewitterfront zu spät. In einer Winddrehung mit kräftiger Böe bekomm ich grad noch den Parasailor runter und fühle beim Wegstauen den Riss in meinem Lieblingssegel. Kaum Zeit zum Ärgern. Kräftige Schauer und ein-und ausreffen der Genua halten mich auf Trab. Blitze zucken, Donner kracht. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei.
Die Biscaya schickt mir ihren Atem entgegen - ein sanfter Schwell läuft in den Channel.
6h – Im knalligen Rot des Sonnenaufgangs geht die Welt unter: die nächste Gewitterfront. Pechschwarz hüllt sie uns ein. Regen satt und schwer. Könnt eigentlich eine Morgendusche darin nehmen. Winddrehung auf Süd. Segel mit Genua und Gross
Freu mich auf heute Abend: Weg mit Nähzeugs, Tidenkalender und Stromtabellen:
Biscaya- Ausfahrt Freiheit.
Schönen Donnerstag …oder welcher Tag is heute?
Bernt Lüchtenborg- SY Horizons-49°16N,004°34W
01.07.2009 09:52:50
4.Seetag – 481 Seemeilen seit Cuxhaven
Wind beständig aus Ost. Sonne. Keine Arbeit mit den Segeln. Griffe, Geräusche und Gerüche werden allmählich vertrauter. Mein zu Hause ist die Bewegung - 120sm weiter.
Der Parasailor zieht mit seinen 240m2 über den Tag. Spannend wurde es am Abend. beim 1.Versuch Live von Bord zu senden. Die Nabelschnur zur Außenwelt war mit einem Klick auf Inmarsat aufgebaut. Ein paar Sätze, ein paar Bilder. Danach ein kleiner Schalter der mich zwischen den Horizonten wieder ins Off meiner Alleinsamkeit verholt.
21.55h
Bei Roter Grütze mit Vanillesauce in der westlichen Hemisphäre verschwunden. Nullmeridian auf 5o°14’N übersegelt – nur der Halbmond schaute zu.
Bin immer noch gefangen im Zauber des Anfangs (Hesse)
Kanns gar nicht fassen wie lässig das hier alles abläuft. Auch weil ich daran denke, wie ich mit AURYN in dieser Region mal fürchterlich welche auf die Schnauze bekam und teilweise rückwärts segelte.
Über diese Gedanken muss ich im Cockpit eingepennt sein. Bis mich ein Wummern weckte und knapp hinter mir eine riesige Fähre das schäumende Kielwasser von Horizons kreuzte.
Das Schiff - die Neue ist alt. 23 Jahre und aus Alu. Es ist eines von sechs, die weltweit gebaut wurden. Ihr Konstrukteur Horst Glacer, weit in den 70ern, ließ es sich nicht nehmen die Lady und mich in Cuxhaven zu verabschieden. Hat mich sehr berührt.
Ein Boot kann man nicht einfach kaufen und besitzen. Man muss es fühlen und beschnuppern. Langsam kommt man sich näher. Technik und Schraube. Tag für Tag. Irgendwann sind wir eins.
Stichwort AURYN: Werd immer wieder gefragt was aus ihr geworden ist. Sie kam in gute Hände. Christoph und Ellen überführen sie grad ins Mittelmeer und die Gute liegt unweit von hier in Le Havre im Hafen. Zufall? Ich glaub nicht dran. Eher an die Fügung des Augenblicks im Abschied nehmen.
So, wie sie mir den kleinen Finger nahm - damals am letzten Tag, bevor ich mich von ihr trennte.
3h
Im Meer der Gezeiten
Ein starker Strom bremst uns aus. Obwohl die Lady eine flotte Fahrt suggeriert, zeigt das Log nur 1,6Knoten Fahrt über Grund.
Gezeiten. Bilder im Rhythmus der Natur. Sie schärfen die Sinne und lehren uns was bleibt: die Veränderung.
5h
Zum Staunen nah greift im Osten ein zartes Rot nach dem Himmel – nehm ich noch mit und hau mich in die Koje.
8h
Endlich mal 1 Std. am Stück geschlafen. 2 Wecker haben zwar gemahnt. War aber zu lazy um hochzukommen. Seefahrt hat auch was mit Eigendisziplin zu tun…murmelte irgendwo in der Ferne mein Gewissen.
Frühstück:
Fress mich gegen die Fäulnissbakterien der Bananen und betrachte welkende Blumen. Trübe Melancholie umgibt mich. Halte ihr Aktivität entgegen.
10h
Parasailor von Stb nach Bb geschiftet oder andersrum. Kurs 230 oder 290°. Alle 12 Stunden. Halse vor dem Wind im Channel, weil ich den Wind lieber raum (mehr Druck) als von achtern (Eierei) habe. Pfeif auf den direkten Kurs und Zeit. Soulsegler folgen ihrem Instinkt. Und Zeit…. davon hab ich eine Überdosis
Schönen Mittwoch …oder welcher Tag ist heute?
Bernt Lüchtenborg
SY Horizons
49°56’N, 001°39’W
Wind beständig aus Ost. Sonne. Keine Arbeit mit den Segeln. Griffe, Geräusche und Gerüche werden allmählich vertrauter. Mein zu Hause ist die Bewegung - 120sm weiter.
Der Parasailor zieht mit seinen 240m2 über den Tag. Spannend wurde es am Abend. beim 1.Versuch Live von Bord zu senden. Die Nabelschnur zur Außenwelt war mit einem Klick auf Inmarsat aufgebaut. Ein paar Sätze, ein paar Bilder. Danach ein kleiner Schalter der mich zwischen den Horizonten wieder ins Off meiner Alleinsamkeit verholt.
21.55h
Bei Roter Grütze mit Vanillesauce in der westlichen Hemisphäre verschwunden. Nullmeridian auf 5o°14’N übersegelt – nur der Halbmond schaute zu.
Bin immer noch gefangen im Zauber des Anfangs (Hesse)
Kanns gar nicht fassen wie lässig das hier alles abläuft. Auch weil ich daran denke, wie ich mit AURYN in dieser Region mal fürchterlich welche auf die Schnauze bekam und teilweise rückwärts segelte.
Über diese Gedanken muss ich im Cockpit eingepennt sein. Bis mich ein Wummern weckte und knapp hinter mir eine riesige Fähre das schäumende Kielwasser von Horizons kreuzte.
Das Schiff - die Neue ist alt. 23 Jahre und aus Alu. Es ist eines von sechs, die weltweit gebaut wurden. Ihr Konstrukteur Horst Glacer, weit in den 70ern, ließ es sich nicht nehmen die Lady und mich in Cuxhaven zu verabschieden. Hat mich sehr berührt.
Ein Boot kann man nicht einfach kaufen und besitzen. Man muss es fühlen und beschnuppern. Langsam kommt man sich näher. Technik und Schraube. Tag für Tag. Irgendwann sind wir eins.
Stichwort AURYN: Werd immer wieder gefragt was aus ihr geworden ist. Sie kam in gute Hände. Christoph und Ellen überführen sie grad ins Mittelmeer und die Gute liegt unweit von hier in Le Havre im Hafen. Zufall? Ich glaub nicht dran. Eher an die Fügung des Augenblicks im Abschied nehmen.
So, wie sie mir den kleinen Finger nahm - damals am letzten Tag, bevor ich mich von ihr trennte.
3h
Im Meer der Gezeiten
Ein starker Strom bremst uns aus. Obwohl die Lady eine flotte Fahrt suggeriert, zeigt das Log nur 1,6Knoten Fahrt über Grund.
Gezeiten. Bilder im Rhythmus der Natur. Sie schärfen die Sinne und lehren uns was bleibt: die Veränderung.
5h
Zum Staunen nah greift im Osten ein zartes Rot nach dem Himmel – nehm ich noch mit und hau mich in die Koje.
8h
Endlich mal 1 Std. am Stück geschlafen. 2 Wecker haben zwar gemahnt. War aber zu lazy um hochzukommen. Seefahrt hat auch was mit Eigendisziplin zu tun…murmelte irgendwo in der Ferne mein Gewissen.
Frühstück:
Fress mich gegen die Fäulnissbakterien der Bananen und betrachte welkende Blumen. Trübe Melancholie umgibt mich. Halte ihr Aktivität entgegen.
10h
Parasailor von Stb nach Bb geschiftet oder andersrum. Kurs 230 oder 290°. Alle 12 Stunden. Halse vor dem Wind im Channel, weil ich den Wind lieber raum (mehr Druck) als von achtern (Eierei) habe. Pfeif auf den direkten Kurs und Zeit. Soulsegler folgen ihrem Instinkt. Und Zeit…. davon hab ich eine Überdosis
Schönen Mittwoch …oder welcher Tag ist heute?
Bernt Lüchtenborg
SY Horizons
49°56’N, 001°39’W
30.06.2009 09:58:34
3.Seetag
Zu den weniger reizvollen Begleiterscheinungen eines Segeltörns gehört der Nebel. Wie ein Leichenschleier legte er sich schwer über die See. Ausgeschlossen von der Welt, trieben wir in bedrückender Stille. Zerrissen von blökenden Heultonnen und dumpfer Schallsignale zahlreicher Monster, die man mit viel Liebe zum Bootsbau als Containerschiffe bezeichnet.
Ansonsten nichts Besonderes. Abgesehen davon dass ich meine Toilette nautisch betrachtet versenkt habe. Der „Scheisseimer“, mit Hornbach drauf, riss sich beim Spülen im Meer aus dem Bügel!
Lese „Außer Dienst“ von Helmut Schmidt.
Mein Job beginnt erst.
Der Weg ist weit und die Nacht kurz. Döse im Cockpit im Schlafsack. und krabbel alle 1o Minuten zum Rundumblick raus.
Der Nebel hat sich verzogen. Am Horizont querab tanzen die Lichter von Ramsgate.
2:30 – beim South Falls Head
Strom und Drang.
Alles drängt zur Straße von Dover. Unzählige Containerschiffe, Kreuzfahrer, Schnellfähren. Mittendrin Horizons. Entfesselt der Landleinen wittert sie den Ozean…..
7:30h
Bin viel zu schnell! Passiere den Kreidefelsen von Dover in 6sm querab. Vergleich ihn mit Moen/Klintholm - irgendwie kommt der mir schöner vor.
England – ausnahmsweise im Sonnenschein. Höre den BBC Wetterbericht und stell mir die Dame in reger Phantasie vor. Nicht nur ihre Stimme klingt verlockend – auch das was sie in Aussicht stellt: Nordost 3 Bft! Rückenwind! Hab den Tag auf meiner Seite. Lehn mich zurück und segel einfach geradeaus. Entlang der englischen Küste zum Start Point. Ausgangspunkt unsäglicher Schifffahrtstragödien und großer Abenteuer. Auch meines wird dort erst richtig beginnen, denn die Biscaya und der erste Ozean warten.
….. Trag mich fort – dorthin wo die Träume uferlos sind.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
50°56,5N 001°08,6E
Dont forget: wir sehen uns heute abend um 20°° MEZ beim Live-Stream von Bord!
Zu den weniger reizvollen Begleiterscheinungen eines Segeltörns gehört der Nebel. Wie ein Leichenschleier legte er sich schwer über die See. Ausgeschlossen von der Welt, trieben wir in bedrückender Stille. Zerrissen von blökenden Heultonnen und dumpfer Schallsignale zahlreicher Monster, die man mit viel Liebe zum Bootsbau als Containerschiffe bezeichnet.
Ansonsten nichts Besonderes. Abgesehen davon dass ich meine Toilette nautisch betrachtet versenkt habe. Der „Scheisseimer“, mit Hornbach drauf, riss sich beim Spülen im Meer aus dem Bügel!
Lese „Außer Dienst“ von Helmut Schmidt.
Mein Job beginnt erst.
Der Weg ist weit und die Nacht kurz. Döse im Cockpit im Schlafsack. und krabbel alle 1o Minuten zum Rundumblick raus.
Der Nebel hat sich verzogen. Am Horizont querab tanzen die Lichter von Ramsgate.
2:30 – beim South Falls Head
Strom und Drang.
Alles drängt zur Straße von Dover. Unzählige Containerschiffe, Kreuzfahrer, Schnellfähren. Mittendrin Horizons. Entfesselt der Landleinen wittert sie den Ozean…..
7:30h
Bin viel zu schnell! Passiere den Kreidefelsen von Dover in 6sm querab. Vergleich ihn mit Moen/Klintholm - irgendwie kommt der mir schöner vor.
England – ausnahmsweise im Sonnenschein. Höre den BBC Wetterbericht und stell mir die Dame in reger Phantasie vor. Nicht nur ihre Stimme klingt verlockend – auch das was sie in Aussicht stellt: Nordost 3 Bft! Rückenwind! Hab den Tag auf meiner Seite. Lehn mich zurück und segel einfach geradeaus. Entlang der englischen Küste zum Start Point. Ausgangspunkt unsäglicher Schifffahrtstragödien und großer Abenteuer. Auch meines wird dort erst richtig beginnen, denn die Biscaya und der erste Ozean warten.
….. Trag mich fort – dorthin wo die Träume uferlos sind.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
50°56,5N 001°08,6E
Dont forget: wir sehen uns heute abend um 20°° MEZ beim Live-Stream von Bord!
29.06.2009 06:07:25
2.Seetag
Die Heimat liegt im Kielwasser. Seltsames Gefühl - so als wenn man geht und nicht wieder kommt….
Bereits über 200sm geschafft! Lasst uns mal Wetten wie viel es werden. Wer am nächsten dran ist, bekommt
(ausser das er 100,-€ für das Kinderprojekt „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar e.V. spendet) eine Tagesausfahrt mit der Hansekogge „Wissemara“.
Zum Tagesgeschäft:
Der Sonntag verlief im besten Sinne des Wortes. Zum ersten Mal in Shorts und barfuss gesegelt! Im Spiel des Windes lief Horizons einem mächtigen Drachen namens Parasailor hinterher. An Backbord schummelten zarte Wolkenbänke Berge in die friesische Ebene. Nichts los auf dem Meer, ausser einem blauen Segelboot im Spiegel der See.
Die Navigation hält mich auf Trab. Uhr, Gezeitentabellen und Strömungstabellen bestimmen das Segeln.
1h - Nachtfahrt:
Schleiche eine Runde übers Deck: Das Firmament hat geöffnet: Großer Wagen, Nordstern, Orion - selbst der Mond war kurz mal da. Querab das Leuchtfeuer von Den Helder.
Hier draussen - da wo man sich ansonsten nur selbst begegnet, wimmelt es von Schiffen in den Verkehrstrennungsgebieten. Von Fischern, leuchtenden Bohrtürmen und flackernden Gefahrentonnen. Im Lichtermeer döste ich in Abständen von 15 Min. Schlaf? Fehlanzeige.
Dafür brachte ich Ordnung in die größte Einkaufsliste meines Lebens: 1,3 Tonnen Futter lagern in der Speisekammer meiner 3 Zimmerwohnung mit Meerblick.
Nach dem Motto: Je länger die Reise, umso größer das Chaos, gab ich den Versuch dann auf und fress mich eher von Karton zu Karton der Rila-Feinkostabteilung. (Danke Helmut)
7:15h
Der Wind schwächelt, dreht umlaufend. Dann verschluckt uns die Gräue eines dichten Nebels. Sichtweite grad mal bis zum Bug. Unter Groß und Genua schleicht Horizons durch die Nässe ins Nirgendwo.
Eine Heultonne muht, brummende Großschifffahrt um uns herum. Dank AIS auf dem schönen Kartenplotter von Furuno kann man die Riesen bereits lange im Voraus sehen und ihren Kurs verfolgen.
Wenn’s weiter so gut läuft, und der Nebel sich verzieht, könnte ich morgen abend den Kreidefelsen von Dover sehen.
Mein Tech-Support Team (Dr.TripCon und Kay) teilen mir grad mit, dass noch etwas Kohle fürs Live-Streaming im Monatshaushalt ist. Also teile ich den Anblick des Kreidefelsens mit Euch und sende einen Livebericht.
Wir sehen uns Dienstag abend um 20°° live auf www.sail2horizons.com - egal ob mit oder ohne England.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
52°24’N 003°31’E
Die Heimat liegt im Kielwasser. Seltsames Gefühl - so als wenn man geht und nicht wieder kommt….
Bereits über 200sm geschafft! Lasst uns mal Wetten wie viel es werden. Wer am nächsten dran ist, bekommt
(ausser das er 100,-€ für das Kinderprojekt „Licht am Horizont – für die Kinder von Wismar e.V. spendet) eine Tagesausfahrt mit der Hansekogge „Wissemara“.
Zum Tagesgeschäft:
Der Sonntag verlief im besten Sinne des Wortes. Zum ersten Mal in Shorts und barfuss gesegelt! Im Spiel des Windes lief Horizons einem mächtigen Drachen namens Parasailor hinterher. An Backbord schummelten zarte Wolkenbänke Berge in die friesische Ebene. Nichts los auf dem Meer, ausser einem blauen Segelboot im Spiegel der See.
Die Navigation hält mich auf Trab. Uhr, Gezeitentabellen und Strömungstabellen bestimmen das Segeln.
1h - Nachtfahrt:
Schleiche eine Runde übers Deck: Das Firmament hat geöffnet: Großer Wagen, Nordstern, Orion - selbst der Mond war kurz mal da. Querab das Leuchtfeuer von Den Helder.
Hier draussen - da wo man sich ansonsten nur selbst begegnet, wimmelt es von Schiffen in den Verkehrstrennungsgebieten. Von Fischern, leuchtenden Bohrtürmen und flackernden Gefahrentonnen. Im Lichtermeer döste ich in Abständen von 15 Min. Schlaf? Fehlanzeige.
Dafür brachte ich Ordnung in die größte Einkaufsliste meines Lebens: 1,3 Tonnen Futter lagern in der Speisekammer meiner 3 Zimmerwohnung mit Meerblick.
Nach dem Motto: Je länger die Reise, umso größer das Chaos, gab ich den Versuch dann auf und fress mich eher von Karton zu Karton der Rila-Feinkostabteilung. (Danke Helmut)
7:15h
Der Wind schwächelt, dreht umlaufend. Dann verschluckt uns die Gräue eines dichten Nebels. Sichtweite grad mal bis zum Bug. Unter Groß und Genua schleicht Horizons durch die Nässe ins Nirgendwo.
Eine Heultonne muht, brummende Großschifffahrt um uns herum. Dank AIS auf dem schönen Kartenplotter von Furuno kann man die Riesen bereits lange im Voraus sehen und ihren Kurs verfolgen.
Wenn’s weiter so gut läuft, und der Nebel sich verzieht, könnte ich morgen abend den Kreidefelsen von Dover sehen.
Mein Tech-Support Team (Dr.TripCon und Kay) teilen mir grad mit, dass noch etwas Kohle fürs Live-Streaming im Monatshaushalt ist. Also teile ich den Anblick des Kreidefelsens mit Euch und sende einen Livebericht.
Wir sehen uns Dienstag abend um 20°° live auf www.sail2horizons.com - egal ob mit oder ohne England.
Liebe Grüße
Bernt - SY Horizons
52°24’N 003°31’E
28.06.2009 09:36:14
1. Seetag
Im Abschied liegt der Beginn von etwas Neuem – Sehnsucht nach Meer.
Hinter mir liegt die Welt von gestern, vor mir das allmähliche Bewusstsein im Meersein.
Hab Rückenwind – der Parasailor zieht mit 6-8 Knoten Fahrt in die Nacht.
Döse im Cockpit unter der Decke, wälze mich in den Schlaf und wieder raus.
Finde keine Ruhe. Der Kopf segelt noch mal die Ereignisse vergangener Tage ab.
Danke für den tollen Abschied in Wismar und Cuxhaven!
Querab von Borkum muss ich eingeschlafen sein – als ich erwachte war ich in Holland.
Es rauscht die Freiheit.
Im Lächeln der Sonne wünsche ich Euch einen schönen Sonntag.
Bernt
SY Horizons
Querab von Ameland
Im Abschied liegt der Beginn von etwas Neuem – Sehnsucht nach Meer.
Hinter mir liegt die Welt von gestern, vor mir das allmähliche Bewusstsein im Meersein.
Hab Rückenwind – der Parasailor zieht mit 6-8 Knoten Fahrt in die Nacht.
Döse im Cockpit unter der Decke, wälze mich in den Schlaf und wieder raus.
Finde keine Ruhe. Der Kopf segelt noch mal die Ereignisse vergangener Tage ab.
Danke für den tollen Abschied in Wismar und Cuxhaven!
Querab von Borkum muss ich eingeschlafen sein – als ich erwachte war ich in Holland.
Es rauscht die Freiheit.
Im Lächeln der Sonne wünsche ich Euch einen schönen Sonntag.
Bernt
SY Horizons
Querab von Ameland
27.06.2009 13:57:29
noch eine Stunde dann gehts los, Verabschiedung von von Fans und Freunden